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Medizin

Vogelgrippevirus H7N9 hat sich in China festgesetzt

Donnerstag, 12. März 2015

H7N9-Virus /CDC

Hongkong – In China sind in den letzten sechs Wochen mindestens 59 Menschen in neun Provinzen des Landes an der Vogelgrippe A/H7N9 erkrankt. Eine Genom-Analyse in Nature (2015; doi:10.1038/nature14348) bestätigt den Verdacht, dass sich das Virus im Hühnergeflügel festgesetzt hat. Die genetische Evolution des Virus birgt die Gefahr, dass sich ein neues Pandemie-Virus bildet.

Das aviäre Influenzavirus vom Subtyp A/H7N9 war erstmals im März 2013 entdeckt worden, als drei Menschen in der Umgebung von Shanghai erkrankten. Bis Mai stieg die Zahl der dokumentierten Fälle auf 135, davon 43 mit Todesfolge (Letalität: 32 Prozent). Als Infektionsquelle wurde relativ schnell Hühnergeflügel ermittelt, das in China als Lebendware auf Märkten angeboten wird.

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Die chinesische Regierung reagierte mit Massenkeulungen beim Geflügel. Danach ging die Zahl der Erkrankungen beim Menschen zurück, doch im Herbst/Winter 2013/4 kam es zu einer zweiten Welle mit 319 Erkrankungen und 134 Todesfällen (Letalität: 42 Prozent). Dieses Mal verzichtete die Regierung auf konsequente Massenkeulungen.

Dennoch ging die Zahl der menschlichen Erkrankungen im Sommer bis auf vereinzelte Fälle zurück. In diesem Winter setzte dann eine dritte Welle ein mit bisher 114 Erkran­kungen und 27 Todesfällen (Letalität: 24 Prozent). Die Erkrankungen sind nicht mehr auf Shanghai und Umgebung beschränkt. Die Vogelgrippe H7N9 hat sich auf neun Provinzen im Osten des Landes ausgebreitet.

Inzwischen ist es auch zu einer genetischen Diversifizierung gekommen, wie das Team um Yi Guan und Huachen Zhu von der Universität von Hongkong in ihrer Studie nachweisen. Die Forscher haben das komplette Erbgut von 438 Viren entschlüsselt, die in 15 Städten aus fünf Provinzen im Osten des Landes entnommen wurden. Aus dem Vergleich der Gensequenzen können die Forscher die Ausbreitung von H7N9 entlang der üblichen Handelsrouten rekonstruieren.

Sie können darüber hinaus zeigen, dass sich das Virus genetisch in drei Zweige (Kladen) und mindestens 48 Genotypen aufgespalten hat. Mit jedem neuen „Reassortment“ der Gene steigt die Gefahr, dass das Virus die Eigenschaft zu einer Ausbreitung von Mensch zu Mensch erwirbt, die ihm bisher fehlt, weshalb es bisher nicht zu einer Pandemie gekommen ist. Guan und Zhu haben in ihren Analysen keinen Hinweis gefunden, dass eine solche Pandemie unmittelbar bevorsteht.

Ihre Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich das Virus im Geflügel stärker ausbreitet. Waren in der zweiten Welle erst 3 Prozent aller bei Vögeln entnommenen Proben positiv, sind es jetzt bereits 15 Prozent. Die Forscher befürchten, dass die H7N9-Epidemie im Geflügel nicht mehr zu stoppen ist. Damit steige auch die Gefahr, dass sich völlig neue Vogelgrippe-Viren bilden. In der Provinz Jiangxi wurde im Geflügel erstmals der Subtyp H7N6 nachgewiesen, der aus H7N9 entstanden sein könnte.

Die Forscher fordern, dass die Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen verstärkt werden. Die Massenkeulungen von Tieren in infizierten Beständen ist ihrer Ansicht nach weiterhin die wirksamste Methode. Außerdem sollte der Transport von Geflügel zwischen den Provinzen stärker kontrolliert werden. Die chinesische Regierung hat laut WHO die Gegenmaßnahmen verstärkt.

Dazu sollen Schließungen von Märkten und Massenkeulungen gehören. Ob die Maßnahmen greifen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die WHO ist derzeit nicht zu Reisewarnungen bereit. Sie rät den Touristen allerdings, in Regionen mit bekannten Ausbrüchen auf den Besuch von Geflügelmärkten zu verzichten.

© rme/aerzteblatt.de

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