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Medizin

Hepatitis C: Neue Wirkstoffe erreichen Heilung auch bei HIV-Koinfektion

Dienstag, 24. Februar 2015

Baltimore – Die neuen Hepatitis-Medikamente, die direkt in die Replikation des Hepatitis-C-Virus eingreifen (DAA, directly acting antivirals), erreichen auch bei Patienten, die mit dem HI-Virus koinfiziert sind, häufig ein anhaltendes virologisches Ansprechen (SVR), das mit einer Heilung gleichgesetzt wird. Dies zeigen zwei jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA) publizierte Studien.

In der TURQUOISE-I-Studie waren die Patienten mit einer oralen Dreierkombination mit dem Proteaseinhibitor Paritaprevir (verstärkt durch Ritonavir), dem NS5A-Hemmer Ombitasvir und dem Nicht-Nukleosid-NS5B-Polymerase-Hemmer Dasabuvir behandelt worden. Zusätzlich erhielten sie das unspezifische Virustatikum Ribavirin. Die 63 Patienten wurden auf eine Behandlung über 12 beziehungsweise 24 Wochen rando­misiert. Alle nahmen während der Therapie HIV-Medikamente ein, um die Entwicklung einer Resistenz der HI-Viren gegen Ritonavir zu verhindern. Zum Einsatz kam eine Kombination mit Atazanavir oder Raltegravir.

Trotz der zahlreichen Wirkstoffe wurde die Behandlung relativ gut vertragen. Zwar klagten viele Patienten über Müdigkeit (48 Prozent), Schlaflosigkeit (19 Prozent), Übelkeit (18 Prozent) und Kopfschmerzen (16 Prozent), doch keiner brach deswegen die Behandlung ab. Wie Mark Sulkowski von der Johns Hopkins University in Baltimore und Mitarbeiter in JAMA (2015; doi: 10.1001/jama.2015.1328) berichten, erwies sich die Therapie als hoch effektiv.

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Schon nach der 12-wöchigen Therapie erreichten 29 von 31 Patienten (94 Prozent) eine SVR. Nach 24 Wochen Therapie waren 29 von 32 Patienten (91 Prozent) dauerhaft von den Hepatitisviren befreit. Ob eine 12-wöchige Therapie ausreicht, kann aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht abschließend beurteilt werden. Bei einigen Patienten kam es unter der Therapie zu einem Anstieg der HI-Viren im Plasma, ein „Durchbruch“ mit Zellzahlen von 200 Kopien/ml oder mehr wurde jedoch niemals beobachtet. Eine fixe Kombination mit den drei Wirkstoffen wurde im Januar in Deutschland eingeführt. Der Hersteller war Sponsor der Studie.

Eine Kombination aus dem NS5A-Inhibitor Ledipasvir und dem NS5B Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir führt ebenfalls zum Ziel, wie ein Team um Shyam Kottilil von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore ebenfalls in JAMA (2015; doi: 10.1001/jama.2015.1373) zeigt. Nach einer 12-wöchigen Behandlung erreichten 49 von 50 Patienten (98 Prozent) eine SVR. Das einzige Therapieversagen in dieser Studie wurde später auf eine Mutation zurückgeführt, die eine Resistenz auf Ledipasvir vermittelt.

Die häufigsten Nebenwirkungen in dieser Studie waren eine verstopfte Nase (16 Prozent) und Muskelschmerzen (14 Prozent). In dieser Studie wurde nicht bei allen Patienten eine antiretrovirale Therapie durchgeführt. Die fixe Kombination wurde im Dezember 2014 in Deutschland eingeführt. Sponsor der Studie war das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases.

Die hohe SVR-Rate in beiden Studien hebt sich nach Ansicht der Editorialistin Camilla Graham vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston deutlich von den Erfolgschancen der früheren Interferon-Therapie ab, die nur bei einem Viertel der Patienten zur Ausheilung führte. Die Therapie ist aufgrund der hohen Anzahl der Wirkstoffe nicht einfach, sie könnte aber viele Patienten vor einer Leberzirrhose bewahren, die bisher eine häufige Todesursache von Patienten mit gleichzeitiger Infektion von Hepatitis C und dem HI-Virus ist.

© rme/aerzteblatt.de

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