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Medizin

Babys strukturieren ihr Gedächtnis im Schlaf

Donnerstag, 12. Februar 2015

dpa

Leipzig – Babys im Alter von 9 bis 16 Monaten können sich durch ein kurzes Schläfchen die Namen von Gegenständen besser merken. Außerdem ist es ihnen erst nach dem Schlaf möglich, gelernte Namen auf neue ähnliche Gegenstände zu übertragen. Das Baby-Gehirn bildet also im Schlaf verallgemeinernde Kategorien – Erlebtes wird zu Wissen. Das berichten Wissenschaftler vom Max-Planck- Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zusammen mit Forschern der Universität Tübingen.

Die meisten Hirnforscher gehen heute davon aus, dass das Gehirn im Schlaf zuvor Erlebtes noch einmal abruft und so neue Gedächtnisinhalte festigt und in das bestehende Gedächtnis integriert. Dabei werden Verbindungen zwischen Nervenzellen verstärkt, neu geknüpft oder auch abgebaut. Schlaf ist also für das Gedächtnis unverzichtbar. Dies ist den Max-Planck-Forschern zufolge bereits im Säuglings- und Kleinkindalter der Fall.

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Für ihre Studie hatten sie Eltern mit ihren 9 bis 16 Monate alten Babys eingeladen. Während der Lernphase bekamen die Babys wiederholt Bilder von Fantasie-Objekten zu sehen und hörten gleichzeitig den Objekten zugeordnete Fantasie-Namen. Manche Objekte ähnelten sich und variierten lediglich in ihren Proportionen, in den Farben oder bestimmten Details. Die ähnlichen Objekte, die sich anhand ihrer Form in Kategorien einteilen ließen, erhielten immer den gleichen Namen. Die Forscher zeichneten währenddessen die Gehirnaktivität der Kinder in einem Elektroenzephalogramm (EEG) auf.

Die folgenden ein bis zwei Stunden verbrachte die eine Babygruppe schlafend im Kinderwagen, während ein EEG aufgenommen wurde, die andere wach auf einer Spazierfahrt im Kinderwagen oder spielend im Untersuchungszimmer. In der anschließenden Testphase zeigten die Wissenschaftler den Babys noch einmal Bild-Wort-Paare – dieses Mal sowohl in den gleichen Kombinationen wie in der Lernphase als auch in neuen Kombinationen – und maßen dabei ebenfalls die Gehirnaktivität.

Die Wissenschaftler erfassten den Lernerfolg zunächst direkt am Ende der Lernphase: Es zeigte sich, dass die Kinder unabhängig von ihrem Alter die Namen der einzelnen Gegenstände gelernt hatten. Aber am Ende der Lernphase konnten sie neue Objekte noch nicht den bereits mehrfach gehörten Namen ähnlicher Objekte zuordnen.

Das war zwei Stunden später anders: „Kinder, die unmittelbar nach der Lernphase geschlafen haben, ordneten neuen Objekten die Namen von Objekten mit ähnlichem Aussehen zu“, erklärt Manuela Friedrich vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. „Vor dem Schlaf konnten sie das noch nicht und auch die wach gebliebenen Kinder waren dazu nicht in der Lage. Die Kategorien müssen also während des Schlafes gebildet worden sein“, so die Wissenschaftlerin.

„Das wache Baby-Gehirn vergisst neu gelernte Benennungen schnell wieder. Im Schlaf werden die Wörter jedoch dauerhafter mit den Objekten verknüpft und prägen sich ein“, sagte Angela Friederici, Direktorin am Leipziger Max-Planck-Institut und Leiterin der Studie. © hil/aerzteblatt.de

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