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Medizin

Ebola: Postexpositionelle Impfung nach Nadelstichverletzung

Freitag, 6. März 2015

dpa

Atlanta – Ein US-amerikanischer Arzt, bei dem nach einer Nadelstichverletzung in Westafrika eine Ebola-Infektion vermutet wurde, war einer der ersten Menschen, die gegen Ebola geimpft wurden. Es wurde eine spektakuläre Rettungsaktion organisiert, doch nach den jetzt im US-amerikanischen Ärzteblatt (2015; doi: 10.1001/jama.2015.1995) vorgestellten Daten ist zweifelhaft, dass der Arzt sich wirklich angesteckt hatte.

Der 44-jährige Arzt, den die Medien als Lewis Rubinson identifizierten, hatte am 26. September letzten Jahres in einer Klinik in Sierra Leone mit einer Hohlnadel hantiert, die eine Infusionslösung entlüftet hatte. Dabei stach er sich in den Daumen. Die Nadel war vermutlich nicht kontaminiert, doch mit den äußeren Handschuhen, die die Nadel durchstach, hatte er mehrere Patienten berührt, die nachweislich mit Ebola infiziert waren.

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Da der Arzt beim Ausziehen der Handschuhe das übliche Protokoll beachten musste, konnte die Wunde erst nach zehn Minuten gereinigt und die Hände desinfiziert werden. Die Klinik forderte sofort einen Impfstoff an, den das Emory Vaccine Center in Atlanta für diese Fälle bereit hielt. Es handelte sich um die Vakzine VSVΔG-ZEBOV, die die Public Health Agency Canada entwickelt hat und den die Firma NewLink Genetics Inc. derzeit in Feldstudien prüfen lässt. Als der Jet mit dem Impfstoff in Sierra Leone eintraf, waren 43 Stunden seit der Nadelstichverletzung vergangen. Der Arzt wurde sofort geimpft und mit dem Jet in die USA ausgeflogen.

Wie ein Team um Mark Mulligan von der Emory Universität in Atlanta jetzt berichtet, kam es während des Rückflugs zu ersten Symptomen. Etwa 12 Stunden nach der Impfung klagte der Patient über Unwohlsein, Übelkeit und Fieber. Bei einer körperlichen Untersuchung, die 14 Stunden nach der Impfung an einer Spezialklinik der National Institutes of Health in Bethesda/Maryland durchgeführt wurde, litt er unter Fieber, Übelkeit, Unwohlsein, Myalgien und Schüttelfrost. Das Fieber ließ am Tag 2 schon wieder nach, Übelkeit und Arthralgien blieben noch einige Tage bestehen. Am Tag 7 war er jedoch wieder völlig asymptomatisch.

Dass sich der Arzt mit dem Ebola-Virus infiziert hat, ist nach Einschätzung von Mulligan sehr unwahrscheinlich. Der Patient entwickelte zwar später Antikörper gegen das Ebola-Virus und es war eine antivirale Immunreaktion mit Anstieg von Zytokinen und T-Zellen nachweisbar. In den Gentests konnten jedoch nur die Gene des Impfstoffvirus VSV (Vesicular stomatitis virus) und die Erbinformation für die Ebola-Proteine nachgewiesen werden, die ebenfalls Bestandteil des Impfstoffs waren. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Symptome des Patienten Folge der Impfung (und vielleicht auch der Aufregung und Ängste) waren. Obwohl keine ernsthaften Impfkomplikationen auftraten, ist der Erkenntnisgewinn des Fallberichts gering. Ob die Impfung effektiv und sicher ist, können nur die laufenden Studien zeigen.

Der US-Arzt war der zweite Mensch, der den Impfstoff zur Postexpositions-Prophylaxe erhalten hat. Im März 2009 war es am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg zu einer Nadelstichverletzung gekommen. Spätere Laboruntersuchungen sprachen auch in diesem Fall dafür, dass es sich vermutlich um einen falschen Alarm gehandelt hat (J Infect Dis. 2011; 204 Suppl 3: S785-90).

© rme/aerzteblatt.de

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