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DGHO: „Familien­freundlichkeit wird der wichtigste Wettbewerbsfaktor“

Donnerstag, 5. März 2015

Berlin – Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März rufen die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), der Arbeitskreis Frauen der DGHO und die Arbeitsgemeinschaft der Gynäkologischen Onkologie (AGO) der Deutschen Krebsgesellschaft die Geschäftsführungen von Kliniken dazu auf, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und auch Führungspositionen verstärkt durch Ärztinnen zu besetzen.

„Familienfreundlichkeit wird künftig der wichtigste Wettbewerbsfaktor sein“, erklärte Diana Lüftner, Vorsitzende der DGHO, heute in Berlin. Um die berufliche Situation von Frauen in der Medizin zu verbessern, fordert die Fachgesellschaft unter anderem  flexible Teilzeitarbeitsmodelle, Konzepte zur Kinderbetreuung , eine verbindliche Planung von Job-Sharing-Stellen  und  die Gewährleistung von Rotationen in andere Abteilungen auch für Ärztinnen und Ärzte mit Teilzeitverträgen.

In der Hämatologie und Onkologie sei der Bedarf an Nachwuchs groß. Allein aufgrund des demografischen Wandels würde bis 2020 bei Männern mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um 18 Prozent und bei Frauen um 9 Prozent zu rechnen sein, betont die Fachgesellschaft. „Der Bedarf an Krebsfachärzten steigt, zumal in den nächsten Jahren auch etwa ein Viertel der derzeit tätigen Hämatologen und Onkologen in den Ruhestand gehen wird", betonte Lüftner.

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Gleichzeitig stellte die DGHO den aktuellen Band ihrer gesundheitspolitischen Schriften­reihe „Die berufliche Situation von Frauen in der Hämatologie und Onkologie. Fakten und Forderungen“ vor, der sich dem Thema Frauenförderung widmet und auf einer Umfrage im Jahr 2014 beruht. „Im Bereich der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie bekleidet derzeit keine einzige Ordinaria einen Lehrstuhl", kritisierte Lüftner.

Maren Knödler, Oberärztin am Universitätsklinikum Leipzig und Leiterin des Arbeits­kreises Frauen der DGHO, bestätigte die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Medizin und wies auf die aktuelle DGHO-Umfrage hin. Sowohl die Mehrheit der befragten Ärztinnen als auch der befragten Ärzte antworteten darin, dass eine Verein­barkeit nur mit Kompromissen möglich sei (jeweils 71 Prozent). Letztlich werden die angegebenen Kompromisse bei den weiblichen DGHO-Mitgliedern am ehesten in der Wahl der Kinderlosigkeit gesehen. Dass Beruf und Familie „eher gut" bis „sehr gut" vereinbar sind, glauben nur elf Prozent der befragten Ärztinnen und zwölf Prozent ihrer männlichen Kollegen.

Für viele Ärztinnen seien Kinder und Karriere zwei kaum vereinbare Pole, erläuterte  Antonia Busse von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie an der Charité.  „Einigen Frauen sind Führungspositionen nicht den Verzicht wert, den sie dafür bringen müssen. Familiengründung bedeutet auch heute noch einen Karriereknick für Frauen, die sich zunächst der Kindererziehung widmen. Und das betrifft nicht nur das Erlangen von Führungspositionen, sondern auch das erfolgreiche Beenden der Weiterbildung.“

Kritik übte die DGHO in diesem Zusammenhang auch an der ärztlichen Weiterbildungs­ordnung: In ihr fehlten immer noch familienfreundliche Lösungen. So ist die Anerkennung von Zeiten für die ärztliche Weiterbildung  erst ab einem Stellenanteil von 0,5 möglich. „Das ist mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht mehr zeitgemäß. Eine Anerkennung ab einem Anteil von 25 Prozent wäre perspektivisch sicherlich förderlich", forderte Lüftner. Zudem sollte bei Erfüllung aller Inhalte und Bestätigung der Fähigkeiten eine Verkürzung der errechneten Weiterbildungszeiten auf Basis von Teilzeitbe­schäf­tigung um bis zu 30 Prozent möglich sein, meint die Fachgesellschaft.

Unterstützung erhielt die DGHO von Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Die geschilderten Probleme und Herausforderungen würden auch für andere Disziplinen der Medizin gelten, betonte sie. „In den letzten Jahren hat sich das ärztliche Selbst­ver­ständnis deutlich gewandelt. Das bringt Konsequenzen für die ärztliche Weiterbildung und den Klinikalltag", sagte Hauth. © ER/aerzteblatt.de

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