NewsAuslandEbola-Länder in Westafrika fordern „Marshall-Plan“ für Wiederaufbau
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Ebola-Länder in Westafrika fordern „Marshall-Plan“ für Wiederaufbau

Dienstag, 3. März 2015

Brüssel – Die Präsidenten der drei westafrikanischen Ebola-Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone haben eine internationale Wiederaufbauhilfe nach dem Vorbild des „Marshall-Plans“ gefordert. „Die Auswirkungen von Ebola auf unsere Wirtschaftssysteme gingen tief“, deshalb brauche es „Strategien für eine wirtschaftliche Erholung“, sagte Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf am Dienstag auf einer Hilfskonferenz in Brüssel. Noch sei die Krise nicht überwunden, warnte sie.

Um die Wirtschaft der betroffenen Länder wiederanzukurbeln, seien beträchtliche Mittel nötig, „sogar ein Marshall-Plan“, forderte Sirleaf in Anspielung auf das US-geführte Wiederaufbauprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg, das Europa und vor allem Deutschland zugute kam. Sierre Leones Präsident Alpha Condé kündigte einen Regionalplan für den Wiederaufbau an, den die drei Staaten im nächsten Monat Weltbank und Internationalem Währungsfonds vorstellen wollten. Laut dem Präsidenten von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma, müssen vor allem die Gesundheits- und Bildungssysteme wieder aufgebaut werden.

Schäden gehen weit über die Folgen des Virus hinaus
Condé rief die internationale Gemeinschaft auf, es nicht bei Ankündigungen zu belassen, „sondern die versprochenen Hilfen zu übermitteln“. Von den zugesagten 4,9 Milliarden US-Dollar (etwa 4,4 Milliarden Euro) für den Kampf gegen Ebola wurde nach Angaben der EU-Kommission bislang etwa die Hälfte ausgezahlt.

Anzeige

Auf der von der EU anberaumten Konferenz nahmen auch Vertreter der USA, Kubas, Chinas, der Vereinten Nationen und der Weltbank teil. Es sei das erste Mal seit Beginn der Epidemie vor rund einem Jahr, dass „alle Akteure“ auf höchster Ebene zusammenkämen, sagte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides.

Ebola: „Die letzte Meile ist die schwierigste“

Die Nothilfe der Bundeswehr in Westafrika soll im März eingestellt werden. Im Vordergrund stünden jetzt die Maßnahmen, die die Infektionskette endgültig durchbrechen, erklärte der Ebola-Sonderbeauftragte der Bundesregierung. Auch wenn Ebola zunehmend aus den Nachrichten und aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, kann von einer Entwarnung noch keine Rede sein.

Dass sich die internationale Hilfe nicht nur auf die Bekämpfung des Ebola-Virus beschränken kann, glaubt auch die Bundesregierung. „Die Schäden gehen natürlich über die unmittelbaren Folgen der Ebola-Epidemie weit hinaus. Felder sind nicht bestellt worden, Kinder gehen nicht zur Schule, Märkte funktionieren nicht mehr“, sagte Entwicklungsstaatssekretär Thomas Silberhorn am Rande der Konferenz.

„Die Epidemie ist nicht vorbei“
Nach seinen Angaben ist die Gefahr neuer Ansteckungen noch nicht gebannt: „Solange einer infiziert ist, der ohne Behandlung unterwegs sein kann, dann kann dieses Virus auch sich weiterverbreiten.“ „Die Epidemie ist nicht vorbei“, mahnte auch die EU-Außen­beauftragte Federica Mogherini.

Das Gespräch mit Hawanatu Jah, Ärztin im Ebola-Einsatz mit Cap Anamur: „Wichtig ist die Art, wie man hilft“

Hawanatu Jah hat auf dem Höhepunkt der Ebola-Epidemie in einem Kinderkrankenhaus in Sierra Leone gearbeitet. Die Ärztin spricht unter anderem darüber, was Aufklärung bewirken kann und dass Kooperation auf Augenhöhe der nachhaltigste Weg der Hilfe ist.

Seit dem Höhepunkt der Epidemie im Herbst hat die Zahl der Neuansteckungen nach UN-Angaben deutlich abgenommen. Wurden damals rund 900 Neu-Infektionen pro Woche gemeldet, sind es jetzt noch etwa 100 neue Fälle pro Woche. Rund 9.700 Menschen starben laut der Welt­gesund­heits­organi­sation bislang an Ebola.

Die Hilfsorganisation World Vision wies darauf hin, dass in Sierra Leone nach Regierungsangaben über 8.000 Kinder ein oder beide Elternteile verloren hätten. „Viele dieser Waisen und tausende in Quarantäne gebrachte Kinder leben in Isolation und brauchen dringend psychosoziale Hilfen“, erklärte die Organisation am Dienstag anlässlich der Konferenz. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER