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Medizin

Gesunde Luft lässt Kinder tiefer atmen und klarer denken

Donnerstag, 5. März 2015

Los Angeles /dpa

Los Angeles/Barcelona – Schadstoffe in der Luft können die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern behindern, wie zwei aktuelle Studien aus den USA im New England Journal of Medicine (2015; 372: 905-913) und Spanien in PLoS Med (2015; 12: e1001792) zeigen.

Aufgrund des regen Autoverkehrs, zahlreicher Industriebetriebe, dem größten Hafen­komplex in den USA sowie einer ungünstigen geographischen Lage gehörte Los Angeles in den 90er Jahren zu den Großstädten mit der schlechtesten Luft in Nordamerika. Inzwischen hat sich die Luftqualität deutlich verbessert. Die Konzentration von Stick­stoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM 2,5) sind um 40 Prozent gefallen. In den meisten Regionen werden die Grenzwerte (außer beim Ozon) eingehalten.

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Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern hat die 1993 ins Leben gerufene prospektive Children's Health Study dokumentiert. In drei Kohorten (1994–1998, 1997–2001 und 2007–2011) wurden insgesamt 2.120 Kinder während der wichtigen Wachstumsphase zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr mehrfach untersucht. In dieser Lebensphase kommt es zu einer markanten Entwicklung der Lungen. Die Einsekunden­kapazität (FEV1) und die forcierte Vitalkapazität (FVC) vergrößern sich.

Wie James Gauderman von der Keck School of Medicine in Los Angeles und Mitarbeiter jetzt berichten, hat sich die Lungenentwicklung der Kinder in den vier Jahren deutlich beschleunigt. Ein Rückgang des NO2 um 14,1 ppb ging beispielsweise mit einem um 65,5 ml höherem Anstieg des FEV1 einher. Der Rückgang des Feinststaubs (PM 10) um 8,7 µg pro Kubikmeter war mit einem zusätzlichen Gewinn von 65,5 ml verbunden. Ebenso kam es pro 12,6 µg pro Kubikmeter beim Feinstaub (PM 2,5) zu einem Plus um 65,5 ml. Der Anteil der Kinder mit einem zu niedrigen FEV1 (weniger als 80 Prozent des erwar­teten Wertes) sank von 7,9 Prozent in einer frühen Kohorte auf zuletzt nur noch 3,6 Prozent ab. Ähnliche Ergebnisse wurden für den FVC gefunden, während sich der Rückgang der Ozonkonzentrationen kaum bemerkbar machte.

Die Studie kann nicht völlig ausschließen, dass die Kinder die Entwicklung in der späteren Jugend nachholen. Die Lungen vergrößern sich bei Mädchen bis in die späten Teenagerjahre und bei Jungen bis in die frühen 20er Lebensjahre. Sollte dies nicht der Fall sein, dann könnte, so Gauderman, die verminderte Lungenfunktion im Alter die Anfälligkeit auf Atemwegserkrankungen und Her-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und letztlich das Leben verkürzen.

Eine andere Folge der Luftverschmutzung könnte eine eingeschränkte kognitive Entwicklung sein, wie Jordi Sunyer und Mitarbeiter vom spanischen Forschungsinstitut CREAL in Barcelona in einer von der EU geförderten Studie zeigen. Die Forscher haben bei 2.715 Grundschulkindern über einen Zeitraum von 12 Monaten viermal kognitive Tests durchgeführt. Gemessen wurden das einfache und das komplexe Arbeits­gedächtnis sowie die Aufmerksamkeit der Kinder. Die Forscher verglichen Schulen an viel befahrenen Straßen mit Schulen mit wenig Verkehrsbelastung. Die Schad­stoffbelastung wurde vor Ort gemessen.

Die meisten Kinder konnten sich im Verlauf des Schuljahres in allen drei Tests steigern. Die größten Erfolge wurden jedoch an den Schulen erzielt, in denen die Luftqualität am besten war. So verbesserte sich das Arbeitsgedächtnis der Schüler an den wenig belasteten Schulen im Durchschnitt um 11,5 Prozent. An den Schulen mit der schlech­teren Luftqualität kam es nur zu einem Anstieg um 7,4 Prozent.

Die Unterschiede blieben signifikant, nachdem Sunyer einige Ungleichverteilungen berücksichtigt hat. Dazu gehörte der Lärm, der an viel vielbefahrenen Straßen größer ist und für sich genommen die Lernfähigkeit beeinträchtigen kann, aber auch der sozioökonomische Hintergrund der Kinder. Die Forscher hatten zwar bewusst Schulen aus dem wohlhabenden, aber verkehrsreichen Stadtteil Eixample einbezogen. Dennoch gab es ein Ungleichgewicht, das Sunyer rechnerisch berücksichtigen musste. Falls dies gelungen ist, zeigt die Studie erstmals, dass eine hohe Schadstoffbelastung die kognitive Entwicklung von Kindern beeinträchtigen kann. © rme/aerzteblatt.de

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