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Medizin

Menschen mit ADHS verunglücken häufiger tödlich

Donnerstag, 26. Februar 2015

dpa

Aarhus – Menschen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS haben ein doppelt so hohes Risiko auf einen vorzeitigen Tod wie andere Menschen. Eine Untersuchung aus Dänemark führt dies im Lancet (2015; doi: org/10.1016/ S0140-6736(14)61684-6) vor allem auf nicht natürliche Todesfälle zurück.

Unaufmerksamkeit und eine erhöhte Impulsivität, die beiden Kardinalsymptome des ADHS können die Betroffenen schnell in Schwierigkeiten bringen. Frühere Unter­suchungen haben gezeigt, dass Menschen mit ADHS als Kinder ein erhöhte Verletzungs­risiko haben, dass sie als Erwachsene häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind, dass sie häufiger Drogen konsumieren oder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Sie leben auch ungesünder, was sich in einer erhöhten Rate von Übergewicht und Adipositas bemerkbar macht.

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Vor diesem Hintergrund dürfen die Ergebnisse von Søren Dalsgaard von der Universität Aarhus die Expertin nicht überraschen, sie führen die Gefährdung aber noch einmal drastisch vor Augen. Der Forscher hat im Auftrag der Lundbeck Foundation Initiative for Integrative Psychiatric Research (iPSYCH), einer dänischen Stiftung, die Daten von 32.061 ADHS-Patienten in verschiedenen dänischen Registern recherchiert und mit 1,92 Millionen Dänen verglichen, bei denen die Störung nicht diagnostiziert wurde.

Während einer Nachbeobachtungszeit von fast 25 Millionen Personenjahren kam es zu 5.580 Todesfällen bis zum 32. Lebensjahr. Das ist wenig, da das Sterberisiko von jungen Erwachsenen niedrig ist. Der Vergleich zeigt jedoch, dass die Mortalitätsrate mit 5,85 auf 10.000 Personen-Jahre bei den ADHS-Patienten mehr als doppelt so hoch war wie bei anderen Dänen gleichen Alters, wo sie 2,21 auf 10.000 Personen-Jahre betrug.

Dalsgaard errechnet eine relative Mortalitätsrate (MRR) von 2,07, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,70 bis 2,50 hochsignifikant war. Ein Zufall erscheint deshalb sehr unwahrscheinlich.

Dalsgaard konnte die Todesursache von 79 Personen mit ADHS ermitteln: Nur 25 waren eines natürlichen Todes gestorben, die übrigen 54 waren eines nicht-natürlichen Todes gestorben, davon 42 an den Folgen eines Unfalls. Das Risiko auf einen vorzeitigen Tod nahm mit dem Alter bei Diagnosestellung zu: Für Patienten, bei denen die Erkrankung erst im Erwachsenenalter gestellt wurde, ermittelt Dalsgaard eine MRR von 4,25 (3,03-5,78). Wurde die Diagnose vor dem Alter von 6 Jahren gestellt, war die Gefahr eines vorzeitigen Todes nur leicht und statistisch fraglich erhöht (MRR; 1,86; 0,93–3,27).

Dies könnte darauf hinweisen, dass eine frühzeitige Therapie der Erkrankung die Patienten vor den Folgen ihrer Unaufmerksamkeit und Impulsivität bewahren kann. Besonders wichtig wäre eine rechtzeitige Therapie insbesondere bei Mädchen und Frauen, die mit einer MRR von 2,85 (1,56-4,71) deutlich stärker gefährdet sind als Jungen und Männer (MRR 1,27; 0,89-1,76).

Dalsgaard führt dies auf eine andere Ausprägung der Symptome zurück. Jungen mit ADHS würden frühzeitig durch ihre Hyperaktivität und Verhaltensstörungen auffallen, Mädchen zeigten eher Angstzustände und Depressionen, die schwerer zu erkennen seien. © rme/aerzteblatt.de

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