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Politik

Integrations­beauftragte fordert Gleichbehandlung von Migranten im Gesundheits­wesen

Dienstag, 3. März 2015

Aydan Özoguz /dpa

Berlin – Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat die Ungleichbehandlung von Migranten im deutschen Gesundheitswesen kritisiert. Menschen mit Einwanderungsgeschichte „partizipieren nicht ausreichend an unserem Gesundheitssystem“, sagte Özoguz am Dienstag zum Auftakt des Schwerpunktjahres „Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft“ im Bundeskanzleramt. Als besonders problematisch bezeichnete die SPD-Politikerin Sprachbarrieren.

Özoguz machte deutlich, dass beim gleichberechtigten Leben in einer Einwanderungs­gesellschaft auch das Gesundheitswesen „seinen Beitrag leisten“ müsse. Heute seien knapp 1,6 Millionen Migranten älter als 64 Jahre, 2030 würden es 2,8 Millionen sein. Vor diesem Hintergrund werde „kultursensible Pflege“ immer wichtiger. Daher müsse die Beratung verbessert werden – insbesondere mit Blick auf die Pflegeversicherung, aber auch das Werben um und die Ausbildung von Pflegefachkräfte aus dem Ausland intensiviert werden.

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Pflegeberatung für Migranten verbessern
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Ge­sund­heits­mi­nis­terium, Annette Wid­mann-Mauz (CDU), erläuterte, die Menschen würden die pflegerischen und medizi­nischen Angebote auch deswegen nicht annehmen, weil die Informationen darüber sie nicht erreichten. Es sei aber jetzt schon gesetzlich geregelt, dass Pflegeberatung kostenlos und in einer für die Betroffenen verständlichen Sprache erfolgen müsse, sagte Widmann-Mauz, die den an Grippe erkrankten Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) vertrat. Verbesserungen seien aber nur zu erreichen, wenn auch ausreichend Daten zur gesundheitlichen Situation von Menschen mit Migrationshintergrund - insbesondere von Kindern und Jugendlichen - vorlägen.

Grüne fordern eine Gesundheitskarte für Asylbewerber
Die Grünen mahnten bei der Bundesregierung Regeln an, damit Asylsuchende mit einer Gesundheitskarte einen einfachen und schnellen Zugang zu einem Arzt bekommen. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass das Ge­sund­heits­mi­nis­terium immer noch keinen Vorschlag vorgelegt hat”, kritisierte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink. Besonders dramatisch sei die Situation für Schutzsuchende, die an den Folgen traumatischer Ereignisse litten, und keinen Zugang zu psychosozialer und psychotherapeutischer Versorgung hätten.

Widmann-Mauz sagte dazu, Stadtstaaten wie Bremen und Hamburg hätten bereits gute Erfahrungen mit der Gesundheitskarte für Asylsuchende gemacht. Deshalb soll allen Bundesländern ermöglicht werden, eine solche Gesundheitskarte einzuführen. Dazu wird derzeit ein Vorschlag erarbeitet, um mögliche rechtliche Hürden auszuräumen.

Das Bundesverfassungsgericht habe 2012 - auch mit Blick auf Migranten - klargestellt, dass die Menschenwürde nicht relativierbar sei, unterstrich Klein-Schmeink. In einer Vereinbarung mit den Ländern vom vergangenen November hatte die Bundesregierung zudem zugesagt, interessierten Flächenländern die Einführung der Gesundheitskarte für Asylsuchende zu ermöglichen. Außer Sachsen haben sich laut Klein-Schmeink alle Länder für die Einführung der Gesundheitskarte ausgesprochen.  © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #107994
Adolar
am Dienstag, 3. März 2015, 22:11

"Partizipieren nicht ausreichend??!!!"

Wer hat das der MdB Özoguz eingeblasen? Mein anatolischer Bekanntenkreis kennt sich jedenfalls mit AU-Meldungen, Krankengeld, OPs, besonderen Reha-Leistungen (Massagen, Kur...) etc. wesentlich besser aus als die meisten Deutschen, und vor allem, wie man da dran kommt. Es gibt anscheinend so eine Art Rundmeldesystem über deutsche Behandlungs- und Sozialfinanzierungsmöglichkeiten, das bis in die Heimat reicht und schon von dort aus gezielt dann hier in Deutschland wahrgenommen wird. "Geh doch am besten Psychiater, krank und dann Rente...".
Im übrigen haben wir schon Probleme genug, unsere eigenen Leute ärztlich zu versorgen, da können Flüchtlinge nicht besser gestellt werden. Die müssen halt auch bißchen warten.
LNS

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