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Medizin

Krebswirkstoff lässt verletzte Neuronen wieder wachsen

Sonntag, 15. März 2015

Bonn – Ein Krebswirkstoff, der wie die Taxane die Mikrotubuli in der Zelle stabilisiert, hat in einer präklinischen Studie in Science (2015; doi: 10.1126/science.aaa2958) die Vernarbung des Rückenmarks nach Querschnittsverletzungen gehemmt und das Wachstum neuer Axone angeregt. Bei Ratten gingen die Lähmungserscheinungen zurück.

Taxane verhindern die Zellteilung von Krebs- und anderen Zellen, indem sie die Mikro­tubuli stabilisieren, die als Bestandteil des Spindelapparates in der Metaphase die Chromosomen auf die Tochterzellen verteilen sollen. Mikrotubuli gibt es auch in den Axonen von Nervenzellen. Sie sind dort ein Teil des Zytoskeletts und für den Zusammenhalt der Zellen von großer Bedeutung.

Periphere Nervenschäden sind deshalb eine häufige Nebenwirkung von Taxanen in der Chemotherapie. Das Gehirn und auch das Rückenmark werden nicht geschädigt, da Taxane die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Dies ist bei den Epothilonen anders. Die Substanzen wurden 1987 von Forschern der ehemaligen Braunschweiger Gesell­schaft für Biotechnologische Forschung entdeckt. Mit Ixabepilon ist eine Variante in den USA zur Behandlung von Brustkrebs zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hatte die Zulassung 2008 mit Hinweis auf die neurotoxische Wirkung abgelehnt.

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Aufgrund ihrer Fähigkeit, in das zentrale Nervensystem einzudringen, kämen Epothilone wie Ixabepilon für die Behandlung von Rückenmarksläsionen infrage. Ein Team um Frank Bradke untersucht derzeit die Effekte an Ratten. Die Forscher stellten bereits fest, dass Ixabepilon nach einer Querschnittsverletzung den Aufbau von neuen Mikrotubuli in den verletzten Axonen fördert.

Auch die Regeneration, die durch ein langsames Vorschieben der Axonspitze erfolgt, wurde beschleunigt. Die Zellexperimente deuten darauf hin, dass Epothilone hier eine zweite Wirkung erzielen: Sie scheinen die Bildung einer Narbe aufzuhalten, die sich nach einer Rückenmarksverletzung bildet und die Regeneration behindert. Bradke vermutet, dass eine Störung der Mikrotubuli in den Zellen, die die Narbe bilden, hier eine Rolle spielt.

Bei den Tieren kam es nach der Behandlung zu einer Verbesserung des Gangbildes. Die Tiere wirkten nach Auskunft der Forscher deutlich agiler als unbehandelte Artgenossen und sie konnten - dank wiedergewonnener Balance und Koordination - besser laufen.

Die Zeit für klinische Studien, die aufgrund der Zulassung von Ixabepilon in den USA ohne weitere Toxizitätstests schon jetzt möglich wären, ist nach Ansicht der Forscher jedoch noch nicht gekommen. Das nächste Ziel von Bradke und seinem Team ist es, den Effekt von Epothilonen bei unterschiedlichen Läsionstypen zu testen.

© rme/aerzteblatt.de

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