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Medizin

Schwere körperliche Arbeit könnte Männer unfruchtbar machen

Dienstag, 10. März 2015

dpa

Rockville – Jedes sechste Ehepaar bleibt ungewollt kinderlos. Zu den möglichen Ursachen zählen laut einer prospektiven Beobachtungsstudie in Fertility and Sterility (2015; doi: 10.1016/j.fertnstert.2015.02.010) ein Job mit starker körperlicher Arbeit, eine arterielle Hypertension und eine hohe Zahl von eingenommenen Medikamenten.

Die Longitudinal Investigation of Fertility and the Environment (LIFE) Studie hat eine Gruppe von 501 Paaren mit Kinderwunsch über ein Jahr begleitet. Die Paare wurden ausführlich nach ihren Lebensumständen befragt, um mögliche Ursachen für eine Unfruchtbarkeit zu ermitteln. In der aktuellen Auswertung beschäftigt sich Germaine Buck-Louis mit den möglichen Ursachen der männlichen Infertilität.

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Sie konnte hierzu die Daten von 356 Männern auswerten, die wenigstens eine Spermien­probe abgegeben hatten. Von den Männern, die im Beruf schwere körperliche Arbeit verrichten mussten, hatten 13 Prozent eine Oligospermie. Ihr Ejakulat enthielt zu wenig bewegliche Spermien für eine spontane Zeugung. Von den Männern, die im Büro keine schwere körperliche Arbeit verrichten mussten, hatten nur 6 Prozent eine Oligospermie. Andere berufliche Stressoren wie Hitze, Lärm oder langes Sitzen hatten keinen Einfluss auf die Samenqualität.

Von den medizinischen Erkrankungen, unter denen die im Durchschnitt 31,7 Jahre alten Männer litten, war lediglich eine arterielle Hypertonie mit einer Unfruchtbarkeit assoziiert. Bei den Hypertonikern fanden die Forscher häufiger Spermien mit einer auffälligen Gestalt als bei anderen Teilnehmern der Studie. Eine Beziehung zu erhöhten Fettwerten, einem Diabetes mellitus oder der Zahl der chronischen Erkrankungen ließ sich dagegen nicht herstellen.

Der dritte Risikofaktor war die Anzahl der eingenommenen Medikamente: Sieben Prozent der Männer, die keine Medikamente einnahmen, hatten eine Spermienzahl von unter 39 Millionen (normal sind 40 bis 300 Millionen). Wenn sie zwei oder mehr Medikamente einnahmen, steig der Anteil mit einer Oligospermie auf 15 Prozent an. Buck-Louis geht allerdings nicht unbedingt davon aus, dass die Unfruchtbarkeit eine Nebenwirkung der Medikamente ist. Die Anzahl der Medikamente könnte auch ein allgemeiner Marker für den Gesundheitszustand sein.

Die Evidenz von Beobachtungsstudien ist allerdings begrenzt. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht unbedingt schließen, dass ein Arbeitsplatzwechsel, eine Behandlung der Hypertonie oder der Verzicht auf (andere) Medikamente die Fruchtbarkeit wieder herstellen kann. Buck-Louis hofft, dass weitere Studien mehr Klarheit bringen.

© rme/aerzteblatt.de

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