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Medizin

Erfolgreiche Immuntoleranz: Erdnüsse in Babynahrung vermeiden spätere Allergie

Mittwoch, 25. Februar 2015

dpa

London – Das Füttern mit Erdnussflips kann Säuglinge vor einer späteren Erdnuss­allergie schützen. Dies kam in einer randomisierten Studie heraus, die frühere Konzepte einer Allergenvermeidung widerlegt. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahres­tagung der American Academy of Allergy, Asthma and Immunology in Houston vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1414850) publiziert.

Noch im Jahr 2000 hatte die American Academy of Pediatrics Eltern geraten, Kinder mit einem erhöhten Risiko auf eine atopische Erkrankung „hypoallergen“ zu ernähren. Erdnüsse sollten in den ersten drei Lebensjahren ganz vermieden werden. Die Empfehlung, die 2008 zurückgezogen wurde, hat vielen Kindern einen Bärendienst erwiesen.

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Zu den Skeptikern gehörte der Allergologe George du Toit vom King’s College London. Ihm war aufgefallen, dass jüdische Kinder in London, denen im ersten Lebensjahr erdnusshaltige Nahrungsmittel vorenthalten wurden, zehnmal häufiger an Erdnuss­allergie erkrankten als jüdische Kinder in Israel, wo Erdnuss-Flips eine beliebte Speise für Kleinkinder sind, von der auch Säuglinge frühzeitig kosten dürfen.

Seine im Journal of Allergy and Clinical Immunology (2008; 122: 984-91) veröffentlichte Umfrage konnte die vorherrschende Ansicht, nach der die Vermeidung von Allergenen der beste Weg sei, um Allergien vorzubeugen, jedoch nicht widerlegen. Hierzu war ein prospektives Experiment notwendig, das du Toit mit Förderung des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases realisieren konnte.

Ab Dezember 2006 nahmen insgesamt 640 Säuglinge an der „Learning Early about Peanut Allergy“ oder LEAP-Studie teil. Sie waren zu Beginn der Studie vier bis elf Monate alt. Alle litten an einer Neurodermitis und/oder einer Eiweißallergie. Sicherheitshalber wurden Säuglinge mit einer Hautreaktion von mehr als vier Millimetern im Pricktest auf Erdnussallergene von der Teilnahme ausgeschlossen: 98 Kinder, bei denen sich eine Quaddel von 1 bis 4 Millimetern gebildet hatte, durften aber teilnehmen.

Die Kinder wurden auf zwei Gruppen verteilt. In einer Gruppe wurde den Müttern gera­ten, Erdnüsse bei der Ernährung streng zu meiden. In der zweiten Gruppe sollten die Mütter den Säuglingen wöchentlich kleine Mengen Erdnussbutter verfüttern.

Die Gesamtdosis von sechs Gramm Erdnussprotein pro Woche sollten sie auf mehrere Mahlzeiten verteilen. Zum Einsatz kamen Erdnuss-Flips einer Marke, die in Israel sehr beliebt ist. Der primäre Endpunkt der Studie war der Anteil der Kinder, die im Alter von 60 Monaten an einer Erdnussallergie erkrankt waren.

Das Ergebnis war frappierend: Während in der Gruppe mit Erdnussvermeidung 13,7 Prozent eine Erdnussallergie entwickelten, waren es in der Gruppe mit regelmäßiger Exposition nur 1,9 Prozent. Unter den Kindern mit einer leichten Hautreaktion im Pricktest wurde die Allergierate von 35,3 Prozent in der Vermeidergruppe auf 10,6 Prozent bei den systematisch exponierten Kindern gesenkt.

Auch in den immunologischen Begleituntersuchungen waren die Ergebnisse eindeutig: Bei den exponierten Kindern kam es zu einem Anstieg der IgG-Antikörper, die eine gesunde Reaktion auf das Allergen anzeigten. Bei den Kindern der Vermeidergruppe stieg die Konzentration der allergischen IgE-Antikörper an. Ab einer bestimmten Konzentration der IgE-Antikörper kam es zur Erdnussallergie.

Die Studienergebnisse widerlegen endgültig, dass eine Allergenvermeidung in den ersten Lebensjahren einer Allergie vorbeugen kann. Die Editorialisten Rebecca Gruchalla vom Southwestern Medical Center in Dallas und Hugh Sampson von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, raten dennoch den Eltern, vor einer Exposition einen Prick-Test durchführen zu lassen.

Ihrer Ansicht nach sollte in weiteren Studien untersucht werden, ob durch Variation in der Dauer der Exposition und der Dosis der Allergene die Ergebnisse noch optimiert werden können. Die American Academy of Pediatrics muss sich fragen, ob sie durch ihre Empfehlung im Jahr 2000 einen Beitrag zum Anstieg der Erdnussallergien geleistet hat, an der in den USA 1,5 Prozent aller Kinder leiden.

Diese Allergien sind lebenslang. Eine mögliche Behandlung ist die allmähliche Exposition mit dem Allergen über einen längeren Zeitraum. Diese Hyposensibilisierung (orale Immuntherapie) hat sich im letzten Jahr in einer Studie als effektiv erwiesen (Lancet 2014; 383: 1297-1304). © rme/aerzteblatt.de

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