Politik

Vor allem kleine Häuser und Maximalversorger schreiben rote Zahlen

Mittwoch, 4. März 2015

Berlin – Knapp die Hälfte der deutschen Allgemeinkrankenhäuser mit weniger als 250 Betten schrieben im Jahr 2014 rote Zahlen. Das sind erste Ergebnisse einer Umfrage, die der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat. Schlecht geht es demnach ebenfalls den großen Häusern mit mehr als 800 Betten. Von ihnen erwirtschafteten 43 Prozent im vergangenen Jahr ein Defizit. „Der Grund dafür ist in der Regel nicht ein schlechtes Wirtschaften der Häuser, sondern die Gründe liegen in den Unwuchten des DRG-Systems und in der Unterfinanzierung bei den Investitionen“, sagte VKD-Präsident Josef Düllings heute vor Journalisten in Berlin.

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Er wies darauf hin, dass es für Krankenhäuser heute nicht ausreiche, schwarze Zahlen zu schreiben, um ihre Zukunft aus eigener Kraft zu sichern. Da die Häuser aus den Fallpauschalen zum Teil auch Investitionen tätigen müssten, seien nur Krankenhäuser überlebensfähig, die einen Umsatz von über vier Prozent erwirtschafteten. Dies seien der Umfrage zufolge in der Summe jedoch nur 7,6 Prozent. „Mehr als neun von zehn Krankenhäuser können ihre Zukunft also nicht aus eigener Kraft sicherstellen“, resümierte Düllings und forderte die Bundesländer auf, ihren Häusern ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung zu stellen.

VKD: Wettbewerb und Krankenhausplanung passen nicht zusammen
„Wie kann man den Krankenhäusern, wie in den Eckpunkten zur Krankenhausreform geschehen, beste Qualität abverlangen und selbst bei der Qualität der Investitions­finanzierung so eklatant versagen?“, fragte Düllings. Neben dem Thema Investitions­kosten kritisiert der VKD in seiner heute vorgestellten Stellungnahme zu den Eckpunkten der Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor allem, dass der derzeit bestehende Ordnungsrahmen der Krankenhausfinanzierung nicht korrigiert werde.

„Auf der Mikroebene hat die Politik über die Fallpauschalen einen Wettbewerb in das System eingeführt. Auf der Makroebene entscheiden aber die Bundesländer und die Krankenkassen über die Art und Menge der Krankenhausleistungen sowie darüber, wie die Preise für diese Leistungen steigen dürfen. Das passt nicht zusammen“, kritisierte Düllings. Der Gesetzgeber müsse sich dafür entscheiden, ob er Marktsystem oder ein Versorgungssystem haben wolle.

„Krankenhäuser werden für gute Qualität bestraft“
Nicht in das System passten zudem die Mehrleistungsabschläge, die Krankenhäuser zahlen müssen, wenn sie mehr Leistungen erbringen, als sie mit den Kassen vereinbart haben. „Wir müssen damit rechnen, dass wir im Krankenhaus auch künftig mehr Leistungen erbringen werden. Die Gründe dafür sind der demografische Wandel, der medizinische Fortschritt, aber auch die Qualität, die in den Krankenhäusern erbracht wird“, sagte Düllings.

Gute Qualität spreche sich herum, aus umliegenden Praxen würden mehr Patienten in die entsprechenden Krankenhäuser eingewiesen. „Aber diese Krankenhäuser werden durch die Mehrleistungsabschläge dafür bestraft, dass sie gute Qualität erbringen“, kritisierte Düllings. Zwar sollen Krankenhäuser den Eckpunkten zufolge künftig für bestimmte Leistungen keine Mehrleistungsabschläge mehr zahlen müssen. Dennoch sei es grundsätzlich inkonsequent, im Rahmen der angekündigten Qualitätsoffensive Krankenhäuser dafür zu bestrafen, dass sie eine besonders gute Qualität erbringen. „Wir zweifeln deshalb an der Ernsthaftigkeit der Qualitätsoffensive“, sagte Düllings.

An der Umfrage des VKD beteiligten sich 441 Krankenhäuser. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf den bislang ausgewerteten Daten von 302 Allgemeinkrankenhäusern inklusive Universitätsklinika. © fos/aerzteblatt.de

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