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Suizidbeihilfe: „Exit” verzeichnet Höchststand bei Anmeldungen

Mittwoch, 11. März 2015

Zürich – Die Deutschschweizer Sterbehilfeorganisation „Exit” hat im vergangenen Jahr zwei Drittel mehr Neuanmeldungen verzeichnet als 2013. Wie die Organisation am Mittwoch in Zürich mitteilte, gab es 2014 rund 13.500 Neueintritte. 583 Personen begingen demnach mit Unterstützung von „Exit” Suizid; 2013 waren es rund 450, 2010 noch 257 Personen.

In der Deutschschweiz und im Tessin zählte die Sterbehilfeorganisation Ende 2014 insgesamt 81.000 Mitglieder. Sie selbst führt das Wachstum unter anderem auf eine alternde Bevölkerung und die Zunahme der Demenzdiagnosen zurück. 2013 hatte der Schweizer Theologe Hans Küng (86) erklärt, er beabsichtige, eines Tages die Dienste von „Exit” in Anspruch nehmen.

In der Schweiz ist es legal, anderen Menschen Mittel zum Suizid zur Verfügung zu stellen und sie zu begleiten, sofern der Helfer nicht persönlich vom Tod des Patienten profitiert. Sterbehilfeorganisationen wie „Dignitas” und „Exit” bieten Beihilfe zur Selbsttötung an. Aktive Sterbehilfe ist unabhängig von den Motiven des Täters strafbar; passive und indirekte Sterbehilfe ist erlaubt.

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In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten. Das Strafgesetzbuch stellt auch das Töten auf Verlangen – etwa durch die Verabreichung von Medikamenten – unter Strafe und droht bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe an. Dagegen bleibt die sogenannte passive Sterbehilfe, etwa durch Abschalten der Beatmungsgeräte, straffrei, sofern sie dem Willen des Patienten entspricht. Da Selbsttötungsversuche in Deutschland juristisch nicht belangt werden, ist auch die Beihilfe zum Suizid straffrei. Allerdings können Helfer anschließend wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt werden.

Mitte Dezember letzten Jahres hatten die Präsidenten aller deutschen Landesärzte­kammern gemeinsam klargestellt, dass die Tötung von Patienten, auch wenn sie auf deren Verlan­gen erfolgen würde, sowie die Beihilfe zum Suizid nicht zu den Aufgaben eines Arztes gehöre. Dies unterstrich auch eine Stellungnahme des Deutschen Ethikrates, in der sich der Rat auch für ein Verbot der kommerziell betriebenen Suizidbeihilfe aussprach.

Suizidgefahr unterschätzt
Unterdessen wiesen Experten daraufhin, dass die Suizidgefahr bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr nach Einschätzung von Experten stark unterschätzt werde. Das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland und die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention warben am Mittwoch in Berlin für mehr vorbeugende Hilfsprogramme und eine Enttabuisierung der Problematik. „Die erhöhte Suizidgefährdung alter Menschen muss stärker als bisher als ein gesundheits- und versorgungspolitisches Problem wahrgenommen und behandelt werden”, schreiben die Wissenschaftler in dem vorgestellten Memorandum.

Der Alterssuizid dürfe trotz des individuellen Rechts auf Selbstbestimmung nicht als „sozial verträglich” toleriert werden. Bei jeder erkennbaren Suizidgefährdung bei alten Menschen müssten präventive und therapeutische Bemühungen den Vorrang vor jedweder Form der Suizidbeihilfe haben. © kna/aerzteblatt.de

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