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Medizin

Frambösie: Einmaldosis Azithromycin beseitigt Tropenkrankheit

Montag, 23. Februar 2015

Niolam – Die Massenbehandlung von mehr als 80 Prozent der Bevölkerung hat auf einer Südseeinsel die Zahl der Frambösie-Erkrankungen soweit gesenkt, dass die Forscher im New England Journal of Medicine (2015; 372: 703-10) eine Eradikation der Tropen­krankheit für möglich halten, die heute noch in einem Dutzend Ländern endemisch ist.

Die Frambösie ist eine chronische Infektionserkrankung, die in 12 Ländern in Afrika, Asien und dem westlichen Pazifik in tropischen Regionen endemisch ist, in denen etwa 42 Millionen Menschen leben. Der Erreger gehört zur gleichen Spezies wie der Syphilis-Keim Treponema pallidum. Die Subspezies pertenue löst jedoch keine klassische Geschlechtskrankheit aus.

Die meisten Patienten sind kleine Kinder, die den Keim durch Berührung der himbeer­förmigen (franz: framboise) Papeln erwerben, die sich bei den infizierten Kindern meistens am Unterschenkel oder Knöchel bilden. Unbehandelt bleibt die Erkrankung jedoch nicht auf die Haut beschränkt. Wie bei der Syphilis gibt es ein Sekundär- und Tertiärstadium, das bei der Frambösie zu Zerstörungen von Knorpel- und Knochengewebe führen kann.

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Die Erkrankung ist auf den Menschen (und vielleicht auf Gorillas) beschränkt. Es gibt kein nennenswertes Reservoir im Tierreich und die Erkrankung kann gut mit Antibiotika behandelt werden. Dies hat bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren zum Versuch geführt, die Frambösie durch Massenbehandlungen auszurotten. Bis 1964 wurden schätzungsweise 300 Millionen Menschen mit injizierbarem Penicillin behandelt. Die Zahl der Erkrankungen sank um mehr als 95 Prozent. In den Folgejahren verschwand die Erkrankung jedoch aus dem Blickfeld der Public-Health-Forscher. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt sie heute zu einer Gruppe von 17 vernachlässigten seltenen Erkrankungen.

Die Situation änderte sich, als Oriol Mitjà von der Universität Barcelona und Mitarbeiter in einer Studie zeigen konnten, dass die  Erkrankung auch ohne Injektion durch eine einmalige orale Gabe von Azithromycin in vielen Fällen kuriert werden kann (Lancet 2012; 379: 342-7). Die WHO hat im gleichen Jahr auf einer Tagung in Morges im Kanton Waadt die Eradikation der Frambösie beschlossen. Die Feldstudie in Niolam in Papua-Neuguinea sollte prüfen, ob die Morges-Strategie erfolgreich sein kann.

Zwischen April 2013 und Mai 2014 wurde in den 28 Dörfern der Insel allen Einwohnern ab einem Alter von zwei Monaten eine Behandlung  mit einer Tablette Azithromycin (Dosis: 30mg/kg Körpergewicht oder maximal 2 Gramm) angeboten. Bei Kontraindikationen, etwa einer Schwangerschaft, war eine i.m.-Injektion mit Penicillin-G-Benzathin in einer Dosis von 50.000 U/kg Körpergewicht vorgesehen. Ingesamt 13.302 von 16.092 Einwohnern (82,7 Prozent) konnten behandelt werden.

Wie Mitjà und Mitarbeiter jetzt berichten, wurde die Prävalenz der aktiven Erkrankungen innerhalb von 12 Monaten von 2,4 auf 0,3 Prozent gesenkt. Die Zahl der latenten Infektionen (erkennbar an einem hohen Antikörpertiter) wurde in der Altersgruppe der 6- bis 15-Jährigen von 18,9 auf 7,3 Prozent gesenkt. In der Altersgruppe der 1- bis 5-Jährigen gab es nach der Massenbehandlung fast keine latenten Erkrankungen mehr. Nebenbei wurden auch viele Hautulzerationen durch Haemophilus ducreyi zur Abheilung gebracht.

Die Behandlung wurde von den meisten Teilnehmern gut vertragen, auch wenn 17 Prozent über leichte Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen klagten. Die Forscher fanden keine Anzeichen für das Auftreten von Makrolid-Resistenzen. Das Verschwinden der Erreger bei den jüngeren Kindern zeigt für Mitjà an, dass eine Eradikation möglich ist. Sie werde allerdings die Nachuntersuchung der Bevölkerung und die Behandlung vereinzelter Infektionen erfordern. Die WHO hat das Ziel ausgegeben, die Erkrankung bis 2020 zu eradizieren. Zu diesem Zeitpunkt müssten in den 12 betroffenen Ländern drei Jahre keine Neuerkrankungen aufgetreten sein.

© rme/aerzteblatt.de

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