NewsMedizinHIV: Immun-PET spürt Reservoire von Retroviren im Körper auf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

HIV: Immun-PET spürt Reservoire von Retroviren im Körper auf

Dienstag, 10. März 2015

Atlanta – US-Forscher haben ein bildgebendes Verfahren entwickelt, das die Verbreitung von Retroviren im Körper sichtbar macht. Erste Erfahrungen mit der Immun-PET an Rhesus-Affen in Nature Methods (2015; doi: 10.1038/nmeth.3320) zeigen, wo sich die Virusreservoire befinden, die Ausgangspunkt für ein Wiederaufflammen der Infektion nach Absetzen der Medikamente sein können.

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) stellt im Körper Strukturen dar, die vorher durch ein in den Körper injiziertes Radiopharmakon markiert werden. Bei der Tumor­darstellung ist dies häufig eine Glukose-Variante, die mit dem Isotop Fluor besetzt ist. Der Tumor wird aufgrund seines erhöhten Glukoseverbrauchs erkannt. Bei der Immun-PET ist der Marker ein radioaktiver Antikörper, der beispielsweise an den Rezeptoren eines Virus bindet. Auf diese Weise wird sichtbar, welche Regionen des Körpers infiziert sind.

Das Team um Francois Villinger von der Emory Universität in Atlanta verwendete für ihre Experimente einen Antikörper, der am Glykoprotein 120 auf der Oberfläche des simianen Immundefizienz-Virus (SIV) binden, einem Verwandten des humanen Immunde­fi­zienz-Virus (HIV). Zur radioaktiven Markierung verwendeten die Forscher das Isotop Kupfer 64. Die Experimente könnten mit einem ähnlichen Antikörper jederzeit auch beim Menschen durchgeführt werden. Ähnlich wie die konventionelle PET die Metastasen von Tumoren sichtbar macht, könnte die Immun-PET verwendet werden, um die Replikation von HIV anzuzeigen.

Anzeige

Bei ihren ersten Experimenten an Rhesusaffen machten die US-Forscher einige über­raschende Beobachtungen. Das Virus wurde nicht nur in den Lymphknoten und im Darm mit seinem ausgedehnten Immunsystem gefunden. Erstaunlich hohe Konzen­trationen fanden sich in den Nasennebenhöhlen und in den Atemwegen der Lunge. Hier war das Virus bisher nicht vermutet worden. Bei den männlichen Tieren wurden auch Signale im Samenleiter und im Nebenhoden gesichtet. Dies könnte erklären, warum die Viren in der Samenflüssigkeit in hoher Konzentration nachweisbar sind und häufig durch Sexual­kontakte übertragen werden.

Nach dem Beginn einer antiretroviralen Therapie kam es in allen befallenen Regionen zu einem Rückgang der Signale. Es war allerdings kein bevorzugtes Reservoir für die SI-Viren erkennbar. Auch bei „Elite-Controllern“, bei denen die Infektion länger asymp­tomatisch verläuft, gab es keine klar umschriebenen Reservoire. Eine klinische Relevanz des bildgebenden Verfahrens ist derzeit nicht erkennbar. Die Immun-PET könnte jedoch in der Forschung genutzt werden, um beispielsweise Wirkstoffe zu finden, die tiefer in die Reservoire des HI-Virus im Lymphgewebe vordringen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. September 2020
Paris – Der weltweit erste Mensch, der nach einer HIV-Infektion geheilt werden konnte, ist an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Das teilte die International Aids Society (AIS) heute mit.
„Berliner Patient“: Von HIV geheilt, an Krebs gestorben
27. August 2020
Boston – Eine 66-jährige Frau aus Kalifornien könnte der dritte Mensch sein, der eine HIV-Infektion überwunden hat. Anders als der Berliner Patient Timothy Brown und der Londoner Patient Adam
Ist eine Spontanheilung von HIV möglich? Elite-Controller schicken Virusgene in die Wüste
24. August 2020
Wiesbaden – In Hessen sind im laufenden Jahr bis Mitte Juli knapp 100 neue Diagnosen einer HIV-Infektion registriert worden. Das teilte das Sozialministerium in Wiesbaden auf eine parlamentarische
Knapp 100 HIV-Neudiagnosen in Hessen
30. Juli 2020
Berlin – Trotz der schwelenden Pandemie sollte Prostitution aus Sicht der Deutschen Aidshilfe zügig wieder erlaubt werden – in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte lägen
Aidshilfe: Prostitution trotz Corona wieder zulassen
14. Juli 2020
Paris – Die Coronapandemie könnte in ärmeren Ländern nach Einschätzung von Experten zu einem drastischen Anstieg der Todesfälle auch durch Malaria, HIV und Tuberkulose führen. In Gebieten, in denen
Experten befürchten allgemeinen Anstieg tödlicher Infektionskrankheiten
10. Juli 2020
Berlin – Die Deutsche Aidshilfe hat zum Ende der Internationalen Aids-Konferenz „AIDS2020: virtual“ vor einer Katastrophe im weltweiten Kampf gegen HIV gewarnt. Der Vorstand der Deutschen Aidshilfe
Aidshilfe warnt vor Katastrophe im Kampf gegen HIV
6. Juli 2020
Genf – Die Weltgemeinschaft hat ihre selbst gesetzten Ziele im Kampf gegen HIV und Aids verfehlt. Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER