NewsPolitikPflegekräfte wollen ihre Interessen künftig selbstbewusster vertreten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Pflegekräfte wollen ihre Interessen künftig selbstbewusster vertreten

Freitag, 13. März 2015

dpa

Berlin – Der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Andreas Westerfellhaus, hat heute in Berlin die deutschen Pflegekräfte dazu aufgerufen, selbstbewusster für ihren Berufsstand einzutreten. „Alle Pflegekräfte sind aufgerufen, für sich und ihre Interessen einzustehen. Wer das nicht tut, läuft Gefahr, nicht anerkannt zu werden“, sagte Wester­fellhaus auf dem 2. Deutschen Pflegetag unter dem Applaus der etwa 4.000 Zuhörer. „Sie alle leisten für die Gesellschaft etwas, was niemand anderes leisten kann. Tragen Sie das mit Selbstbewusstsein vor sich her!“

Westerfellhaus forderte, dass die Erlöse, die das Personal im Krankenhaus erwirt­schafte, auch für die Personalfinanzierung verwendet werden müsse. „Wir sind es leid, dass die Pflegekräfte als Kostenfaktor degradiert werden, und nur die Ärzte als diejenigen angesehen werden, die die Erlöse erwirtschaften“, sagte er, betonte jedoch: „Ich will keinen Zwist säen zwischen Ärzten und Pflegekräften. Wir erbringen die Leistungen am Patienten gemeinsam.“

Anzeige

Aber unter dem ökonomischen Wahn habe sich im Gesundheitswesen eine gewaltige Schieflage entwickelt. Da helfe auch kein Pflegeförderprogramm, wie es Bund und Länder nun in Höhe von 660 Millionen Euro auflegen wollen. Die 50.000 Pflegestellen, die seit 2007 weggefallen seien, hätten einen Wert von 2,4 Milliarden Euro. „Wir wollen unsere Kollegen zurück!“, rief Westerfellhaus aus. „Und wir wollen Konzepte für eine verlässliche, dauerhafte Personalfinanzierung.“

Westerfellhaus: „Wir wollen endlich tun dürfen, wofür wir qualifiziert sind“
Der Alltag desillusioniere viele Pflegekräfte, mache sie krank und zwinge in die Teilzeitarbeit. „Die psychosomatischen Erkrankungen der Kollegen sind sprunghaft angestiegen“, sagte der DPR-Präsident.  „Wo bleibt der Raum für Erholung und Regeneration?“

Abschließend forderte Westerfellhaus: „Es müssen endlich die Modellprojekte im Rahmen der Heilkundeübertragung umgesetzt werden. Wir sind hochqualifiziert und wir müssen endlich auch tun dürfen, wofür wir qualifiziert sind. Zudem brauchen wir mehr qualifiziertes Personal. Und wir brauchen angemessene Tarifverträge für alle.“  

Laumann: „Die Pflegenoten sind nicht zu retten“
Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, erklärte im Anschluss, dass viele  Pflegeeinrichtungen überhaupt nicht in Tarifverhandlungen einträten. Er forderte die Pflegekräfte daher auf, sich besser zu organisieren. „Die Bundesebene hat geregelt, dass die Kostenträger die Tariflöhne akzeptieren müssen und dass die Pflegeversicherung das Recht hat zu prüfen, ob das Geld auch bei den Pflegekräften angekommen ist. Mehr kann ich nicht machen. Den Rest müsst ihr euch schon selber holen.“

Zu den Pflegenoten sagte er, es sei falsch gewesen, dass man sich nicht auf einen Kernbereich geeinigt habe. „Heute kann man einen schweren Pflegefehler wie das Vertauschen von Arzneimitteln durch eine schön gedruckte Speisekarte ausgleichen. Das ist doch irre“, sagte Laumann und betonte: „Die Pflegenoten sind nicht zu retten. Ich werde in der Karwoche einen konkreten Vorschlag dazu machen. Ich werde in dem Zusammenhang dafür kämpfen, dass die Pflegeverbände bei der Umgestaltung der Pflegenoten auf Augenhöhe mit am Tisch sitzt.“ © fos/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #699905
Pflegeaktivist
am Samstag, 13. Juni 2015, 15:59

Richtig!

