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Politik

Experten benennen Schwachpunkte des DRG-Systems

Freitag, 13. März 2015

Berlin – Wolfgang Plücker, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens DKI GmbH, hat kritisiert, dass die Krankenhäuser in Deutschland die ärztlichen Leistungen aus dem Pflegebereich querfinanzieren. „Warum reichen die Erlöse nicht aus, um ausreichend Pflegekräfte zu bezahlen?“, fragte er auf dem 2. Deutschen Pflegetag in Berlin und gab gleich die Antwort: Weil das Geld zu den Ärzten verschoben werde.

Ein Problem sei insbesondere die Größe der Krankenhäuser in Deutschland, betonte Plücker: „In Deutschland haben die Häuser im Durchschnitt eine Größe von 250 Betten. Im restlichen Europa sind Häuser im Schnitt doppelt so groß.“ In den letzten Jahren habe es zudem noch eine Diversifizierung gegeben: Allgemeinchirurgien, zum Beispiel, seien noch einmal geteilt worden und dann noch einmal. Auf diese Weise seien Abteilungen mit circa 40 Betten entstanden, die weder leben noch sterben könnten.

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„Kleine Einheiten werden mit der Personalausstattung im Rahmen des DRG-Systems nicht zurechtkommen“, meinte Plücker. „Es ist nicht das DRG-System, das Ihnen das Personal klaut. Es ist die Organisation, die Ihnen nicht das Personal gibt, das Sie eigentlich aufgrund der erhaltenen Erlöse haben müssten.“ Das Problem sei dabei, dass manche Häuser kleine Abteilungen einfach nicht aufgeben wollten.

Der Münchner Gesundheitsökonom Günter Neubauer meinte, das DRG-System in Deutschland sei zwar nicht das beste System zur Krankenhausfinanzierung, aber doch das beste, das augenblicklich zur Verfügung stehe. Das bedeute aber nicht, dass es nicht noch verbessert werden könne.

Neubauer schlug vor, künftig zwischen effizienzorientierten und qualitätssichernden Leistungen zu unterscheiden. „Bei allen ‚face-to-face‘-Leistungen sollte eine bestimmte Zeit festgelegt werden, die vergütetet wird und die nicht verändert werden darf, also Inseln der Qualität im Meer der Ökonomie“.

Die Krankenhäuser müssten dann nachweisen, dass diese Zeiten auch wirklich einge­halten worden seien. Zudem müssten die DRGs spezifischer ausgerichtet werden. „Elektive Leistungen müssen anders vergütet werden als Notfallleistungen“, forderte er. Denn wer heute weniger Notfallpatienten habe, sei ökonomisch besser dran. © fos/aerzteblatt.de

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Dr. Sascha Baller
am Samstag, 14. März 2015, 08:17

Weissagung der Cree

Anscheinend sind auch beim deutschen Pflegetag die eigentlichen Probleme bei der Krankenhausfinanzierung nicht genannt worden. Politisch gewollt erhalten Krankenhäuser nicht die notwendigen finanziellen Mittel aus den Landeshaushalten für Investitionen. Lieber werden Steuergelder in Großprojekten und waghalsigen Finanztransaktionen versenkt als den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Gerne wird unter den einzelnen Berufsgruppen auch Zwietracht gesät (Ärzte nehmen der Krankenpflege das Geld weg, Fachärzte den Hausärzten usw.). Der Vorteil für die Politik liegt auf der Hand: „Dann sind die mal mit sich selbst beschäftigt…“. Das alles wird gepaart mit einer katastrophalen Rechtsprechung der Bundessozialgerichts und einem hervorragend funktionierenden Lobbyismus der Krankenkassen. Erst wenn die letzte Pflegekraft das Krankenhaus verlassen hat, der letzte Arzt sich einen anderen Job gesucht hat und das letzte Krankenhaus geschlossen hat werdet ihr merken, dass Politiker und Krankenkassenmitarbeiter Patienten nicht heilen können...
Dr. Sascha Baller
Heidelberg
www.drg24.de
Avatar #2546
Dr. Sascha Baller
am Samstag, 14. März 2015, 08:16

Weissagung der Cree

Anscheinend sind auch beim deutschen Pflegetag die eigentlichen Probleme bei der Krankenhausfinanzierung nicht genannt worden. Politisch gewollt erhalten Krankenhäuser nicht die notwendigen finanziellen Mittel aus den Landeshaushalten für Investitionen. Lieber werden Steuergelder in Großprojekten und waghalsigen Finanztransaktionen versenkt als den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Gerne wird unter den einzelnen Berufsgruppen auch Zwietracht gesät (Ärzte nehmen der Krankenpflege das Geld weg, Fachärzte den Hausärzten usw.). Der Vorteil für die Politik liegt auf der Hand: „Dann sind die mal mit sich selbst beschäftigt…“. Das alles wird gepaart mit einer katastrophalen Rechtsprechung der Bundessozialgerichts und einem hervorragend funktionierenden Lobbyismus der Krankenkassen. Erst wenn die letzte Pflegekraft das Krankenhaus verlassen hat, der letzte Arzt sich einen anderen Job gesucht hat und das letzte Krankenhaus geschlossen hat werdet ihr merken, dass Politiker und Krankenkassenmitarbeiter Patienten nicht heilen können...
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