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Medizin

US-Internisten fordern weniger Herztests für Gesunde

Mittwoch, 18. März 2015

dpa

Portland – Das American College of Physicians, die führende US-amerikanische internistische Fachgesellschaft, kritisiert den häufigen Einsatz von EKG, Stress-Echo und Herz-Szintigraphien bei Patienten ohne kardiale Risikofaktoren. Die Herztests sind laut einer Leitlinie in den Annals of internal Medicine (2015; 162: 438-447) nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sie könnten den Patienten auch Schaden zufügen.

Ein Elektrokardiogramm (EKG) gehört (auch) in den USA zu den Untersuchungen, die Ärzte ihren Patienten häufig anbieten. Auch eine Stress-Echokardiographie verspricht nach Ansicht vieler kardiologischer Kollegen wertvolle Informationen über die Leistungs­fähigkeit des Herzmuskels. Äußert der Patient Beschwerden in der Brust, fällt häufig der Vorschlag auf eine Myokardszintigraphie. Nach Einschätzung des American College of Physicians werden alle drei Tests zu häufig durchgeführt. Bei Menschen mit Herzer­krankungen hätten die Tests zweifellos ihren Stellenwert, schreibt Roger Chou von der Oregon Health & Science University in Portland. Bei gesunden Menschen ohne kardiale Risikofaktoren seien sie jedoch nicht angebracht.

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Als Beispiel nennt der Experte für Allgemeinmedizin eine 60-jährige Frau mit durchschnittlichen Lipidwerten (Gesamtcholesterin 211 mg/dl, HDL 59 mg/dl). Ohne weitere Risikofaktoren betrage ihr 10-Jahresrisiko auf eine Koronare Herzkrankheit 2 Prozent. Bei einem Linksschenkelblock im EKG mit einer bereinigten Hazard Ratio von 1,5 steige das Risiko auf 3 Prozent. Das kardiale Risiko sei damit weiterhin sehr gering und eine therapeutische Konsequenz ergebe sich aus dem Befund auch nicht.

Ein EKG sei bei der Frau unnötig. Der Befund sei aber in der Lage, die Frau zu verängstigen und eventuell als nächste Diagnostik eine Stress-Echokardiographie auszulösen. Die Risiken dieser beiden Tests mögen trivial erscheinen, doch eine Stress-Echokardiographie ist laut Chou immerhin mit einem Risiko von 1 zu 10.000 auf eine Komplikation verbunden, die eine Hospitalisierung erforderlich mache.

Die geringe Spezifität der Stress-Echokardiographie könnte dazu führen, dass der Frau eine Myokardszintigraphie angeboten wird. Diese Untersuchung erfordert die Injektion eines radioaktiven Tracers, der mit einer effektiven Strahlendosis von 15,6 mSv verbunden ist (zum Vergleich Röntgenthorax: 8 mSv). Chou zitiert eine Studie, nach der 10.000 Myokardszintigraphien bei Personen im Alter von 50 Jahren 2 bis 25 zusätzliche Krebsfälle auslösen.

© rme/aerzteblatt.de

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