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Medizin

Ernährung: Neue US-Empfehlungen und eine kritische Welternährungsstudie

Freitag, 20. Februar 2015

dpa

Washington/Cambridge – Die Weltbevölkerung ernährt sich immer ungesünder. Einer Analyse der weltweiten Ernährungsgewohnheiten in Lancet Global Health (3: e132–42) zufolge leben immer mehr Menschen auch in ärmeren Ländern von Fastfood und zuckerhaltigen Getränken. Eine US-Leitlinie will den Verzehr von Kohlenhydraten, Kochsalz und ungesunden Fettsäuren senken, während Cholesterin nicht mehr als Problem betrachtet wird.

Sich einen Überblick über die Ernährungsgewohnheiten von mehr als 4,5 Milliarden erwachsenen Menschen in 187 Ländern mit unterschiedlichen Esskulturen zu verschaffen, ist gewiss nicht einfach. Und die Ergebnisse der Global Burden of Diseases Nutrition and Chronic Diseases Expert Group mussten deshalb oberflächlich bleiben.

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Das Team um Fumiaki Imamura von der Medical Research Council Epidemiology Unit in Cambridge konnte jedoch 325 Ernährungserhebungen identifizieren, die fast 90 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung abdecken. Sie beschreiben aber nicht die indivi­duellen Diäten, als vielmehr die Verfügbarkeit in den jeweiligen Ländern von 17 Nahrungsbestandteilen. Imamura unterteilt sie in zwei Kategorien von gesunden und ungesunden Nahrungsmitteln: Zu den gesunden Nahrungsbestandteilen gehören Obst, Gemüse, Bohnen und Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Vollkornprodukte, Milch, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Fisch, Omega-3 Fettsäuren und Ballaststoffe. Die ungesunden Nahrungsbestandteile sind unverarbeitetes Fleisch, Wurstwaren, mit Zucker gesüßte Getränke, gesättigte Fettsäuren, Transfette, Cholesterin und Natrium.

Die Bevölkerung der Domikanischen Republik verzehrt am meisten gesunde Nahrungsmittel
Das Ergebnis sind zwei Ranglisten mit durchaus überraschenden Ergebnissen. Der Verzehr der gesunden Nahrungsbestandteile war am höchsten in der Dominikanischen Republik vor Brasilien, Finnland, Bulgarien und den Niederlanden. Deutschland belegt Rang 25 zwischen Haiti und Peru. Bei der Vermeidung ungesunder Nahrungs­bestandteile führt Brunei vor Uruguay, dem Jemen, Irak und Südkorea. Deutschland ist an Position 83 zwischen Brasilien und Island angesiedelt. In Deutschland gibt es demnach durchaus ein ausreichendes Angebot an gesunden Nahrungsmitteln, doch die Dominanz von Fastfood und Fertiggerichten führt in der zweiten Kategorie zur Abwertung.

Der Aussagewert dieser Ranglisten dürfte allerdings angezweifelt werden. Kaum zu erklären sind die stark unterschiedlichen Ergebnisse zwischen angrenzenden Ländern wie Brasilien und Argentinien, den Karibikstaaten Barbados und Dominica und südostasiatischen Nachbarn wie Laos und Thailand. Eher verständlich ist das schlechte Abschneiden einiger ehemaliger zentralasiatischer Sowjetrepubliken(Usbekistan, Turkmenistan und Kirgisistan), in denen die Ernährung stark auf tierischen Fetten basiert.

Relativ gut schneidet Polen ab, wo sich seit dem Untergang des Ostblocks die Verfügbarkeit von pflanzlichen Fetten, Gemüse, Obst, und die allgemeine Lebens­mittelvielfalt gebessert hat (dort ist es nach den Ergebnissen einer anderen Untersuchung zu einem Rückgang der Herz-Kreislauf-Erkrankungen gekommen). Unverändert schlecht ist die Ernährungslage in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in einigen Andenstaaten Lateinamerikas.

Ältere Menschen ernähren sich gesünder als jüngere
Global gesehen konstatieren die Autoren eine leichte Verbesserung im Konsum der zehn gesunden Nahrungsbestandteile (um 2,2 von 100 möglichen Punkten), dem allerdings ein noch größerer Anstieg beim Verzehr der ungesunden Nahrungsmittel gegen­übersteht (um 2,5 Punkte). Zu den weiteren Trends gehört, dass ältere Menschen sich gesünder ernähren als jüngere und Frauen mehr auf eine gesunde Kost achten als Männer. In den Ländern mit höherem Wohlstand findet man in den Geschäften mehr gesunde Nahrungsmittel als in den ärmeren Ländern, aber auch die Vielfalt der ungesünderen Nahrungsmittel ist größer.

Hoher Salzgehalt der Fertiggerichte können zu Bluthochdruck führen
Zu den ungesünderen Nahrungsmitteln gehören viele Fertiggerichte mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker. Diese Bestandteile sollten nach einer neuen Empfehlung der US-Regierung, deren Entwurf jetzt vom Dietary Guidelines Advisory Committee veröffentlicht wurde, deutlich gesenkt werden. Die Experten reagieren damit auf Forschungsergebnisse, die den hohen Salzgehalt der Nahrung mit der frühen Entwicklung der Hypertonie in Verbindung bringen.

Laut der American Heart Association nehmen Amerikaner täglich 3.400 mg Natrium zu sich. Die Kardiologen sehen darin einen wesentlichen Grund für den Anstieg der Hypertonie in der Gesellschaft. So hätten heute rund 14 Prozent der Kinder im Alter von 12 bis 19 Jahren und zwei Drittel der Erwachsenen einen zu hohen Blutdruck. Die neuen Leitlinien raten die Zufuhr von Natrium mit der Nahrung auf täglich 2.300 mg zu begrenzen.

Adipositas: Kohlenhydrate in Süßgetränken gefährlich
Der Anstieg der Adipositas – ein Drittel der Kinder sind übergewichtig – wird auf den hohen Anteil von Kohlenhydraten zurückgeführt, die sich vor allem in Süßgetränken verbergen. Die neue Leitlinie rät den Anteil auf 10 Prozent oder 200 Kilokalorien (bei einem Erwachsenen mit sitzender Tätigkeit) zu beschränken. Dies entspricht, wie die New York Times ausgerechnet hat, gerade einmal der Menge von zwölf Teelöffeln.

Derzeit nimmt jeder Amerikaner 22 bis 30 Teelöffel Zucker zu sich, die Hälfte davon über Süßgetränke. Die Getränkeautomaten in US-Schulen dürften deshalb in Zukunft nur noch zuckerfreie Getränke anbieten, wenn die Leitlinie umgesetzt werden sollte. Dies ist nicht unwahrscheinlich, da die Leitlinie für die Schulmensen verpflichtend ist.

Keine Einschränkungen mehr beim Cholesterin
Die Zufuhr an Fetten soll nicht mehr begrenzt werden. Die Leitlinien sehen aber vor, dass die Nahrungsmittel möglichst keine Transfette enthalten sollten und der Gehalt von gesättigten Fettsäuren niedrig gehalten wird. Dies dürfte die Zubereitung von frittierten Gerichten verändern und einen Wechsel von Fleisch hin zu Fischgerichten bedeuten. Keine Einschränkungen mehr gibt es beim Cholesterin. Für die frühere Empfehlung von „Low-cholesterol“-Nahrungsmitteln gibt es auch aus Sicht der American Heart Association, die lange Jahre darauf bestanden hatte, keine wissenschaftliche Grundlage. © hil/aerzteblatt.de

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