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Medizin

Humerusfraktur: Keine Vorteile der operativen Versorgung

Mittwoch, 11. März 2015

Middlesbrough – Die operative Versorgung einer dislozierten proximalen Humerusfraktur hat in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 1037-1047) keine besseren Ergebnisse erzielt als eine konservative Behandlung.

Knochenbrüche im Bereich des Oberarmkopfes nahe der Schulter sind eine häufige Folge der Osteoporose. Ihre Häufigkeit ist infolge der zunehmenden Lebenserwartung gestiegen. Die Frakturen sind sehr schmerzhaft und werden, vor allem wenn es zu einer Verlagerung der Knochen an der Bruchstelle gekommen ist, zunehmend operativ versorgt. Eine konservative Behandlung ist jedoch meistens möglich. Dass sie allerdings gleichwertige Ergebnisse erzielt, wird von vielen Orthopäden bezweifelt. Die „Proximal Fracture of the Humerus Evaluation by Randomization“ oder PROFHER-Studie war die bisher erste größere Studie, die beide Alternativen einem fairen Vergleich unterzog.

Unter der Leitung von Amar Rangan vom James Cook University Hospital in Middles­brough wurden an 32 Kliniken in England insgesamt 250 Patienten nach dem Zufalls­prinzip auf eine konservative oder eine operative Therapie verteilt. Einschlusskriterien waren ein Alter über 16 Jahre – das Durchschnittsalter betrug 66 Jahre –, eine Dauer von weniger als drei Wochen seit der Fraktur sowie eine radiologisch bestätigte dislozierte Fraktur des proximalen Humerus.

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Behandlung der proximalen Humerusfraktur des Erwachsenen

Proximale Humerusfrakturen (Grafik) sind häufig – vor allem in der älteren Population. Zusammen mit proximalen Femur-, distalen Radius- und Wirbelkörperfrakturen zählen sie zu den häufigsten osteoporotischen Frakturen. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer (1). Eine Analyse des finnischen Traumaregisters ergab einen Anstieg

Primärer Endpunkt waren die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen im Alltag, die im Oxford Shoulder Score mit 0 bis 48 Punkten bewertet werden. Eine höhere Punkt­zahl zeigt ein besseres funktionelles Ergebnis an. Ab 40 Punkten wird die Schulter­funktion häufig als zufriedenstellend eingestuft.

Bei der Abschlussuntersuchung nach zwei Jahren erreichten die operierten Patienten einen Oxford Shoulder Score von im Mittel 39,07 Punkten. Bei den konservativ behandelten Patienten lag der Score mit 38,32 Punkten um 0,75 Punkte niedriger. Die Differenz war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 1,33 bis plus 2,84 Punkten jedoch statistisch nicht signifikant und wahrscheinlich auch klinisch nicht relevant. Auch im Fragebogen SF-12 (physische Komponente) zur Lebensqualität zeigten die operierten Patienten nur unwesentlich bessere Ergebnisse. Der Unterschied war ebenfalls statistisch nicht signifikant.

Die Operation verlief bei den teilweise hochbetagten Patienten (der älteste Studien­teilnehmer war 92 Jahre) nicht immer ohne Komplikationen. Rangan registrierte allein zehn unerwünschte Ereignisse in der postoperativen Phase. Auch die Zahl der Todes­fälle (9 versus 5) war im chirurgischen Arm der Studie tendenziell höher. In einer noch nicht veröffentlichten Studie wollen die Mediziner zeigen, dass der Verzicht auf die Operation mit erheblichen Kosteneinsparungen verbunden ist.

© rme/aerzteblatt.de

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