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Ausland

Rauchen ohne Logo

Donnerstag, 5. März 2015

In Australien sind die Packungen ohne Logo 2012 eingeführt worden /dpa

Dublin – In zehn Jahren soll so gut wie kein Ire mehr rauchen. „Tobacco free Ireland” heißt das Motto, tabakfrei will Irland bis zum Jahr 2025 werden - die Regierung meint damit, dass weniger als fünf Prozent der Iren noch zum Glimmstängel greifen.

Nachdem das Land 2004 als erstes weltweit das Rauchen in Arbeitsräumen verbot, sollen jetzt Markenlogos künftig auf Tabakprodukten tabu sein. Große Schockbilder und Warnhinweise sollen dunkle Packungen dominieren, Markennamen nur klein und in Standardschrift aufgedruckt werden. Bisher hatte nur Australien auf die Einheits­verpackung gesetzt. Die Briten könnten demnächst nachziehen - zum Ärger der Tabakindustrie.

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Die Tabakrichtlinie der EU überlässt den Umgang mit Logos den Mitgliedländern. Sie hätten das Recht, „weitere Maßnahmen bezüglich einer Vereinheitlichung der Verpackungen zu ergreifen oder auch Einheitspackungen einzuführen”, heißt es schön bürokratisch bei der EU-Kommission. Mit einer Einschränkung: Das dürfe keine „verschleierte Beschränkung des Handels zwischen den Mitgliedstaaten darstellen”.

Tabakindustrie kritisiert Verletzung des Markenrechts
Da hakt die Tabak-Lobby ein. Der irische Vorstoß verletze auch Markenrechte deutscher Firmen, sagt Jan Mücke vom Zigarettenverband in Berlin. „Deswegen werden diese Unternehmen auch den Rechtsweg beschreiten.” Werbung über Marken, in deren Image Unternehmen viel Geld investierten, sei ein wichtiger Teil der Marktwirtschaft. Der Wettbewerb werde durch das Verbot quasi ausgeschaltet. „Was nützt eine Marke, wenn man sie nicht verwenden kann?” In Deutschland verbiete Paragraf 14 des Grund­gesetzes, der das Eigentum gewährleistet, dem Dubliner Vorbild nachzueifern.

Auch der Schmuggel illegal hergestellter Zigaretten werde erleichtert durch den Marken-Bann, fährt Mücke fort. „Derzeit sorgen bestimmte Drucktechniken und Sicherheitsmerkmale dafür, dass die Produkte in überschaubarmen Ausmaß gefälscht werden.” Zahlen aus Australien zeigten, dass Fälschungen rasant zugenommen hätten. „Das werden wir auch in Irland sehen”, ist der Verbandssprecher überzeugt.

Australien mit guten Erfahrungen
Australiens Regierung ist mit ihrem Gesetz allerdings zufrieden. Anfang 2014 seien die Ausgaben für Zigaretten und Tabak im Land auf ein Rekordtief gesunken. Mehr Menschen wollten mit dem Rauchen aufhören, seit die Logos verschwunden seien. Erste wissenschaftliche Studien weisen in dieselbe Richtung.

Die Lobby argumentiert mit Steuereinnahmen, die den Staaten durch sinkende Raucher­zahlen entgehen. Australien hingegen verweist auf 31,5 Milliarden Dollar (gut 22 Mrd. Euro), die Raucher Wirtschaft und Gesundheitssystem im Jahr kosten.

© dpa/aerzteblatt.de

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