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Politik

Armut in Deutschland möglicherweise überschätzt

Dienstag, 24. Februar 2015

Berlin/Dortmund – In Deutschland sind möglicherweise weniger Menschen wirklich arm, als es viele Studien und Statistiken nahelegen. Das meinen zumindest der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und der Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Thomas Bauer. Zusammen geben sie die sogenannte Unstatistik des Monats heraus, in der sie Verzerrungen in Studien, Statistiken und Umfragen aufdecken.

Die drei haben sich jetzt eine Armutsstudie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vorgenommen. Der Fernsehsender n-tv („12,5 Millionen Deutsche sind arm“) und andere hatten Mitte Februar darüber berichtet.

Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband war die Armut in Deutschland noch nie so hoch wie heute. Dabei beruft sich der Verband auf eine angebliche Armutsquote von 15,5 Prozent aller Bundesbürger, definiert als die Menschen, die pro Monat weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben. „Unabhängig davon, ob diese Zahl nun korrekt ist, hat sie mit Armut nichts zu tun“, argumentieren die drei Statistiker. Denn dieser Prozentsatz bleibe der gleiche, auch wenn sich das reale Einkommen aller Bundesbürger verdoppelte. „Und wenn es allen schlechter geht, nimmt die so gemessene Armut unter Umständen sogar ab“, so Gigerenzer, Krämer und Bauer.

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Medizinische Brisanz erhält die Armutsdebatte durch den mittlerweile recht sicher belegten Zusammenhang zwischen Armut und niedrigerer Lebenserwartung. „Armut macht krank und Krankheit macht arm“, erklärte zum Beispiel Nico Dragano vom Centre for Health and Society der Medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf auf einer Fachtagung der Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe Anfang Februar in Düsseldorf. An der Tagung hatten sich auch die Akademie für öffentliches Gesund­heitswesen und das Landesgesundheitsministerium beteiligt. Laut Dragano leben sozial benachteiligte Frauen bis zu 8,4 und Männer bis zu 10,8 Jahre kürzer als wohlhabende Frauen und Männer.

© hil/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #104249
Senbuddy
am Donnerstag, 26. Februar 2015, 15:01

Der relative Armutsbegriff ist völlig ohne Aussage

Wenn man immer die genannten 60 % des Durchschnittseinkommens als Grenze zwischen arm und reich nimmt, wird es immer einen entsprechenden Prozentsatz an "Armen" geben.

Nach derartig sinnlosen Berechnungen würde es genauso viele Arme geben wie heute, wenn alle ab dem nächsten Ersten auf einmal das doppelte oder sogar das hundertfache Einkommen hätten.

Und auch wenn die ganze Bevölkerung dann als Einkommensmillionäre in "Saus und Braus" leben würde, die untersten 15 % wäre nach deren Berechnungen immer noch "arm".

Und ob dieser Prozentsatz dann bei 15,3 % (vor 5 Jahren), bei 15,0 % (wie voriges Jahr) oder bei 15,5% (wie heute) liegt, ist damit sowas von egal. So eine Studie ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde.

Glücklicherweise weiß man ja, was man vom Paritätischen Verband zu erwarten hat. Traurig ist nur, dass weite Teile der Presse so einen Unfug völlig unreflektiert veröffentlichen. Und dann noch reisserische Überschriften drüberschreiben !

Viele Grüße
S.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 25. Februar 2015, 21:48

Professionelle "Armrechner"

Armut oder "Armutsgefährdung" einfach in % der Durchschnittseinkommens zu berechnen - das ist eine Idee derjenigen, die mit vorgeblicher "Bekämpfung von Armut" für sich ganz ordentliche Umsätze und Einkommen generieren.
"Armut" " in der deutschen Wohlstandsgesellschaft ist unfassbarer Wohlstand für die Menschen aus wirklich armen Ländern, die deshalb zu uns strömen, um freiwillig hier "arm" zu sein!
Als Hausarzt erlebe ich natürlich "Armut" in verschiedenen Variationen.
Alte Menschen, die unfähig sind, die ihnen zustehenden Hilfen zu beantragen, um die sich kein Sozialarbeiter kümmert. die sich schämen, Hilfen anzunehmen
Junge Menschen, die lebenslang überschuldet in die Volljährigkeit starten und sich perspektivlos in die soziale Hängematte fallen lassen - und selbst hier noch Miet- und Stromschulden anhäufen.
Menschen, die mangels Risikovorsorge durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit ihren bisherigen Status verlieren, also auf Haus, Auto, Urlaubsreise und Restaurantbesuche verzichten müssen, die sind aber keineswegs "ärmer" als die Menschen, die sich das nie leisten konnten.
Vielen Menschen wäre schon geholfen, wenn sie bloß die Hälfte dessen dazu bekommen könnten, was für die "Vermarktung" ihrer Armut aufgewendet wird (pro Stunde "betreutes Wohnen" zahlt der Landschaftsverband 47.-€ zuz. Sachkosten)
Und es gibt natürlich die Menschen, die es immer hinkriegen, arm zu sein, egal, wieviel Geld sie bekommen.
Wird das Durchschnittseinkommen für die Berechnung von Armut herangezogen, führt ein (meist auch verdientes!) höheres Einkommen Weniger zu einer Zunahme von Armut, wird der Median der Einkommen herangezogen, "öffnet sich die Schere zwischen arm und reich".
Selbst "Arme" verfügen in Deutschland selbstverständlich über eine voll möblierte Wohnung, Heizung, Küche, Bad, Radio, Fernseher, es gibt preiswerte Nahrungsmittel und Kleidung und kostenlose Krankenversicherung
Wer in Deutschland "arm" ist, ist das in der Regel nicht wegen fehlender Mittel, sondern wegen fehlender eigener Initiative.
Wenn ich Menschen sehe, die sich "arm" nennen, weil sie ihr Geld für Smartphone, Tattoos, Nagelmodellage und Markenklamotten ausgeben und deshalb Miete und Strom nicht bezahlen können, muss ich mir an den Kopf fassen, genau wie bei denen, die ihre Tage vor dem Shopping-TV verbringen und völlig den Überblick über ihre Bestellungen und Raten verlieren.


Avatar #675503
Widerstand
am Mittwoch, 25. Februar 2015, 12:27

Es gibt überhaupt nur Schmarotzer in Deutschland...

Herr Psychologe Gerd Gigerenzer, Statistiker Walter Krämer und Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Thomas Bauer.
Das ist doch absolut verlogen, was diese Leute treiben, Armut? In Deutschland? Armut ist doch seit 1945 mit den Nazis ausgestorben... oder gibt es die noch immer?
LNS
LNS

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