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Medizin

Neuer Tularämie-Ausbruch im Kosovo

Montag, 2. März 2015

Berlin – Im Kosovo sind in den ersten fünf Wochen dieses Jahres mindestens 206 Menschen an einer Tularämie erkrankt. Die Epidemie scheint zwar mittlerweile wieder abzuklingen, Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts halten es im Epidemiologischen Bulletin (2015; 9: 63-65) jedoch für möglich, dass nach Deutschland einreisende Personen an einer Tularämie erkrankt sein könnten.

Die Tularämie, auch Hasenpest genannt, ist seit 1999 im Kosovo endemisch. Laut der dortigen nationalen Gesundheitsbehörde sind seither 1.469 Fälle bekannt geworden. Seit etwa November letzten Jahres ist es zu einem Anstieg gekommen. Der Erreger, das gram-negative Bakterium Francisella tularensis, ist sehr ansteckend. Bereits 10 bis 50 Bakterien können eine Erkrankung beim Menschen starten.

Das natürliche Reservoir sind kleine Säugetiere wie Hasen, Kaninchen, Mäuse, Ratten oder Eichhörnchen. Die Übertragung kann durch den direkten Kontakt mit den Tieren oder durch den Verzehr von Fleisch erfolgen. In endemischen Regionen können auch Zecken, Fliegen oder Mücken das Bakterium übertragen. Im Kosovo soll auch kontaminiertes Wasser eine Rolle spielen.

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Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 5 Tage, manchmal aber auch mehrere Wochen. Das RKI hält es deshalb für möglich, dass Migranten oder Reisende sich im Kosovo infizieren und dann in Deutschland erkranken. Die Tularämie beginnt meist unspezifisch mit Influenza-ähnlichen Symptomen, wie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Später kommt es zu einer Lymphadenopathie. Je nach Übertragungsweg werden ulzeroglanduläre, oculoglanduläre und oropharyngeale Verlaufsformen beschrieben. Auch eine pulmonale Erkrankung ist möglich.

Bei einem pulmonalen Befall ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich, die aber im Kosovo nicht aufgetreten sein soll. Bei den anderen Formen der Erkrankung ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung kaum möglich. Damit ist das Risiko einer Ausbreitung in Deutschland insgesamt sehr gering. Die Tularämie ist in Deutschland meldepflichtig.

Derzeit werden dem RKI jährlich 20 bis 30 humane Fälle bekannt. Es könnte eine Dunkelziffer geben, da die Erkrankung in der Regel milde verläuft, Spontanheilungen sollen häufig sein. Bei schweren Erkrankungen ist eine Antibiotikabehandlung erfolg­reich, wenn sie rechtzeitig begonnen wird. Das RKI empfiehlt eine Kombination aus Gentamicin mit Ciprofloxacin. Ciprofloxacin oder Doxycyclin stellen ebenfalls wirksame Behandlungsmöglichkeiten dar. Einen vorbeugenden Impfstoff gibt es in Deutschland nicht. © rme/aerzteblatt.de

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