NewsMedizinSchwangerschaft nach Adipositas-Operation mit Chancen und Risiken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schwangerschaft nach Adipositas-Operation mit Chancen und Risiken

Freitag, 27. Februar 2015

dpa

Stockholm – Eine bariatrische Operation kann bei einer späteren Schwangerschaft Komplikationen wie den Gestationsdiabetes vermeiden. Die im New England Journal of Medicine (2015; 372: 814-824) beschriebenen Erfahrungen aus Schweden weisen aber auch auf Risiken für das Kind hin.

Die Adipositas-Chirurgie ist in Schweden weiter verbreitet als hierzulande. Immer häufiger lassen sich dort auch junge Frauen den Magen verkleinern oder einen Bypass anlegen. Einige werden später schwanger und die meisten bringen dann ein gesundes Kind zur Welt. Kari Johansson vom Karolinska Institut in Stockholm hat durch den Abgleich des Scandinavian Obesity Surgery Registry mit dem Geburtsregister des Landes 596 solcher „Fälle“ identifiziert, die sie 2.356 „Kontrollen“ gegenüberstellte.

Anzeige

Als solche wählte sie Frauen aus, die nicht operiert wurden und einen BMI hatten wie die „Fälle“ vor der bariatrischen Operation. Der durchschnittliche BMI in der Kontrollgruppe betrug 41. Die Mehrheit hatte demnach eine morbide Adipositas, jede fünfte war mit einem BMI von über 45 sogar „super-adipös“. Bei den operierten Frauen war der BMI dagegen im Durchschnitt auf 30 zurückgegangen.

Diese drastische Gewichtsabnahme senkt das Risiko auf einen Gestationsdiabetes, der nur bei 1,9 Prozent der operierten Frauen auftrat, aber bei 6,8 Prozent der nicht operierten Frauen. Johansson errechnet eine Odds Ratio von 0,25, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,13 bis 0,47 signifikant war. Auch der Anteil der Kinder mit einer Makrosomie (large-for-gestational-age, LGA), eine typische Folge des Gestationsdiabetes, war mit 8,6 versus 22,4 Prozent deutlich niedriger. Die Odds Ratio hier: 0,33 (0,24-0,44).

Auf der anderen Seite kann eine bariatrische Operation jedoch auch die Nährstoff­versorgung des Kindes gefährden. Diese Gefahr besteht vor allem nach einer Bypass-Operation, bei der die Resorptionsstrecke im Dünndarm verkürzt wird. Insgesamt 98 Prozent der Frauen hatten sich für einen solchen Eingriff entschieden. Die Folge war ein Anstieg der Mangelgeburten (Small for Gestational Age, SGA): 15,6 Prozent der operierten Frauen gegenüber 7,6 Prozent der Kontrollgruppe hatten ein SGA-Neu­geborenes. Die Odds Ratio betrug 2,20 (1,64-2,95).

Operierte Frauen brachten ihr Kind im Durchschnitt 4,5 Tage früher zur Welt. Die Rate der Frühgeburten war mit 10,0 versus 7,5 Prozent tendenziell höher. Beunruhigend ist ferner, dass es bei den operierten Frauen mit 1,7 gegenüber 0,7 Prozent mehr als doppelt so häufig zu einer Totgeburt kam (Odds Ratio 2,39; 0,98-5,85). Bei den Fehlbildungen konnte Johansson dagegen keine Unterschiede feststellen.

Das Fazit des Editorialisten Aaron Caughey von der Oregon Health and Science University in Portland fällt deshalb gemischt aus: Einerseits könne die Operation die Rate von Schwangerschaftsoperationen senken, andererseits müsse mit einem ungünstigen Ausgang für das Kind gerechnet werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. Oktober 2020
Melbourne – Grippeviren können – anders als etwa das Zikavirus – die Plazentaschranke nicht passieren. Dennoch kann eine Influenza in der Schwangerschaft den Feten schwer schädigen. Eine
„Vaskulärer Sturm“: Wie eine Grippe in der Schwangerschaft Gesundheit und Leben des Kindes gefährdet
20. Oktober 2020
Indianapolis – Eine Vakuumtherapie, die die Wundheilung durch einen über eine Pumpe erzeugten Unterdruck fördern soll, hat in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2020; DOI:
Kaiserschnitt: Wundbehandlung mit Unterdruck schützt nicht vor Infektionen
16. Oktober 2020
München − Die Coronapandemie wirkt sich nach Angaben von Ernährungsmedizinern negativ auf das Gewicht von Kindern vor allem aus sozial benachteiligten Familien aus. „Das Risiko von Übergewicht
Corona begünstigt Gewichtszunahme sozial schwacher Kinder
12. Oktober 2020
San Francisco – Eine Infektion mit SARS-CoV-2 führt bei Schwangeren in der Regel nur zu einer milden Erkrankung, die jedoch länger dauern kann als bei anderen Menschen. Dies geht aus einer
COVID-19: Register sammelt Daten zu Erkrankungen in der Schwangerschaft
8. Oktober 2020
Paris – Fast zwei Millionen Kinder werden jährlich tot geboren – und diese Zahl könnte laut einem UN-Bericht wegen der Coronapandemie noch deutlich steigen. Im Schnitt alle 16 Sekunden gebe es eine
UN-Bericht: Zahl der weltweiten Totgeburten droht zu steigen
7. Oktober 2020
Berlin – Zu Beginn der Coronapandemie stellte sich für Schwangere und Geburtshelfer gleichermaßen die Frage, ob Krankenhäuser überhaupt noch ein sicherer Ort sind, um ein Kind zu gebären. Diese Frage
Kreißsaalgeburten auch in Zeiten von COVID-19 sicher
7. Oktober 2020
Paris – Kinder könnten einer französischen Studie zufolge auch dann noch Schaden nehmen, wenn ihre Mütter vor der Schwangerschaft aufgehört haben zu rauchen. Veränderte Methylierungsprofile im Genom
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER