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Politik

Umweltstiftung: Arzneimittel­rückstände im Wasser schaden der Umwelt

Dienstag, 10. März 2015

dpa

Osnabrück – Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat eine stärkere Berück­sichtigung von Umweltauswirkungen bei der Entwicklung und dem Einsatz von Arzneimitteln gefordert. Arzneimittelrückstände in der Umwelt seien überall auf der Welt ein Problem, erklärte der Generalsekretär der DBU, Heinrich Bottermann, im Nachgang des DBU-Forums „Sanfte Medizin für sauberes Wasser“. Umso sorgsamer sollten Human- und Tiermediziner mit Arzneimitteln umgehen, damit die Restwirkstoffe nicht mehr in Oberflächengewässer, Grund- und Trinkwasser, Böden oder Gülle gelangten.

Denn Arzneimittel könnten ungewollte Auswirkungen auf die Umwelt haben, sagte Bottermann. So würden bestimmte Antiepileptika und Betablocker die Organe von Fischen schädigen. Das Empfängnisverhütungsmittel Ethinylestradiol verändere die Geschlechtsmerkmale bei Fischen, und Psychopharmaka hätten Einfluss auf das Verhalten von Barschen. Im Trinkwasser seien bisher nur vereinzelt Spuren dieser Mikroschadstoffe nachgewiesen worden. Insofern bestehe für die menschliche Gesundheit keine unmittelbare Gefahr. „Das muss aber auch so bleiben“, forderte Bottermann.

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In einem Positionspapier warnt die DBU insbesondere vor den Folgen eines übermä­ßigen Antibiotikaeinsatzes in der Human- und Tiermedizin. „Jede Anwendung von Antibiotika begünstigt das Überleben und die Ausbreitung von Keimen, die gegen die Wirkstoffe resistent sind“, heißt es darin. Besorgniserregend sei vor allem die Entstehung multiresistenter Bakterienstämme. „Der medizinische Fortschritt ist bereits seit einigen Jahren nicht mehr in der Lage, mit der Ausbreitung der Resistenzen Schritt zu halten“, schreibt die BDU. „Es besteht die Gefahr, dass in Zukunft für die Behandlung vieler gefährlicher Infektionserkrankungen keine wirksamen Antibiotika mehr zur Verfügung stehen.“

Die DBU fordert, dass geltendes Recht gerade in der Tierhaltung konsequent eingehalten werden müsse, demzufolge ein vorbeugendes Verabreichen von Antibiotika nicht erlaubt sei. Auch ein verbessertes Stall- und Abluftmanagement sowie die Darreichungsform von Medikamenten könnten ein unkontrolliertes Ausbreiten antibiotischer Wirkstoffe verhindern, indem die Medikamente etwa in Pellet- statt Pulverform an Tiere verabreicht würden. Es sei mittlerweile erwiesen, dass sich beim Anwenden von Pulvern die Wirkstoffe über Stallstaub und Lüftungsanlagen verbreiteten. Neben gesunden Tieren nähmen auch Landwirte und Tierärzte, die in den Ställen arbeiten, diese Substanzen auf.

Arzneimittelentsorgung: Spurenstoffe im Wasser

Die Spuren von Arzneimitteln im Abwasser sind so gering, dass sie keinen Effekt für den Menschen haben, sagen Wissenschaftler. Doch welche Auswirkung haben sie auf die Umwelt? Entzündungshemmer, Benzodiazepine, Antibiotika, Röntgen-kontrastmittel – das ist nur eine kleine Auswahl jener Wirkstoffe, die Wissenschaftler regelmäßig im Abwasser finden.

Grundsätzlich sei es ein wichtiger Ansatz, die Dosierung von Arzneimittel so zu gestalten, dass die Menge ausgeschiedener Wirkstoffe verringert werde, schreibt die DBU. Dann würden weniger nicht abgebaute Wirkstoffe von Mensch und Tier ausgeschieden. So könnten etwa mit einer stratifizierten Medizin oder dem Anwenden anderer Darreichungs­formen sowie neuen Techniken wie dem „drug targeting“, dem selektiven Anreichern eines Arzneistoffs am gewünschten Wirkort, Arzneimitteleinträge in die Umwelt zumindest vermindert werden.

„Die Grundlage für alle Maßnahmen zum Verhindern von Arzneimitteleinträgen in die Umwelt sind ein besseres und flächendeckendes Umweltmonitoring sowie eine stärkere Wirkungsforschung“, betonte Bottermann. „Über viele Stoffe und deren Auswirkungen fehlen Langzeitstudien und Erkenntnisse, die ein Gegensteuern erst möglich machen.“

Im Oktober 1989 hatte das Bundeskabinett auf Vorschlag des damaligen Bundesfinanz­ministers Theo Waigel (CSU) den Beschluss gefasst, den Erlös aus dem Verkauf des bundeseigenen Stahlkonzerns Salzgitter AG für eine Umweltstiftung zu verwenden. Die daraus entstandene DBU hat heute ein Stiftungskapital von etwa zwei Milliarden Euro. Seit der Gründung der Stiftung im Jahr 1991 hat sie knapp 8.800 Projekte aus den Bereichen Umwelttechnik, Umweltforschung und Umweltkommunikation gefördert. © fos/aerzteblatt.de

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