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Medizin

Schilddrüsenkrebs: Lenvatinib verlängert progressionsfreies Überleben

Donnerstag, 12. Februar 2015

Paris – Lenvatinib, ein Tyrosinkinase-Inhibitor mit einem breiten Angriffspunkt, hat in einer Phase III-Studie an Patienten mit refraktärem Schilddrüsenkarzinom das progressionsfreie Überleben verlängert. Der Hersteller rechnet nach der Publikation im New England Journal of Medicine (2015; 372: 621-630) mit einer baldigen Zulassung.

Nach dem Versagen einer Radiojodtherapie haben Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom eine ungünstige Prognose. Nur etwa 10 Prozent der Patienten leben noch zehn Jahre nach der Entdeckung der Metastasen. Die Therapieoptionen waren lange Zeit begrenzt, da der Tumor auf eine Vielzahl von Wachstumssignalen reagiert. Dies änderte sich erst im letzten Jahr, als sich mit dem „Multikinase“-Inhibitor Sorafenib in einer Studie das progressionsfreie Überleben in einer Studie von 5,8 auf 10,8 Monate verdoppelte.

Sorafenib ist inzwischen in den USA und in Europa zur Behandlung des metastasierten differenzierten Schilddrüsenkrebs zugelassen, der nicht mehr auf eine Radiojodtherapie anspricht. Sofern nicht noch unvorhergesehene Sicherheitsprobleme auftreten sollten, dürfte mit Lenvatinib demnächst ein weiterer „Multikinase“-Inhibitor eingeführt werden.

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Der Wirkstoff, der die Weiterleitung verschiedener Wachstumssignale (VEGFR 1 bis 3, FGFR 1 bis 4, PDGRF alpha, RET und KIT) blockiert, wurde in einer randomisierten Studie an 261 Patienten mit metastasiertem differenziertem Schilddrüsenkrebs getestet. Die Patienten wurden im Verhältnis 2 zu 1 mit Lenvatinib (24mg/die) oder mit Placebo behandelt. Die Therapie erfolgte in 28-tägigen Zyklen, die bis zur erneuten Tumorprogression oder bis zu einer unerträglichen Toxizität fortgesetzt wurde.

Wie das Team um Martin Schlumberger vom Institut Gustave Roussy in Villejiuf bei Paris berichtet, wurde ein vorzeitiger Therapieabbruch aufgrund der starken Nebenwirkungen von Lenvatinib bei 14,2 Prozent notwendig, bei 82,4 Prozent kam es zu Therapiepausen und bei 67,8 Prozent musste die Dosis reduziert werden. Dennoch konnte Lenvatinib das progressionsfreie Überleben, den primären Endpunkt der Studie, von 3,6 auf 18,3 Monate verlängern.

Die Hazard Ratio auf Progression oder Tod betrug 0,21 und war bei einem 99-Prozent-Konfidenzintervall von 0,14 bis 0,31 hoch signifikant. Für Patienten, die die Neben­wirkungen der Therapie wie Hypertonie (bei 67,8 Prozent), Diarrhoe (bei 59,4 Prozent), Müdigkeit oder Asthenie (in 59,0 Prozent), verminderten Appetit (in 50,2 Prozent), Gewichtsabnahme (in 46,4 Prozent) oder Übelkeit (in 41,0 Prozent) ertragen, könnte Lenvatinib die Hoffnung auf eine Lebenszeitverlängerung bieten, auch wenn zum Ende der Studie noch keine Zahlen zur mittleren Überlebenszeit vorlagen. Dem Hersteller wurde in den USA und in Europa ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugesichert. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (PRAC) hat sich am 27. März 2015 für die Zulassung ausgesprochen. Die letzte Entscheidung liegt bei der Europäischen Kommission. © rme/aerzteblatt.de

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