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Politik

Krankenkassen kritisieren Selbst­zahlerleistungen: Oft kein Nutzen

Donnerstag, 26. Februar 2015

Berlin – Deutliche Kritik an den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) haben die Krankenkassen geübt. Die Mehrzahl der Selbstzahler-Angebote „schneidet schlecht ab und hat keinen nachweisbaren Nutzen für die Patienten“, erklärte Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS) zum dreijährigen Bestehen des Portals „igel-monitor.de“.

Die Mitarbeiter des Monitors haben seit 2012 37 IGeL bewertet und beschrieben. Das Spektrum reicht vom Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bis zur Stoß­wellen­therapie gegen Fersenschmerz. 16 dieser Untersuchungs- und Behandlungs­methoden wurden mit negativ oder tendenziell negativ bewertet, 13 IGeL schnitten mit unklar und nur vier mit tendenziell positiv ab. Keine IGeL bekam bislang die Bewertung „positiv“. Für die Bewertung von Nutzen und Schaden eines Selbstzahler-Angebots analysieren die Wissenschaftler Studien und andere Informationen aus medizinischen Datenbanken.

Nach einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) wurden im Jahr 2012 in Deutschland rund 18,2 Millionen Igel-Leistungen erbracht. Damit umfasste der Markt für solche Selbstzahler-Leistungen rund 1,3 Milliarden Euro. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) vom vergangenen Jahr hat schon jeder zweite Patient mindestens einmal ein solches Angebot von seinem Arzt bekommen. An erster Stelle stehen Gynäkologen, gefolgt von Zahnärzten und Augenärzten. „Wir halten die Entwicklung auf dem boomenden Igel-Markt für bedenklich“, erklärte Pick. Patienten würden nicht ausreichende über Nutzen und Risiken informiert. Er kritisierte, Ärzte würden Alternativen, die von den Kassen bezahlt werden, oft nicht nennen.

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Anlässlich des dreijährigen Bestehens des IGeL-Bewertungsportals stellte die Techniker Krankenkasse eine repräsentative Befragung zum Thema IGeL vor: Danach sind nur 39 Prozent der Patienten an einer zweiten Meinung interessiert, wenn ein Arzt ihnen eine Selbstzahlerleistung anbietet. Wer sich über die Information des Arztes hinaus kundig macht, geht mehrheitlich (51 Prozent) ins Internet und steuert spezielle Seiten wie den IGeL-Monitor an. 47 Prozent der Befragten wenden sich persönlich, telefonisch oder online an ihre Krankenkasse, wenn sie das Angebot für eine IGeL-Leistung erhalten. Ein Viertel sucht einen anderen Arzt auf, um eine zweite Meinung einzuholen.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer,  Frank Ulrich Montgomery, kritisierte die mangelnde Transparenz des IGeL-Monitors. Um Patienten seriös und umfassend zu informieren, müssten die Kassen „für mehr Transparenz bei der Bewertung und bei den daran beteiligten Personen sorgen", sagte Montgomery.  Problematisch seien vor allem die offenbar rein politisch motivierte Auswahl der bewerteten IGeL.

Die Bundes­ärzte­kammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung bieten in der Anfang 2014 erschienenen zweiten Auflage ihres IGeL-Ratgebers eine Checkliste für Ärzte. Eine neutrale, ausgewogene Information, wissenschaftliche Belege, ausreichend Zeit zur Entscheidung für den Patienten und ein schriftlicher Behandlungsvertrag sind danach wesentliche Punkte, die Ärzte beachten müssen. © hil/aerzteblatt.de

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