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Ärzteschaft

KBV wehrt sich gegen Vorwürfe der Kranken­hausgesellschaft

Mittwoch, 18. Februar 2015

Berlin – „Die DKG zeigt selber auf, dass die Kliniken eine weitergehende Öffnung für die ambulante Versorgung nicht verkraften können. Dieses Eingeständnis muss die Politik hellhörig machen“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, heute den Vorwurf der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die Notaufnahmen der Krankenhäuser würden immer zum Lückenbüßer für die eigentlich zuständigen Bereitschaftsdienste der Kassen­ärztlichen Vereinigungen (KVen).

Diesen Vorwurf hatte gestern Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), erhoben. Hintergrund ist ein Gutachten, das die DKG gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) in Auftrag gegeben hat.

Die KVen reklamierten die Zuständigkeit für die ambulante Notfallversorgung für sich, kritisierte der DKG-Geschäftsführer: „Das ist nicht die Realität. Die ambulante Notfallversorgung findet im Krankenhaus statt.“

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Diese Annahme lehnt die KBV ab und verweist auf den flächendeckenden ärztlichen Bereitschaftsdienst, der unter der Telefonnummer 116117 in ganz Deutschland erreichbar sei. „Allein 2014 haben über fünf Millionen Bürger diesen Service in Anspruch genommen. Das hat auch den eigentlichen Notfalldienst erheblich entlastet“, so Gassen.

Krankenhäuser haben Strukurreformen verschleppt
Nach Auffassung der KBV zeigt das Gutachten, dass die Krankenhäuser notwendige Strukturreformen lange verschleppt haben. „Das rächt sich nun bei den Kliniken“, so Gassen. Er wies darauf hin, dass insbesondere kleinere Häuser viele ärztliche Leistungen gar nicht mehr vorhalten könnten. „Ohne die niedergelassenen Ärzte ist eine gute Versorgung der Patienten nicht zu bewerkstelligen – insbesondere im Notfall“, betonte der KBV-Chef. Der Facharztstatus im niedergelassenen Bereich bürge zudem für Qualität. Im Krankenhaus könne sich der Patient dagegen nicht sicher sein, welche Qualifikation der behandelnde Mediziner habe.

Durchgänginger Facharztstandard nur in der ambulanten Versorgung
Auch die KV Hessen wies die Vorwürfe der DKG entschieden zurück. „Das KV-System ist sehr wohl in der Lage, die ambulante Versorgung während und außerhalb der Sprech­zeiten sicherzustellen. Die aktuell in Hessen von wenigen Geburtsschwierigkeiten abgesehen reibungslose Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes belegt dies“, erklärten die beiden Vorstandvorsitzenden Frank Dastych und Günter Haas in Frankfurt/Main. Sie verwiesen ebenfalls darauf, dass es einen durchgängigen Facharztstandard nur in der ambulanten Versorgung gebe. Für die Kranken­hausgesellschaft ständen ausschließlich wirtschaftliche Gründe im Vordergrund, um unrentable Krankenhäuser am Leben zu erhalten, kritisierten die Vorstände.

Die KV Baden-Württemberg warf der DKG ebenfalls vor, sich mehr auf die Erhöhung ihrer finanzielle Mittel zu kümmern als um die Wirtschaftlichkeit ihrer eigenen Strukturen. „Es stimmt skeptisch, wenn identische ambulante Behandlungen nur deshalb teurer sein sollen, weil sie am Krankenhaus stattfinden. Andererseits dokumentiert dies aber auch, dass das System nur durch den niedergelassenen Bereich finanzierbar ist und die beabsichtigte Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung schlechthin nicht leistbar sein dürfte“, sagte der  Vorstandvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Norbert Metke.

Dass Patienten oft die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Anspruch nehmen anstatt den ambulanten Bereitschaftsdienst zu nutzen, sei lange bekannt. Defizite in der Patientensteuerung und die mangelnde Verantwortung der Patienten seien hier die Gründe. Bedauerlicherweise fehle der Politik auch im laufenden Gesetzgebungs­verfahren der Mut, die Ursachen zu behandeln, monierte Metke. Den Vertragsärzten aber den Schwarzen Peter zuzuspielen und die Aufrechnung von Pflichten und angeblichen Versäumnissen beider Seiten sei Kleinkrämerei. 

Kooperation statt Kleinkrämerei
So sei jetzt Kooperation gefragt, erklärte Johannes Fechner, stellvertretender KV-Vorsitzender. Er verwies auf die Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, mit der ein flächendeckendes Netz von Notfallpraxen an Krankenhäusern eingerichtet worden sei. Die Niedergelassenen könnten ihre Patienten versorgen, während die Krankenhäuser sich auf ihre Aufgaben konzentrieren könnten, sagte Fechner.

Die KV Niedersachsen forderte klare Vorgaben für ambulante Notfallversorgung. Der Gesetzgeber müsse die Grundsatzentscheidung treffen, ob er an der uneingeschränkten Öffnung der Krankenhäuser für jede Notfallbehandlung festhalten will, erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVN, Jörg Berling, heute in Hannover. Eine klare Patientensteuerung sei notwendig, um zu verhindern, dass der Patient nicht nach Belieben die Einrichtung aufsuchen kann, die er möchte.

Berling verwies darauf, dass Personalkosten der Medizinischen Fachangestellten und die Kosten für die Organisation des fahrenden Bereitschaftsdienstes aus einer Bereitschaftsdienstumlage aus den Honoraren der Kassenärzte finanziert würden. die Krankenhäuser könnten sich dagegen auf eine doppelte Finanzierungsgrundlage von Ländern und Kassen stützen, so Berling. © hil/mis/aerzteblatt.de

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isnydoc
am Donnerstag, 19. Februar 2015, 13:08

Bei der Diskussion dreht es sich um das Geld

und deshalb hat die KV-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz jetzt Zahlen genannt - 3250.- €uro werden dort von ca. 7000 Vertragsärzten jährlich einbehalten, die damit ca. 20 Millionen €uro aus eigener Tasche zahlen, damit der Notfalldienst "gestemmt" wird. Man kann also annehmen, dass bei diesen Summen erst ab dem 3.ten oder 4.ten Dienst im Jahr überhaupt etwas "verdient" wird.
Solche Arbeitsbedingungen schaffen die KV-en, als Vorbild für angestellte Mediziner in Kliniken dürfte sie wohl kaum jemand verkaufen können.
LNS

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