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Toxikologie in Deutschland vernachlässigt

Freitag, 6. März 2015

Berlin/Kiel – „Sträflich vernachlässigt“ sieht sich das Fach Toxikologie von der Hoch­schulpolitik in Deutschland. Die Gesellschaft für Toxikologie warnt daher vor gefährlichen Lücken im Gesundheits- und Umweltschutz und fordert, den Abbau von Ausbildungs­plätzen zu stoppen und neue Institute zu schaffen.

Traditionell ist die Toxikologie an den Universitäten in gemeinsamen Instituten mit der Pharmakologie angesiedelt, also an medizinischen Fakultäten. Dies hatte unter anderem mit der Aufgabe zu tun, die Toxizität von Arzneimitteln zu erforschen. Allerdings verfügt die Mehrzahl der medizinischen Fakultäten heute laut der Fachgesellschaft nicht mehr über ein toxikologisches Institut.

„Inzwischen haben sich die Themenbereiche erweitert und die Schwerpunkte verlagert, so zur chronischen Giftigkeit von Stoffen, zur moderner Analytik sowie zur Verringerung von Tierversuchen“, heißt es aus der Fachgesellschaft. In zahlreichen anderen Ländern, zum Beispiel in den angelsächsischen, seien toxikologische Arbeitsgruppen oder Professuren daher meist an naturwissenschaftlichen Fachbereichen angesiedelt.

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Behörden und andere Institutionen sowie auch die Industrie benötigen laut der Fachgesellschaft mehr denn je gut ausgebildete und erfahrene Toxikologen für die nachhaltige Entwicklung und Sicherheitseinschätzung von Medikamenten, Pflanzen­schutz- und Nahrungsmitteln sowie zahlreichen Produkten des täglichen Bedarfs.

„Dies ist nur durch den Ausbau der universitären Lehr- und Forschungsstellen zu erreichen“, betont die Fachgesellschaft. Sie verweist dabei auf zwei Denkschriften der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus den Jahren 1975 und 2000. Die DFG hatte darin gemahnt, das Fach auszubauen, um Verbraucher und Umwelt besser vor Risiken zu schützen. Insbesondere fehle es an akademisch aus- und weitergebildeten Toxikologen.

„Eine Besserung ist leider nicht eingetreten – im Gegenteil“, bedauert die Fach­gesellschaft heute. „Das Potenzial ist in Deutschland noch vorhanden, aber es muss auch gefördert und genutzt werden“, erklärte dessen Vorsitzende, Ursula Gundert-Remy. Angesichts der Altersstruktur sei es für die Erfüllung der Aufgaben in Zukunft unabdingbar, dafür zu sorgen, dass kompetenter Nachwuchs in den Hochschulen ausgebildet werden könne. Die Gesellschaft für Toxikologie fordert daher, dass jede Universität über eine toxikologische Forschungseinrichtung verfügen sollte. Dabei gehe es bundesweit um 40 bis 60 notwendige Stellen. © hil/aerzteblatt.de

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