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Medizin

HIV: Immun-PET spürt Reservoire von Retroviren im Körper auf

Dienstag, 10. März 2015

Atlanta – US-Forscher haben ein bildgebendes Verfahren entwickelt, das die Verbreitung von Retroviren im Körper sichtbar macht. Erste Erfahrungen mit der Immun-PET an Rhesus-Affen in Nature Methods (2015; doi: 10.1038/nmeth.3320) zeigen, wo sich die Virusreservoire befinden, die Ausgangspunkt für ein Wiederaufflammen der Infektion nach Absetzen der Medikamente sein können.

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) stellt im Körper Strukturen dar, die vorher durch ein in den Körper injiziertes Radiopharmakon markiert werden. Bei der Tumor­darstellung ist dies häufig eine Glukose-Variante, die mit dem Isotop Fluor besetzt ist. Der Tumor wird aufgrund seines erhöhten Glukoseverbrauchs erkannt. Bei der Immun-PET ist der Marker ein radioaktiver Antikörper, der beispielsweise an den Rezeptoren eines Virus bindet. Auf diese Weise wird sichtbar, welche Regionen des Körpers infiziert sind.

Das Team um Francois Villinger von der Emory Universität in Atlanta verwendete für ihre Experimente einen Antikörper, der am Glykoprotein 120 auf der Oberfläche des simianen Immundefizienz-Virus (SIV) binden, einem Verwandten des humanen Immunde­fi­zienz-Virus (HIV). Zur radioaktiven Markierung verwendeten die Forscher das Isotop Kupfer 64. Die Experimente könnten mit einem ähnlichen Antikörper jederzeit auch beim Menschen durchgeführt werden. Ähnlich wie die konventionelle PET die Metastasen von Tumoren sichtbar macht, könnte die Immun-PET verwendet werden, um die Replikation von HIV anzuzeigen.

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Bei ihren ersten Experimenten an Rhesusaffen machten die US-Forscher einige über­raschende Beobachtungen. Das Virus wurde nicht nur in den Lymphknoten und im Darm mit seinem ausgedehnten Immunsystem gefunden. Erstaunlich hohe Konzen­trationen fanden sich in den Nasennebenhöhlen und in den Atemwegen der Lunge. Hier war das Virus bisher nicht vermutet worden. Bei den männlichen Tieren wurden auch Signale im Samenleiter und im Nebenhoden gesichtet. Dies könnte erklären, warum die Viren in der Samenflüssigkeit in hoher Konzentration nachweisbar sind und häufig durch Sexual­kontakte übertragen werden.

Nach dem Beginn einer antiretroviralen Therapie kam es in allen befallenen Regionen zu einem Rückgang der Signale. Es war allerdings kein bevorzugtes Reservoir für die SI-Viren erkennbar. Auch bei „Elite-Controllern“, bei denen die Infektion länger asymp­tomatisch verläuft, gab es keine klar umschriebenen Reservoire. Eine klinische Relevanz des bildgebenden Verfahrens ist derzeit nicht erkennbar. Die Immun-PET könnte jedoch in der Forschung genutzt werden, um beispielsweise Wirkstoffe zu finden, die tiefer in die Reservoire des HI-Virus im Lymphgewebe vordringen. © rme/aerzteblatt.de

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