NewsÄrzteschaft„Wir wollen Folgeerkrankungen von Krebspatienten genau erfassen“
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Ärzteschaft

„Wir wollen Folgeerkrankungen von Krebspatienten genau erfassen“

Montag, 2. März 2015

Berlin – Vor zehn Jahren hat der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) ein eigenes Institut gegründet, das die Arbeit des Verbandes wissenschaftlich unterstützen sollte. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Wissenschaftlichen Instituts der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) erzählt der Vorsitzende des BNHO, wie es zur Gründung des WINHO kam und wie sich der Verband für die Zukunft rüstet.

Fünf Fragen an… Stephan Schmitz, Vorsitzender des BNHO

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DÄ: Was hat den BNHO dazu bewogen, das WINHO zu gründen?
Schmitz: Das WINHO ist hervorgegangen aus dem Teilprojekt „Hämatologisch-Onkologische Schwer­punktpraxen“ im Kompetenznetz Maligne Lymphome, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Unser Ziel war es, die vertikale Vernetzung in unserer Berufsgruppe zu fördern, also den Innovationstransfer aus der klinischen Forschung in die Praxen. Ein weiteres Ziel war die Verbesserung der Qualitätssicherung und die Generierung von eigenen Daten zur Versorgung unserer Patienten für die Anliegen des Berufsverbandes. Wichtig war uns dabei von Beginn an, dass wir uns selbst finanzieren, also dass die Praxen, die mit dem WINHO kooperieren, es auch bezahlen. Das ist noch heute so.

DÄ: Was macht das WINHO?
Schmitz: Die Praxen liefern ihre Abrechnungsdaten anonymisiert an das WINHO, das daraus einen Qualitätsbericht zusammenstellt. So etwas gab es vorher im nieder­ge­lassenen Bereich noch nicht. Das WINHO spiegelt diese Daten dann im Rahmen eines Benchmarks zurück an die Praxen. Auch regionale Unterschiede werden dabei ausge­wertet. Über das WINHO nehmen unsere Praxen und unsere Patienten zudem an klinischen Studien teil. Und es führt Patienten- und Qualitätsumfragen durch.

DÄ: Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie durch die Arbeit des WINHO gewonnen haben?
Schmitz: Die Informationen, die wir vom WINHO bekommen, fördern die Kompetenz der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen extrem. Dadurch, dass wir an klinischen Studien teilnehmen, erfahren wir von Veränderungen in der modernen Krebstherapie sehr schnell und können Innovationen sofort an unsere Patienten weitergeben. Die Informationen sollen aber nicht nur, wie früher, von oben nach unten laufen, sondern wir wollen auch die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Praxen und von unseren Patienten an die Wissenschaft geben. Diese Sicht muss dann bei der Planung neuer klinischer Studien berücksichtigt werden. Schließlich macht es keinen Sinn, artifizielle Studien zu planen, die an der Realität vorbeigehen. 

Niedergelassene Hämatologen und Onkologen: Fünf Pläne für fünf Jahre

Vor zehn Jahren hat der BNHO ein Institut gegründet, um die Arbeit des Verbandes wissenschaftlich zu stützen. Nun will der Verband die Zukunft gestalten: mit „Survivor Care“ und einem psychosozialen Screening. Das zehnjährige Bestehen des Wissenschaftlichen Instituts der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) fällt in eine Zeit des Umbruchs.

Eine große Studie, an der wir teilgenommen haben, hat die Universität Köln zu Hodgkin-Lymphomen durchgeführt. Sie hat ergeben, dass es keine Qualitätsunterschiede zwischen der Versorgung im stationären und ambulanten Bereich gibt. Es ist also nicht entscheidend, dass man in einer Uniklinik versorgt wird, sondern dass man in einem Netzwerk kompetenter Fachärzte versorgt wird. Das war eine wichtige Erkenntnis für uns und für unsere Patienten.

DÄ: Die Erfolge der modernen Krebstherapie sind immens. Immer mehr Krebspatienten überleben ihre Erkrankung und müssen dann weiter versorgt werden. Welche Herausforderungen kommen in diesem Zusammenhang auf die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen zu?
Schmitz: Vier bis fünf Millionen Menschen gibt es heute in Deutschland, die ihren Krebs überlebt haben. Ihre Betreuung endet nicht mit dem Abschluss der Chemotherapie. Wir müssen uns auch danach um diese Patienten kümmern, um Spättoxizitäten oder um psychische oder berufliche Probleme. Dabei wollen wir die Nachsorge noch besser strukturieren, zum Beispiel, indem wir die Folgeerkrankungen der Patienten genau erfassen. Dabei wird uns das WINHO unterstützen. Die Betreuung dieser Patienten wollen wir aber nicht alleine übernehmen, sondern zusammen mit den Hausärzten. Wir sind deshalb im Gespräch mit dem Deutschen Hausärzteverband. 

DÄ: Aber einer sollte die Behandlung ja koordinieren.
Schmitz: Ja, absolut. Die moderne Medizin wird immer kleinteiliger. Der Nachteil daran ist, dass sich kaum einer mehr verantwortlich fühlt. Heute wird die Behandlung von Patienten im Rahmen von Tumorkonferenzen festgelegt. Das ist auch sehr gut so. Der Nachteil ist aber, dass es für den Patienten dann keinen Ansprechpartner mehr gibt. Wir wollen die Position des Behandlungsführers in der Onkologie stärken. Denn das ist genau unsere Aufgabe. Schließlich begleiten wir die Patienten über Jahre. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kollegen in den Tumorkonferenzen ist dabei selbstverständlich sehr wichtig. Aber wir wollen für die Patienten als der Ansprechpartner zur Verfügung stehen, an den sie sich dauerhaft wenden können und der bei der Behandlung die Fäden in der Hand hält.

© fos/aerzteblatt.de

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