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Politik

Nur 15 Prozent der Kosten bei Rückenschmerz entfallen auf die Behandlung

Mittwoch, 18. März 2015

dpa

Berlin – 85 Prozent der durch Rückenschmerz anfallenden Kosten sind indirekter Art, gehen also auf Produktivitätsausfälle aufgrund von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zurück. Das geht aus dem neuen Bericht des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zum technischen Fortschritt im Gesund­heitswesen hervor. Danach entfallen nur rund 15 Prozent der Kosten auf die medizinische Behandlung.

Nach einer Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes wurden dem Bericht zufolge 2008 für die Behandlung von Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens 9,04 Milliarden Euro ausgegeben, rund vier Prozent der direkten Kosten für alle Krankheiten. Was die indirekten Kosten betrifft, gingen den Angaben zufolge „172.000 Erwerbstätigkeitsjahre durch Arbeitsunfähigkeit sowie 75.000 durch Invalidität aufgrund von Rückenschmerzen verloren“.

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Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufs­verband der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU) weisen darauf hin, dass 80 bis 85 Prozent der Menschen in Deutschland irgendwann in ihrem Leben an Rückenschmerzen leiden. Insbesondere der sogenannte Hexenschuss, also die akute Lumbalgie, sei ein Warnsignal. „Sie sind nicht selten ein Hinweis auf eine schlecht trainierte Rücken- und Bauchmuskulatur oder einen bewegungsarmen Lebensstil“, hieß es aus den Gesell­schaften. Hinter einem Hexenschuss könne aber auch eine ernsthafte Erkrankung wie ein Bandscheibenvorfall stecken.

„Bewegung ist hervorragend gegen Kreuzschmerzen. Allerdings übertreiben es einige Menschen im Frühjahr und belasten in ihrem Tatendrang nach der Winterzeit ihre darauf nicht vorbereitete Wirbelsäule zu stark, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Frühjahrsputz oder beim Entrümpeln. Der Rücken sendet dann mit dem Hexenschuss ein Warnsignal“, erläutert Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfall­chirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach und Generalsekretär der DGOU.

„Jeden kann es treffen. Trotzdem sollten Betroffenen den Hexenschuss als Anlass nehmen, mehr für ihre Rückengesundheit zu tun. Das ist vor allem für Menschen wichtig, die aufgrund ihrer Arbeit viel sitzen müssen“, empfiehlt Johannes Flechtenmacher, Niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Karlsruhe und Präsident des BVOU.

Kladny und Flechtenmacher weisen darauf hin, dass Patienten mit sehr starken Schmerzen oder Begleitsymptomen wie Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen umgehend einen Orthopäden oder Unfallchirurgen aufsuchen sollten.

© hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 20. März 2015, 00:09

15% Behandlungskosten weisen auf ein ganz anderes Dilemma hin...

durch Pauschalierung der Behandlung, durch Regress-Androhung und Einschränkungen sinnvoller Physiotherapieen werden vernünftige Therapie-Ansätze torpediert. Neuraltherapie, Facetten-Infiltrationen, periradikuläreTherapie, REHA-Sport, mobilisierende Maßnahmen, aktive Gewichtsabnahme unter Anleitung, flankierende diätetische u n d Lebensstil-ändernde Interventionen werden weder gefördert, gewollt noch implementiert.

Man gewinnt den Eindruck, Gesundheitspolitik, Krankenkassen, Medien, Öffentlichkeit sind sind eher zufrieden mit dem Status quot des ewigen "Doc, ich hab aber Rücken!", damit weiterhin die Möglichkeit des Jammerns und Wehklagens mit sekundärem Krankheitsgewinn bestehen bleibt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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