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Medizin

Gynäkologen warnen vor unzureichender Beratung zur „Pille danach“

Donnerstag, 5. März 2015

Berlin – Vor einer unzureichenden Beratung zur Notfallkontrazeption – der sogenannten Pille danach – in Apotheken warnen der Berufsverband und die Fachgesellschaften der Gynäkologen in Deutschland. „Denn in den Handlungsempfehlungen für die Beratung, die die ABDA – Bundesvereinigung der Apothekerverbände – für die Apotheken herausgegeben hat, sind grundlegende Beratungsinhalte nicht enthalten“, heißt es in einer Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin.

Berufsverband und Fachgesellschaften nennen konkrete Inhalte, die in den Beratungsunterlagen fehlen. Dazu gehören:

  • Die nachlassende Wirkung von Levonorgestrel bei einem Körpergewicht von über 75 Kilogramm
  • Die nachlassende Wirkung von Ulipristalacetat bei einem Körpergewicht von über 90 Kilogramm
  • Der Hinweis darauf, dass eine Kupferspirale eine sichere Alternative ist, die vom Körpergewicht der Frau unabhängig ist.
  • Der Hinweis, dass eine Kupferspirale das Mittel der Wahl ist, wenn der Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs bereits länger verstrichen ist.

„Diese Fakten sind seit langem bekannt. Auch aktuelle Veröffentlichungen in der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) bestätigen dies. In den Unterlagen, die die Apothekerkammern ihren Mitgliedern zur Verfügung stellen, finden sie jedoch keine Erwähnung“, kritisieren Berufsverband und Fachgesellschaften.

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Besonders wichtig sei außerdem, dass Frauen bis zum Eintreten der nächsten Monatsblutung nichthormonell verhüteten, denn bis zur nächsten Menstruation wirke die Pille nicht mehr, wenn die Frauen eine Notfallverhütung verwendet haben.

„Es ist zu befürchten, dass diese unverzichtbaren Informationen in den Apotheken nicht in jedem Fall mit der gebotenen Dringlichkeit an Mädchen und Frauen weitergegeben werden“, warnen die Gesellschaften.

Die EU-Kommission hatte das Präparat EllaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat Anfang Januar aus der Verschreibungspflicht herausgenommen. In Deutschland soll neben EllaOne auch das Medikament Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel rezeptfrei erhältlich sein. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plädiert für verbindliche Vorgaben, wenn Frauen zur Pille danach nicht mehr durch einen Arzt beraten werden. © hil/aerzteblatt.de

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