NewsMedizinSignalweg beendet die Sensibilisierung schmerzempfindliche Nerven
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Signalweg beendet die Sensibilisierung schmerzempfindliche Nerven

Mittwoch, 25. Februar 2015

Heidelberg – Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben einen mole­kularen Mechanismus beschrieben, der eine erhöhte Sensibilisierung von Nervenenden in Haut und Bindegewebe beendet. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Cell erschienen (doi: 10.1016/j.cell.2015.01.022).

Anhaltende Schmerzreize wie Entzündungen machen die feinen Nervenendigungen mit der Zeit überempfindlich. Bisher waren laut der Arbeitsgruppe um Jan Siemens vom Pharmakologischen Institut des Uniklinikums zahlreiche Mechanismen der Sensi­bilisierung bekannt, allerdings keine Gegenmaßnahmen der Nervenzellen.

Für verschiedene Schmerzarten gibt es bekanntlich unterschiedliche Detektoren. Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten speziell die Sensibilisierung durch solche Schmerzreize, die Nervenzellen mit Hilfe eines bestimmten Proteins an ihrer Oberfläche erfassen. Dieser Schmerzsensor namens „TRPV1“ reagiert unter anderem auf Inhaltsstoffe von Pfeffer, auf Hitze, Säure und auf bestimmte Botenstoffe des Immun­systems, die bei Entzündungen ausgeschüttet werden. Hält der Schmerzreiz länger an, wird TRPV1 verändert oder häufiger gebildet. Die Folge: Die Nervenenden sind leichter reizbar als sonst und melden bereits schwache Reize als Schmerz an das Gehirn.

Anzeige

Das Signal zur Beruhigung gibt ein Universal-Botenstoff des zentralen Nervensystems, GABA, dessen Rolle in der Schmerzregulation des Gehirns und des Rückenmarks bekannt ist. Laut den Wissenschaftlern wurde er aber bisher nicht im Bereich der Nervenendigungen vermutet. Genau dort entdeckte sie ihn jedoch und wiesen auch den passenden Bindungspartner, das Eiweiß GABA B1, auf der Oberfläche der Nervenzellen nach.

Die Wissenschaftler zeigten: Wird GABA B1 vom Botenstoff GABA aktiviert, versetzt es den TRPV1-Schmerzsensor wieder in seinen Ausgangszustand. „Das Besondere an diesem Signalweg ist die differenzierte Wirkweise: Er schaltet das Schmerzprotein TRPV1 nicht komplett ab, sondern macht nur die erhöhte Reizbarkeit rückgängig. Die Nerven­endigungen bleiben dadurch weiterhin empfänglich für Reize von außer- und innerhalb des Körpers“, so Siemens.

„Der neu entdeckte Signalweg könnte eine erste Ansatzmöglichkeit sein, gezielt die Schmerzüberempfindlichkeit auf Ebene der Nervenenden zu dämpfen, ohne dabei wichtige Regulationsprozesse im Körper zu stören“, hofft der Biochemiker.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. Oktober 2020
Rostock – Traditionellerweise besteht das Problem in der Schmerzmedizin in einer Überversorgung mit Medikamenten, aber zu wenig interdisziplinären Therapieansätzen. Bei den seit gut zwei Jahren
Schmerzmediziner fordern Möglichkeit zum personalisierten Einsatz von Migräne-Antikörpern
20. Oktober 2020
Würzburg – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat an der Würzburger Universitätsmedizin eine neue klinische Forschergruppe eingerichtet. Die Gruppe „ResolvePAIN“ will sich peripheren
Neue klinische Forschergruppe zu peripheren Schmerzmechanismen
19. Oktober 2020
Edinburgh – Das Antikonvulsivum Gabapentin, das auch zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird, hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2020; DOI:
Gabapentin bei „Chronic Pelvic Pain Syndrom“ unwirksam
14. Oktober 2020
Seattle/Berlin – Bei Patienten mit Rückenschmerzen zeigt die bildgebende Routinediagnostik der Wirbelsäule bekanntlich häufig Befunde, die nichts mit den Beschwerden der Patienten zu tun haben. Die
Wissen hilft gegen Rückenschmerz
1. Oktober 2020
Hobart/Australien – Ein Extrakt aus Curcuma longa, besser bekannt unter dem Gewürznamen Kurkuma, hat in einer randomisierten Doppelblindstudie die Schmerzen von Patienten mit Gonarthrose gelindert.
Gonarthrose: Kurkuma lindert Knieschmerzen
23. September 2020
Rehovot/ Berlin – Einen neuen Ansatz zur Schmerztherapie haben Wissenschaftler des Weizmann-Instituts für Wissenschaften (WIS) in Rehovot (Israel) und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
Neuer Ansatz zur Schmerztherapie fokussiert auf Signalweiterleitung in Nervenzellen
22. September 2020
Berlin – Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik empfiehlt im Vorfeld einer Endoprothesen-Operation Entzündungshemmer und warnt vor einer unkontrollierten und längerfristigen Anwendung von
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER