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Politik

Psychotherapeuten fordern Honorargerechtigkeit

Montag, 16. Februar 2015

Berlin – Gegen die „rechtswidrige“ Vergütung psychotherapeutischer Leistungen setzen sich der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung und die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugend­lichenpsychotherapeuten (VAKJP) zur Wehr. „Trotz einschlägiger Urteile des Bundes­sozialgerichts (BSG) verzögert der  Bewertungsausschuss eine Neuberechnung der Psychotherapiehonorare“, schreiben die Verbände in einer gemeinsamen Presse­mitteilung. 

Seit mehr als fünf Jahren komme der Bewertungsausschuss seiner rechtlichen Verpflichtung nicht nach, die Psychotherapiehonorare an die Einkommensentwicklung der Honorare im fachärztlichen Bereich anzupassen. Um den Psychotherapeuten ein Mindesteinkommen zu garantieren, hat das BSG in einer Serie von Urteilen seit 1999 ein Mindesthonorar für die psychotherapeutische Behandlung vorgeschrieben (Az.: B 6 KA 46/97, B 6 KA 23/03 R, B 6 KA 41/07 R). Seit 2009 habe keine Überprüfung mehr stattgefunden, so die Verbände, mit der Folge, dass die Schere der Einkommen der Vergleichsfacharztgruppen und der Psychotherapeuten in unrechtmäßiger Weise auseinandergehe.

Diese Verzögerungen wollen die Verbände der Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten nicht länger hinnehmen und haben selber Berechnungen vorgenommen. Das Ergebnis: Pro durchschnittlicher psychothera­peutischer Praxis wurden alleine im Jahr 2012 rund 5.000 Euro zu wenig bezahlt.

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Auf Druck der Psychotherapeutenverbände hatte sich der Bewertungsausschuss in einem Beschluss vom 18. Dezember 2013 verpflichtet, die Psychotherapiehonorare bis zum 30. Juni 2014 rückwirkend für das Jahr 2012 neu festzulegen. Ein Beschluss wurde bisher nicht gefasst. „Der Berechnungsweg für die Honorare nach den Vorgaben des Bundessozialgerichts ist klar festgelegt, eine dermaßen lange Verzögerung ist nicht gerechtfertigt und nicht erklärlich“, betonen die Verbandsvorsitzenden von bvvp, DPtV und VaKJP.

Darum haben die Verbände anhand öffentlich zugänglicher Zahlen und den bisherigen Beschlüssen des Bewertungsausschusses selbst errechnet, was ihnen zusteht: Die Bewertung einer genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistung im Jahre 2012 sei um circa sechs Euro zu niedrig gewesen, das entspreche rund 5.000 Euro pro Praxis.

Zu den Forderungen sagt Roland Stahl, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): „Die Überprüfung und Neuberechnung der Psychothera­peutenhonorare ist leider nicht so einfach. Das Bundessozialgericht hat sehr umfangreiche Vorgaben gemacht, wie eine angemessene Vergütung zu berechnen ist. Hinzu kommt, dass es eine sehr komplexe Materie ist. Dies alles macht es schwierig, ein Verfahren zu entwickeln, das als rechtssicher anerkannt wird.“ Das brauche Zeit.

Bereits im Herbst 2015 hatten 1.500 Psychotherapeuten und Psychiater in Berlin für Honorargerechtigkeit demonstriert. Die Psychotherapeuten mahnen die KBV und den GKV-Spitzenverband an, für eine ausreichende Finanzierung der Psychotherapie zu sorgen. © pb/aerzteblatt.de

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Avatar #687733
kaihallo
am Dienstag, 17. Februar 2015, 12:47

betrügerische Hinhaltetaktik

Wenn Herr Stahl sagt, dass die Neuberechnung Zeit brauche, warum hat man das dann nicht in den Prozess der Neubewertung einbezogen? Das ist doch alles Lug und Betrug. Die Psychotherapeuten werde ganz offiziell über den Tisch gezogen.
Avatar #685584
Roland.Hartmann
am Montag, 16. Februar 2015, 22:38

Der Begriff "angemessene" Vergütung ist ein Witz

Der Pressesprecher der KBV erklärt, es sei sehr schwierig, die umfangreichen Vorgaben des Bundessozialgerichtes zu einer "angemessenen" Honorierung umzusetzen. Hierzu sei folgendes gesagt:
1. Der von den Verbänden beschriebene Rechenweg gibt EXAKT die Vorgaben des BSG wieder. DAS ist nicht schwer!
2. Der Bewertungsausschuss schafft es angeblich nicht, die Vorgaben des BSG selbst zu berechnen, was ein Witz ist. Die Daten sind zudem seit Jahren exakt bekannt und jeder BWLer könnte dies in Kürze ausrechnen.
3. Vielmehr wird die Nachzahlungssumme mit jedem Jahr, in dem nicht nachgezahlt wird, höher. Das Kalkül ist wohl, das der Betrag so astronomisch hoch wird, dass die Politik schließlich akzeptiert, dass der Betrag gar nicht mehr bezahlt werden kann, damit die KVen (also.die Ärzte) und Krankenkassen (also.der Beitragszahler) nicht über Gebühr belastet werden. Das ist so, als würde ein Arbeitgeber jahrelang einem Teil seiner Angestellten zu wenig Lohn zahlen (und diesen an seine Lieblingsangestellten als jährlichen Extrabonus umleiten) und dann sagen "Tut mi leid, das Geld habe ich jetzt nicht mehr, Sie müssen leider drauf verzichten".
4. Inzwischen beträgt der Nachzahlungsbetrag an die Psychotherapeuten schon gut eine halbe Milliarde Euro...
5. Dass dieses Geld all die Jahre die Honorare der nicht psychotherapeutisch tätigen Ärzteschaft erhöht hat, wird von Herrn Stahl nicht laut gesagt. Ebenso nicht, dass die ärztlichen Erträge durchschnittlich pro Jahr inflationsbereinigt um ca. 2,5% steigen, die der Psychotherapeuten hingegen pro Jahr um durchschnittlich 0,5% sinken, im der Summe seit 2000 sogar inzwischen ca. 10%.
6. Das BSG spricht im Übrigen nicht von "angemessener" Vergütung, sondern von einer absoluten Mindestvergütung, die gerade eben nicht mehr rechtswidrig niedrig ist. Psychotherapeuten müssen maximal ausgelastet arbeiten (ca. 60 Stunden pro Woche) um den Durchschnittsertrag schlecht verdienender Arztgruppen gerade eben erreichen zu können. Dies bedeutet umgerechnet: Bei gleicher Arbeitszeit können Psychotherapeuten bestenfalls ca. die Hälfte des ärztlichem Einkommens erwirtschaften. Diese Vorgabe als "angemessen" zu bezeichnen, ist zynisch.

Würde sich die KBV an ihre eigenen Bekundungen halten, nämlich, dass Ärzte und Psychotherapeuten gleichberechtigt sind, dürfte dieses unwürdige und jahrelange angebliche Rumgerechne nicht sein und auch das ständige sich zurückziehen auf die diskriminierenden BSG-Vorgaben. Dann würde die KBV für eine wirklich angemessene, gleichberechtigte Ertragshöhe für alle Fachgruppen eintreten und nicht nur für die ärztlichen Fachgruppen minus die Psychotherapeuten...
LNS

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