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Ärzteschaft

Keine Lösung im Streit zwischen Bayerischen Hausärzten und AOK

Montag, 16. Februar 2015

München – Im Streit zwischen dem Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) und der AOK des Bundeslandes ist nach wie vor keine Einigung in Sicht. Hintergrund ist, dass die AOK Bayern kurz vor den Weihnachtstagen Sammelforderungen für die Quartale 2/2012 bis 3/2014 für vermeintlich falsche Abrechnungen an rund 2.700 Hausärzten in Bayern zugestellt hatte. Es geht dabei um insgesamt rund 12,5 Millionen Euro.

Die Betroffenen sollten die Rückforderungen laut der AOK innerhalb von 30 Tagen begleichen. „Dieses Vorgehen kurz vor Weihnachten ist skandalös. Die AOK Bayern gefährdet damit den sozialen Frieden und die flächendeckende medizinische Versorgung ihrer Versicherten“, hatte der BHÄV-Vorsitzende Dieter Geis erklärt.

Die Empörung über die AOK Bayern ist bei den Ärzten nach wie vor groß. „Ich habe alle Abrechnungen erneut geprüft und kann auch belegen, dass alles bis auf Komma korrekt ist, dennoch unterstellt mir die AOK Bayern weiterhin eine fehlerhafte Abrechnung. Diese Gutsherrenart ist ein Skandal“, berichtete ein Hausarzt auf einer internen Informations­veranstaltung des BHÄV für am vergangenen Samstag in Nürnberg.

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Im Kern geht es um die Arzneimitteltherapieoptimierung, kurz AMTHO. Bei Patienten, die dauerhaft mindestens sechs verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen müssen, prüft der Hausarzt, ob es zwischen den Medikamenten unerwünschte Wechselwirkungen gibt. Die AOK Bayern wirft nun vielen Ärzten vor, AMTHO-Leistungen auch bei Patienten abgerechnet zu haben, die weniger als sechs Medikamente einnehmen.

Dem BHÄV zufolge hat die AOK Bayern aber überhaupt nicht die Daten, solche Vorwürfe seriös zu prüfen, da viele verschreibungspflichtige Medikamente nicht immer über ein Kassen-, sondern oft auch über ein Privatrezept verordnet würden. „Ich selbst habe in meiner Praxis eine schwer lungenkranke Patientin, die sogar neun Medikamente mit elf Wirkstoffen nehmen muss. Obwohl die Sachlage eindeutig ist, hat die AOK Bayern mir auch für diesen eindeutigen Fall eine Regressforderung geschickt, was ein Unding ist“, erklärte Markus Beier, Erster stellvertretender Vorsitzender des BHAEV.

„Dieses vertragswidrige Verhalten der AOK Bayern akzeptieren wir in keinster Weise. Wir haben deshalb umgehend die Aufsicht, das Bayerische Ministerium für Gesundheit und Pflege, informiert. Und wir haben beim Sozialgericht München einen Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gestellt“, so Geis.

Die AOK Bayern weist indes die Verurteilung durch den (BHÄV) entschieden zurück. „Auch eingetragene Vereine müssen Gesetze anerkennen“, sagte Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern. Wenn Leistungen zu Unrecht in Rechnung gestellt würden, seien Krankenkassen verpflichtet, diese zurückzufordern.

Die AOK Bayern habe die berechtigten Korrekturforderungen nach sorgfältiger Prüfung gegenüber den betroffenen Hausärzten geltend gemacht und die festgestellten Abrechnungsfehler hausarztindividuell dargelegt und begründet. Einige hundert Ärzte hätten die Forderung bereits beglichen.

Die AOK Bayern kündigte aber an, keine Verrechnungen vorzunehmen, soweit sie inhaltliche Einwände von Hausärzten gegen die Korrekturforderungen noch nicht abschließend geprüft habe. © hil/aerzteblatt.de

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