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Chinesische Pfleger in Sachsen-Anhalt

Mittwoch, 11. März 2015

Magdeburg – Seite Mitte Februar betreuen fünf chinesische Pflegekräfte Bewohner des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Magdeburger „Hilde Ollenhauer Haus“ Der Verband hatte keine geeigneten Fachkräfte im Land gefunden. „Es handelt sich hierbei um ein Pilotprojekt“, sagt der Geschäftsführer der AWO, Wolfgang Schuth, am gestern in Magdeburg. Eine chinesische Agentur hat die fünf Chinesen, die bereits zwei Jahre in China ausgebildet wurden, vermittelt.

„Trotz unserer neuen ausländischen Unterstützung fehlen aber auch in dieser Einrichtung immer noch zwei Pflegefachkräfte“, sagt Schuth. Der Landesbeauftragte des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste in Sachsen-Anhalt (bpa), Daniel Heyer, kann den Fachkräftemangel bestätigen. „Die Belegschaft wird immer älter, geburtsstarke Jahrgänge kommen in das pflegebedürftige Alter, woraufhin der Bedarf steigt und der Nachwuchs fehlt“, sagt er.

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Zahlen, wie hoch der Bedarf an Pflegekräften ist, gebe es nicht, da das Land keinen Fachkräftemangel sehe. „Es werden dementsprechend keine Ausbildungszahlen erhoben, um das Problem fassen zu können“, kritisiert Heyer. Doch viele Einrichtungen könnten eine Pflegeausbildung schon gar nicht mehr finanzieren.

Durchschnittsalter der Pflegekräfte liegt bei 50
Auch die AWO in Sachsen-Anhalt hat nach Aussagen von Schuth nur noch einen Auszubildenden pro Jahr und erst kürzlich aus finanziellen Gründen die Trägerschaft eines Seniorenzentrums in Naumburg übernehmen müssen. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liege bei 50 Jahren. Bis zu 1.500 Renteneintritte drohten der Branche pro Jahr.

Die AWO setze da neben den chinesischen Fachkräften auch auf eine Kooperation mit einem lettischen Ausbildungszentrum. Die ausländischen Fachkräfte seien eine große Unterstützung, mögliche Unkosten und einen größeren Organisationsaufwand nehme man in Kauf.

Das größte Problem ist die Sprache
So wohnen die Chinesen nun in zwei Wohngemeinschaften in der Nähe der jeweiligen Einrichtung. Strom- und Internetverträge müssten noch geklärt werden. Auch Fahrräder wolle die AWO den ausländischen Fachkräften besorgen. „Das größte Problem ist die Sprache“, sagt Mulin Lin, eine der Pflegekräfte. Doch sie habe sich darauf gefreut, ein neues Land und eine neue Sprache kennenzulernen. Auch wenn das bedeute, ihre Familie zurückzulassen. „Aber wir telefonieren, wann immer ich Zeit habe“, sagt die 23-Jährige, die aus Hénán im Osten Chinas stammt.

Das Alter wird in China mehr respektiert
Finanziell mache es bislang keinen Unterschied, ob sie in Deutschland oder China arbeite. Erst nachdem sie ihre Gleichstellungsprüfung, mit der ihr chinesischer Abschluss in Deutschland anerkannt wird, und die Sprachprüfung bestanden habe, steige ihr Gehalt. Momentan ist sie als Pflegeassistentin eingestuft. Sie möge es, den Bewohnern des Seniorenheims beim Waschen, Essen oder Anziehen zu helfen. Außerdem verabreicht sie Medikamente und misst Blutzucker. „Sie ist dabei sehr respektvoll und schätzt die älteren Menschen“, sagt Pflegedienstleiterin Thekla Niemann. Das liege wohl auch an ihrer Kultur, in der das Alter noch mehr wertgeschätzt werde.

„Unser Ziel ist es nicht, ausländische Facharbeiter hier anzusiedeln, außer sie wollen es“, sagt Geschäftsführer Schuth. Der Plan sei aber, die fünf chinesischen Pflegekräfte für mindestens vier Jahre weiter zu beschäftigen. Dann könnten sie auch mit guten Perspektiven zurück in ihre Heimat gehen. © dpa/aerzteblatt.de

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