NewsMedizinForscher warnen vor Zuckercouleur in Softdrinks
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Forscher warnen vor Zuckercouleur in Softdrinks

Dienstag, 24. Februar 2015

dpa

Baltimore – Das bei der Herstellung von Zuckercouleur entstehende 4-Methylimidazol könnte bei regelmäßigem Konsum karzinogen wirken. Forscher um Keeve Nachmann an der Johns Hopkins University errechneten, dass schon bei täglichem Konsum von einer Dose eines Softdrinks eine zusätzliche Krebserkrankung pro 100.000 Konsumenten ausgelöst werden könnte. Sie berichten über ihre Studie in PLOS One (doi:10.1371/journal.pone.0118138 ).

In den modernen Industrienationen konsumieren 44 bis 58 Prozent der Bevölkerung wenigstens eine Dose einer zuckerhaltigen Limonade täglich. Viele von ihnen enthalten Zuckercouleur als Farbstoff. Bestimmte Herstellungsverfahren des Farbstoffes fördern die Entstehung von 4-Methylimidazol (4-MEI). Im Tierversuch förderte dieser Stoff die Entwicklung von Tumoren. Bereits 2012 kam es in den USA zur Diskussion um den Farbstoff, als in Kalifornien per Gesetz Limonaden mit erhöhten 4-MEI Werten als potentiell krebsauslösend gekennzeichnet werden mussten. Einige Produzenten verwendeten in der Folge Zuckercouleur, bei dessen Herstellung geringere Mengen der umstrittenen Substanz entstehen.

Anzeige

Die Forscher testeten insgesamt 110 Proben von zwölf verschiedenen Limonaden, die sie in Kalifornien und New York kauften. In New York gibt es im Gegensatz zu Kalifornien keine Kennzeichnungspflicht für Limonaden mit erhöhten 4-MEI Werten. Sie unter­suchten die Menge des enthaltenen 4-Meythylimidazols, um die kritische Konsumgrenze der Getränke zu bestimmen. Mit Hilfe von Daten der National Health and Nutrition Examination Studie bestimmten sie zudem den durchschnittlichen Konsum in der US-Bevölkerung.

Laut dem kalifornischen Umweltbüro gilt die im Tierversuch ermittelte Dosis von 29µg/d 4-MEI als statistischer Schwellenwert, bei dem eine Person pro 100.000 Konsumenten an Krebs erkranken könnte. Die getesteten Sorten zeigten in Bezug auf ihren 4-MEI Gehalt starke Schwankungen. In der am höchsten belasteten Sorte fanden die Forscher bis zu 963,3µg/L, während die am geringsten belastete Sorte höchstens11,7μg/L enthielt.

Besonders auffallend für die Wissenschaftler war, dass sie trotz gleicher Sorte bei Proben aus Kalifornien in der Regel vielfach geringere 4-MEI Werte messen konnten gegenüber Proben aus New York. Oft reichten jedoch die enthaltenen Mengen, um mit einer Dose den 4-MEI Wert von 29µg/d zu erreichen.

Die Wissenschaftler sehen eine Kennzeichnungspflicht als möglichen Weg, Hersteller zur Verwendung von Zuckercouleur mit niedrigen 4-MEI Mengen zu bewegen. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2018
Berlin – In wenigen Monaten will auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine quantitative Empfehlung zum Zuckerkonsum aussprechen. Das Positionspapier zur Zuckerreduktion soll Anfang 2019
DGE-Empfehlung für Zuckerkonsum angekündigt
18. Oktober 2018
Kuopio – Eine vollkornreiche Ernährung gilt neben anderen Lebensstilfaktoren als besonders gesundheitsförderlich – unter anderem soll sie das kardiovaskuläre Risiko reduzieren, zur Erhaltung eines
Betaine könnten gesundheitsförderliche Wirkungen von Vollkornproduken mitverantworten
17. Oktober 2018
Berlin – Die Vereinbarung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) mit der Industrie für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten ist bei Opposition, Verbraucherschützern und
Grüne kritisieren Klöckners Pläne für weniger Fett und Zucker
16. Oktober 2018
Berlin – Für eine gesündere Ernährung sollen Fertiggerichte wie etwa Tiefkühlpizza künftig schrittweise mit weniger Fett, Salz und Zucker auskommen. Auch Portionsgrößen von Produkten sollen kleiner
Klöckner einigt sich mit Industrie auf weniger Fett und Salz in Fertiggerichten
16. Oktober 2018
Otago – Nach der Auffassung neuseeländischer Forscher ist die Ernährung für die Entwicklung einer Gicht weit weniger wichtig als bislang angenommen. Entscheidend sei vielmehr die genetische
Gene für die Entwicklung der Gicht wichtiger als gedacht
15. Oktober 2018
Berlin – Damit kleine Kinder nicht an Zucker gewöhnt werden, will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bis Ende 2019 süßende Zutaten in Babytees aus dem Verkehr ziehen. „Die Produkte für
Klöckner will zusätzlichen Zucker in Babytees verbieten
15. Oktober 2018
Zürich – Eine fettreiche Ernährung vor, während und nach der Schwangerschaft hat sich in tierexperimentellen Studien in Translational Psychiatry (2018; 8: 195) bis auf die Urenkelgeneration
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER