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Medizin

Alte Diätpille soll gegen Fettleber und Typ 2-Diabetes wirken

Sonntag, 1. März 2015

Modell von Dinitrophenol dpa

New Haven – Ein Sprengstoffzusatz, der in den 1930er Jahren als Diätpille en vogue war, bevor seine Toxizität erkannt wurde, hat sich in einer neuen Formulierung in einer tierexperimentellen Studie in Science (2015; doi: 10.1126/science.aaa0672) als Mittel gegen die Fettleber beim Typ 2-Diabetes empfohlen.

2,4-Dinitrophenol (DNP) hat eine wechselhafte Geschichte. Im ersten Weltkrieg wurde es in Frankreich zusammen mit TNT als Sprengstoff für Granaten verwendet. Die Beo­bachtung, dass es bei den Munitionsarbeitern regelmäßig zu einem Gewichtsverlust kam, war Grundlage für eine Anwendung als Diät-Pille, die in den USA in den 1930er Jahren starke Verbreitung fand, bis die FDA sie nach einigen Todesfällen verbot. Dass die Bedenken nicht unbegründet waren, zeigen einige Berichte über Toxizitäten, zu denen es in jüngster Zeit (auch in Deutschland) kam. Möglich wurde dies durch den illegalen Handel des „Schlankmachers“ im Internet.

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Auch die Pharmakologie interessiert sich in letzter Zeit wieder für die Substanz, da DNP die Insulinwirkung verbessert und einer Verfettung der Leber entgegenwirkt. In Tierexperimenten kam es zu einer Rückbildung der nichtalkoholischen Fettleberer­krankung (NAFLD), an der 15 bis 30 Prozent der Bevölkerung leiden und gegen die es – außer einer strikten Gewichtsabnahme – bisher kein Mittel gibt.

Dies hat ein Team um Gerald Shulman von der Yale Universität in New Haven im US-Staat Connecticut bewogen, eine galenische Formulierung zu entwickeln, aus der DNP stark verzögert freigesetzt wird. Dadurch sollen Plasmaspitzenwerte vermieden werden, die Shulman für die toxische Wirkung verantwortlich macht. Der Forscher bezeichnet die Formulierung als CRMP („controlled-release mitochondrial protonophore“), was auf den Wirkungsmechanismus Bezug nimmt: DNP kann in den Mitochondrien Protone (H+) an der ATP-Synthase vorbei durch die Membran transportieren. Dadurch geht Energie als Wärme verloren, was die Gewichtsabnahme erklären soll.

Im einer früheren Studie hatte Shulman bereits zeigen können, dass DNP bei Ratten eine NAFLD beseitigen kann. Triglyzeridwerte und die Insulinresistenz besserten sich eben­falls (Cell Metabolism 2013; 18: 740–748). In der aktuellen Studie hat der Forscher die Experimente mit CRMP wiederholt. Erneut kam es zu einem drastischen Rückgang der Leberverfettung um 50 bis 90 Prozent. Labortests zeigten, dass sich die Proteinsynthese in der Leber erholt hatte und die Transaminasen sich normalisierten. Auch die Blutzuckerwerte besserten sich, und in einem weiteren Experiment wurden ZDF-Ratten (für „Zucker Diabetic Fatty“) von ihrem Diabetes geheilt.

Die tödliche Dosis von CRMP war zehnfach höher als die von DNP. In einer thera­peutischen Dosis wurden bei den Tieren keine toxischen Wirkungen gesehen. Shulman will zunächst weitere präklinische Tests durchführen, hofft aber darauf, schon bald erste klinische Studien beginnen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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