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Ärzteschaft

Vertragsärzte behandeln 70 Prozent der Notfallpatienten

Freitag, 20. Februar 2015

dpa

Berlin – Die niedergelassenen Ärzte behandeln den größten Teil der Notfallpatienten in Deutschland. Darauf hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hingewiesen. Das Institut tritt mit seiner Analyse Behauptungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) entgegen.

Dessen Hauptgeschäftsführer Georg Baum hatte Anfang der Woche behauptet, die Notaufnahmen der Krankenhäuser würden immer mehr zum Lückenbüßer für die eigentlich zuständigen Bereitschafts­dienste der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Er berief sich dabei auf ein Gutachten, das die DKG zusammen mit der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) in Auftrag gegeben hat.

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Das ZI bemängelt jetzt, dass die Leistungen der Vertragsärzte in der nicht repräsen­tativen Studie der Krankenhäuser völlig ausgeblendet seien. Tatsächlich behandelten die niedergelassenen Ärzte rund 70 Prozent der ambulanten Notfallpatienten. Die Zi-Wissen­schaftler beziehen sich dabei auf die bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungs­daten, in denen auch die ambulante Versorgung in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser enthalten ist.

Patienten im ambulanten Bereitschaftsdiens deutlich älter
Die Zi-Analyse zeigt ferner, dass zwischen der Versorgung im vertragsärztlichen Bereit­schaftsdienst und in Krankenhausambulanzen strukturelle Unterschiede bestehen. So sind die im ambulanten Bereitschaftsdienst behandelten Patienten im Durchschnitt deutlich älter und haben mehrere meist chronische Krankheiten.

Auch die dokumentierten Behandlungsanlässe weisen Unterschiede auf, wie die Wissenschaftler herausstellen. Während in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser Indikationen zu kleinchirurgischen Maßnahmen oder zur radiologischen Abklärung im Vordergrund stehen, sind es bei den Patienten der Vertragsärzte Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, der Atmungsorgane sowie Schmerzpatienten.

Dass die Krankenhäuser eine Reform der Vergütung ambulanter Leistungen einfordern, ist nach Meinung des Zi in Teilen nachvollziehbar. „Die Krankenhäuser sind die Preise für stationäre Leistungen gewohnt. Mit zuletzt im Durchschnitt 2,85 Prozent sind die Landesbasisfallwerte für die Fallpauschalen stationärer Leistungen binnen eines Jahres stärker gestiegen, als der für ambulante Leistungen maßgebliche Orientierungswert in den vergangenen zwei Jahren zusammen“, erklärte der ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried.

Das Zentralinstitut hält es daher für dringend erforderlich, die Preise für ambulante Leistungen anzupassen. Auch die jüngsten Tarifabschlüsse für Krankenhausärzte mit Steigerungen von über 4,5 Prozent unterstreichen nach Auffassung von Stillfrieds den dringenden Handlungsbedarf bei der Neubewertung des kalkulatorischen Arztlohns. © hil/aerzteblatt.de

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isnydoc
am Freitag, 20. Februar 2015, 22:20

Vertragsärzte bringen sogar noch Opfergaben jedes Quartal

Komisch, das scheint dem ZI wohl eher peinlich, was die KV-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz so bezifferte:
"Jeder niedergelassene Arzt in Rheinland-Pfalz zahlt 3.240 Euro jährlich zur Unterhaltung der Bereitschaftsdienstzentralen."
LNS

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