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Medizin

Epigenetik: Therapie in der Schwangerschaft könnte Töchter vor Hypertonie schützen

Montag, 16. Februar 2015

dpa

Mainz – Das Nitro-Präparat PETN, das kürzlich in einer klinischen Studie die Rate von intrauterinen Wachstumsstörungen und Frühgeburten gesenkt hat, könnte über eine epigenetische Prägung auch eine spätere Hypertonie der Kinder verhindern. Darauf deutet eine tierexperimentelle Studie in Hypertension (2015; 65: 232-237) hin, die allerdings nur bei weiblichen Nachkommen eine Wirkung nachweisen konnte.

Pentaerithrityltetranitrat (PETN) gehört zu den Nitro-Präparaten, die zur Behandlung der Angina pectoris eingesetzt werden. Wie beim Nitroglycerin kommt es aufgrund der Freisetzung von Stickstoffmonoxid zu einer Vasodilation, die allerdings nur kurz anhält. Zur Hochdrucktherapie werden Nitrate nicht eingesetzt, da es nach kurzer Zeit zu einer Toleranz kommt, die aber bei PETN weniger ausgeprägt sein soll.

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Im letzten Jahr konnten Ekkehard Schleußner von der Universität Jena und Mitarbeiter in einer randomisierten Doppelblindstudie zeigen, dass die Behandlung mit PETN die Rate von intrauterinen Wachstumsstörungen und Frühgeburten in Schwangerschaften senkt, bei denen im Doppler-Ultraschall eine Störung der uterinen Durchblutung nachgewiesen wurde (Journal of Perinatal Medicine 2014; 42: 507-514).

Ein Team um den Pharmakologen Huige Li von der Universitätsmedizin Mainz hat jetzt in einer weiteren Studie untersucht, ob es für die Kinder der PETN-behandelten Schwan­geren noch einen zusätzlichen Schutzeffekt geben könnte. Die Forscher behandelten spontan hypertensive Ratten, das häufigste Tiermodell für die essenzielle Hypertonie beim Menschen, während der Schwangerschaft und in der Stillphase mit PETN.

Auf den Blutdruck der Muttertiere hatte dies keinen Einfluss, doch bei den weiblichen Nachfahren, die normalerweise wie die spontan hypertensiven Muttertiere später an einer Hypertonie erkrankten, wurde der systolische Blutdruck um 10-13 mm Hg gesenkt. Auf die männlichen Nachkommen hatte die PETN-Therapie der Mütter dagegen keinen Einfluss, ohne dass die Forscher hierfür einen Grund fanden.

Bei den weiblichen Nachkommen konnten die Forscher die Blutdrucksenkung auf eine gesteigerte Aktivität der endothelialen NO-Synthase zurückführen. Dieses Enzym senkt durch Freisetzung von Stickstoff den Blutdruck in den Arterien. Auch die Aktivität anderer an der Blutdruckregulation beteiligter Enzyme wie mitochondriale Superoxid-Dismutase, Glutathionperoxidase 1 und Hämoxygenase 1 war gesteigert. Als Ursache vermuten die Forscher epigenetische Veränderungen, die über eine veränderte Acetylierung oder Methylierung die Transkription der Gene beeinflusst haben könnten.

Ob ähnliche Effekte auch beim Menschen auftreten, ist bislang unklar. Für zwei Gruppen von Patientinnen könnte die Therapie nach Einschätzung von Li interessant sein. Die erste Gruppe sind Patientinnen mit schwerer, therapieresistenter Hypertonie in der Familie, die das Risiko von Generation zu Generation weitergeben. Die zweite Gruppe bilden Patientinnen mit abnormaler Plazenta-Durchblutung, die zur Wachstums­ver­zögerung des Fötus und zur Frühgeburt führen kann. In dieser Gruppe könnte die Therapie mit PETN einen Zusatznutzen bieten.

Vor dem Einsatz bei „normalen“ Bluthoch­druck-Patientinnen rät der Experte ab, da einem ungewissen Nutzen potenzielle Komplikationen der Nitrate gegenüberstünden. © rme/aerzteblatt.de

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