NewsMedizinMehr als 100 Gene beeinflussen Übergewicht und viszerale Adipositas
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mehr als 100 Gene beeinflussen Übergewicht und viszerale Adipositas

Donnerstag, 12. Februar 2015

dpa

Ann Arbor/Chapel Hill – Die bislang größte genomweite Assoziationsstudie fördert in Nature (2015; 518: 187-196) insgesamt 97 Gene zutage, die den Body-Mass-Index (BMI) beeinflussen, dabei aber nur etwa 2,7 Prozent der BMI-Unterschiede in der Bevölkerung erklären. Eine weitere Studie in Nature 2015; 518; 197–206) bringt 49 Genvarianten mit der viszeralen Adipositas in Verbindung. Die Gene wirken sich auf den Energie­stoffwechsel und die Hirnfunktionen aus.

Das „Genetic Investigation of Anthropometric Traits“ oder GIANT-Konsortium macht seinem Namen alle Ehre. Das internationale Forscherteam um Elizabeth Speliotes von der Universität von Michigan in Ann Arbor hat die Daten von mehr als 300.000 Personen zusammengetragen. Das Erbgut wurde an jeweils 2,5 Millionen Stellen verglichen, an denen Genvarianten (SNP) auftreten. In einer „Metabochip“-Analyse wurden dann bei etwa 88.000 Personen noch einmal 156.000 SNP in Genen unter die Lupe genommen, die mit Stoffwechselerkrankungen und einer frühzeitigen Atherosklerose in Verbindung gebracht werden.

Anzeige

Das Unternehmen hat die Zahl der Gene, die den BMI beeinflussen, verdreifacht. Zusammen erklären sie aber nur einen kleinen Teil der BMI-Variabilität, nämlich 2,7 Prozent. Den Gesamteinfluss der Gene schätzen die Forscher auf 21 Prozent. Der erhoffte Volltreffer, ein Gen, das einen Großteil der genetischen Prädisposition erklärt und vielleicht Ansatzpunkte für eine Therapie bietet, war nicht darunter.

Viele Genorte weisen auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems hin. Darunter waren solche, die die Aktivität des Glutamat-Rezeptors beeinflussen. Der Glutamat-Rezeptor ist im Hypothalamus an der Regulation von Appetit und Energieverbrauch beteiligt und Angriffspunkt von Topiramat. Dieses Anti-Epileptikum, das als Nebenwirkung den BMI senkt, ist (neben Phentermin) Bestandteil der Diätpille Qsymia, die in den USA zugelassen ist, nicht aber in Europa.

Daneben wurden SNP in oder in der Nähe von Genen entdeckt, die die Entwicklung des Gehirns beeinflussen. Andere Gene verweisen auf die Wirkung und Freisetzung von Insulin, dem Hormon für die Verteilung von Energieressourcen im Körper, oder auf den Lipidstoffwechsel und die Bildung von Fettgewebe. Eine SNP im Gen für den Toll-like Rezeptor, einem Bestandteil der unspezifischen Immunabwehr, deutet auf eine Rolle der Darmbakterien bei der Entstehung der Adipositas hin.

Wie genau dies geschieht, ist jedoch nicht bekannt, wie die Forschung derzeit insgesamt nur ein „Arbeitsmodell“ für die Biologie der Adipositas hat, wie die Autoren eingestehen. Die Studie liefert hier eher Ansatzpunkte für neue Fragestellungen, als dass sie Antworten liefert.

Dies trifft auch auf die zweite Publikation hin, die nach SNP gesucht hat, die speziell die Zunahme des Bauchumfangs beeinflussen. Das Taille-Hüft-Verhältnis ist ein Marker für die viszerale Adipositas, die auf eine Störung der Insulinwirkung zurückgeführt wird. Die von Karen Mohlke, University of North Carolina in Chapel Hill, entdeckten SNP betreffen denn auch in erster Linie die Adipogenese und die Wirkung von Insulin. Dabei scheint auch die Angiogenese, also die Bildung von Blutgefäßen, eine Rolle zu spielen. Auffallend ist ein starker Einfluss des Geschlechts: 19 SNP beeinflussen das Taille-Hüft-Verhältnis nur bei Frauen und eine SNP wirkte sich nur bei Männern aus. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Februar 2019
Potsdam – Ein Potsdamer Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat gezeigt, dass ein Bakterium namens Clostridium ramosum die Darmzellen von Mäusen dazu bringt, vermehrt
Wie Darmbakterien das Übergewicht fördern könnten
5. Februar 2019
Atlanta – In den USA ist es in den letzten 2 Jahrzehnten zu einem Anstieg bei 6 von 12 Krebserkrankungen gekommen, zu deren Risikofaktoren die Adipositas gehört. Dies geht aus einer Untersuchung der
Adipositasbedingte Krebserkrankungen werden bei jungen US-Bürgern immer häufiger
21. Januar 2019
Berlin – Die Diskussion über den gesundheitlichen Benefit von Low-Carb-Diäten ist erneut entflammt. Grund dafür ist vor allem eine neue Metaanalyse in Nutrition Reviews, die die mittel- bis
Pro und Contra: Sind Low-Carb-Diäten zur Therapie von Übergewicht und Diabetes geeignet?
17. Januar 2019
Berlin – Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas stagniert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor.
Anteil übergewichtiger Kinder stagniert
14. Januar 2019
Leicestershire/England – Wo der Bauch wächst, muss das Gehirn weichen. So könnte man – zugegebenermaßen etwas übertrieben – die Ergebnisse einer Analyse der UK-Biobank beschreiben, die jetzt in
Viszerale Adipositas lässt Hirn früher schrumpfen
9. Januar 2019
Leipzig – Wenn die Mutter gestresst ist, kann das zu Übergewicht bei den Kindern führen. Der empfundene Stress im ersten Lebensjahr des Kinds sei ein Risikofaktor für eine Übergewichtsentwicklung,
Stress bei Müttern kann zu Übergewicht bei Kindern führen
3. Januar 2019
Göteborg – Die bariatrische Chirurgie, die bei adipösen Patienten eine dauerhafte Gewichtsabnahme erzielt und einen Typ-2-Diabetes kurieren kann, hat eine längere Entwicklungsphase hinter sich. Von
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER