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Medizin

Lebensstil-Inter­vention verlangsamt kognitiven Abbau im Alter

Donnerstag, 12. März 2015

dpa

Stockholm – Eine Lebensstil-Intervention aus gesunder Ernährung, sportlichen Übungen und einem kognitiven Gehirntraining hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2015; doi: 10.1016/ S0140-6736(15)60461-5) an Senioren mit einem erhöhten Demenzrisiko die kognitiven Leistungen verbessert.

Chronische Erkrankungen im Alter wie Typ 2-Diabetes oder Demenz sind nicht so unausweichlich wie vielfach angenommen. Für den Typ 2-Diabetes hatten dies Präventionsforscher des finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlfahrt bereits vor 14 Jahren bewiesen.

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Ein auf Menschen mit gestörter Glukosetoleranz zugeschnittenes Diät- und Sport­programm senkte damals in einer vielbeachteten Studie die Zahl der Diabeteser­krankungen um 58 Prozent (NEJM 2001; 344: 1343-50). Das Geheimnis des Erfolgs war damals eine individuelle Betreuung der Teilnehmer, die es schafften, ihr Körpergewicht zu reduzieren und sich einem regelmäßigen Trainingsprogramm zu unterziehen. 

Jetzt hat die Gruppe sich der Demenzentwicklung im Alter angenommen. Die Demenz wird mehr noch als ein Typ 2-Diabetes als schicksalhaft angesehen. Die Ablagerung von Alzheimer-Plaques und -Fibrillen gilt als wesentliche Ursache. In der „Cardiovascular Risk Factors, Aging and Dementia“ oder CAIDE-Studie hatten die finnischen Präventions­mediziner jedoch zeigen können, dass Body Mass-Index, Blutdruck, Cholesterin, Bewegungsmangel und niedriges Bildungsniveau das Erkrankungsrisiko beeinflussen.

Aus diesen Faktoren sowie Alter und Geschlecht haben die Forscher einen einfachen CAIDE-Score entwickelt, den sie jetzt zur Grundlage für die Rekrutierung von Senioren für die „Finnish Geriatric Intervention Study to Prevent Cognitive Impairment and Disability“ (FINGER) gemacht haben. Gefordert wurde ein Score von sechs oder mehr Punkten, der ein leicht erhöhtes Demenzrisiko anzeigt. Außerdem musste wenigstens eines von drei Kriterien für eine kognitive Schwäche in der CERAD-Testbatterie erfüllt sein.

Die 1.260 Senioren im Alter von 60 bis 77 Jahren, die schließlich in die Studie einge­schlossen wurden, zeigten im allgemeinen nur geringe kognitive Schwächen. Ihre Testergebnisse lagen weniger als eine halbe Standardabweichung unter dem Durchschnitt der finnischen Bevölkerung. Die Intervention, auf die die Hälfte der Teilnehmer randomisiert wurde, hatte drei Komponenten.

Eine Ernährungsberaterin erläuterte den Teilnehmern in Gruppensitzungen und Einzelgesprächen die Vorzüge einer fettarmen und ballaststoffreichen Kost mit reichlich Obst und Gemüse. Bei einem erhöhten Body Mass Index wurde eine leichte Gewichtsreduktion angestrebt. Ein Physiotherapeut entwarf mit den einzelnen Teilnehmern ein auf ihre Vorlieben zugeschnittenes Bewegungsprogramm, das sowohl ein Krafttraining als auch Aerobic-Übungen umfasste. Ein Psychologe erläuterte das kognitive Training, das die Teilnehmer zuhause webbasiert am Computer durchführten.

Primärer Endpunkt der Studie waren die Ergebnisse in einer neuropsychologischen Testbatterie, die für die Frühdiagnose des Morbus Alzheimer entwickelt worden war. Wie das Team um Miia Kivipelto vom Karolinska Institut jetzt berichtet, erzielten die Teilnehmer der Interventionsgruppe insgesamt um 25 Prozent bessere Ergebnisse. Sie waren der Kontrollgruppe in zwei der drei Komponenten der Testbatterie überlegen: Ihre exekutiven Funktionen (planerisches Denken, Selbstbeherrschung, Verstand) waren um 83 Prozent besser als in der Vergleichsgruppe.

In den Tests zum Arbeitsgedächtnis („processing speed“) waren die Teilnehmer um 150 Prozent schneller. Nur in den Gedächtnistests – wo später im Fall einer Demenz die Defizite zuerst spürbar werden – waren die Teilnehmer des Interventionsarms der Kontrollgruppe dagegen nicht überlegen. Erst in einer Post-hoc-Analyse waren sie besser als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Post-hoc-Analysen sind jedoch anfällig für Verzerrungen, so dass hier Fragen offen bleiben.

Insgesamt ist das Team um Kivipelto jedoch mit den Ergebnissen der Studie zufrieden. Die Studienteilnehmer sollen jetzt über sieben Jahre nachbeobachtet werden. Dass die Lebensstil-Intervention die Demenz völlig verhindern kann, glauben die Forscher nicht. Doch wenn es gelänge, den Eintritt der Alzheimer-Krankheit um 5 Jahre hinauszuzögern, würde dies in den nächsten 50 Jahren die Hälfte aller Demenzerkrankungen verhindern, schreiben sie. © rme/aerzteblatt.de

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