Ich bin selbst Pflegekraft und versuche mich in meiner wenigen Freizeit in Sachen berufspolitisches Engagement (derzeit noch via Facebook).. ich kann diesem Artikel einfach nur zu stimmen.. denn nur wenn die Pflegekräfte sich endlich zu einem nationalen Bündnis zusammenschließen und wie hier treffend beschrieben auf diese Weise ihre Interessen (inbesondere auf der politischen Ebene) selbstbewusst vertreten... nur dann kann das deutsche Pflegesystem von Grund auf Schritt für Schritt saniert werden!

Und die Aussage des Herrn Westerfellhaus ist ein weitere Schritt in diese Richtung! :)
Avatar #699905
Pflegeaktivist
am Samstag, 13. Juni 2015, 15:59

Richtig!

Ich bin selbst Pflegekraft und versuche mich in meiner wenigen Freizeit in Sachen berufspolitisches Engagement (derzeit noch via Facebook).. ich kann diesem Artikel einfach nur zu stimmen.. denn nur wenn die Pflegekräfte sich endlich zu einem nationalen Bündnis zusammenschließen und wie hier treffend beschrieben auf diese Weise ihre Interessen (inbesondere auf der politischen Ebene) selbstbewusst vertreten... nur dann kann das deutsche Pflegesystem von Grund auf Schritt für Schritt saniert werden!

Und die Aussage des Herrn Westerfellhaus ist ein weitere Schritt in diese Richtung! :)
LNS

Nachrichten zum Thema

30. März 2020
Berlin − Die Pflegekassen haben umfassende finanzielle Unterstützung für Heime und Pflegedienste in der Coronakrise zugesagt. „Wir haben einen Pflege-Rettungsschirm aufgespannt, der sofort
Pflegekassen starten Rettungsschirm für Heime und Pflegedienste
19. März 2020
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat heute in Absprache mit Pflegeverbänden verschiedene Maßnahmen beschlossen, um das Infektionsrisiko von Pflegekräften und Pflegebedürftigen zu
Coronakrise: Spahn will Pflegekräfte besser schützen
16. März 2020
Berlin – Die regelmäßigen Qualitätsprüfungen in den Pflegeheimen für den sogenannten Pflege-TÜV werden angesichts der Corona-Epidemie ausgesetzt, um das Personal in den Heimen zu entlasten.
Pflege-TÜV wird wegen Corona-Krise ausgesetzt
11. März 2020
In der Auseinandersetzung um eine Entlastung der Situation in der Pflege am Uniklinikum Schleswig-Holstein gibt es ein Angebot der Landesregierung. Am Freitag will die Gewerkschaft die
Regierung will die Pflege am Uniklinikum Schleswig-Holstein stärken
28. Februar 2020
Berlin – Hilfsorganisationen haben anlässlich des morgigen Equal Care Day eine Aufwertung der überwiegend von Frauen geleisteten Erziehungs-, Sorge- und Pflegearbeit gefordert. „Es sind in Deutschland
Equal Care Day: Kulturwandel zur Entlastung der Frauen gefordert
18. Februar 2020
Berlin – Die Digitalisierung wird das Leben im Alter ebenso wie den Alltag in der Pflege verändern. Stärker als in anderen Bereichen wirft der Einsatz digitaler Technologien, etwa auch von künstlicher
Digitalisierung in der Pflege: „Exklusion muss vermieden werden“
10. Februar 2020
Hamburg – Die Hamburger Allianz für die Pflege hat ein neues Informationsportal zum Vergleich der Arbeitsbedingungen in mehr als 100 Einrichtungen gestartet. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER