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Medizin

Zunahme der aktiven Sterbehilfe in Belgien

Donnerstag, 19. März 2015

Brüssel – In Belgien ist es in den letzten Jahren zu einem deutlichen Anstieg der aktiven Sterbehilfe gekommen. Ärzte gaben in einer 2013 in Flandern durchgeführten Umfrage an, dass sie bei 4,6 Prozent ihrer sterbenden Patienten den Wunsch auf die Gabe eines tödlichen Medikaments erfüllt haben.

Die gezielte Herbeiführung des Todes durch ärztliches Handeln, die als aktive Sterbehilfe oder auch Euthanasie bezeichnet wird, ist weltweit nur in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und im US-Bundesstaat Oregon erlaubt. In Belgien wurden seit 1988 vier Umfragen unter Ärzten durchgeführt. In den ersten drei Umfragen hatte der Anteil der aktiven Sterbehilfe unter 2 Prozent gelegen. Im Jahr 2013 gaben die in Flandern befragten Ärzte dann an, dass sie bei 4,6 Prozent der Sterbenden den Tod aktiv herbeigeführt hätten. Der assistierte Suizid, bei dem der Patient sich das Mittel selbst verabreicht, war mit einem Anteil von 0,05 Prozent sehr viel seltener.

Die aktive Sterbehilfe/assistierter Suizid geschah überwiegend auf einen aktuell mündlich oder schriftlich geäußerten Wunsch des Patienten hin. In 5,5 Prozent der Fälle wurde eine Patientenverfügung umgesetzt. Der Tod wurde zu 65 Prozent durch die Gabe eines Muskelrelaxans und/oder eines Barbiturats herbeigeführt. Zu 33 Prozent wurden Benzodiazepine oder Opiate in einer Überdosis verabreicht. Die Ärzte schätzten, dass 55,5 Prozent der Patienten ohne die aktive Sterbehilfe weniger als 1 Woche zu leben gehabt hätten.

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Die passive Sterbehilfe ist wesentlich häufiger. Bei 24,2 Prozent der Patienten haben die Ärzte die Dosis von Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten in dem Wissen erhöht, dass dies den Tod des Patienten beschleunigen wird. Bei weiteren 17,2 Prozent wurden lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen oder beendet. Hier hat es keine Änderung zu den Jahren zuvor gegeben. Weitere 12,0 Prozent der Patienten wurden vor dem Tod in eine tiefe Sedation versetzt. Der Trend war hier gegenüber den früheren Umfragen rückläufig.

Laut Joachim Cohen und Luc Deliens von der Freien Universität Brüssel, die die Zahlen jetzt im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMc1414527) veröffentlichen, hat sich die aktive Sterbehilfe elf Jahre nach der Legalisierung im Jahr 2002 zu einer „validen Option“ entwickelt. Die Häufigkeit der aktiven Sterbehilfe war 2013 erstmals höher als in den benachbarten Niederlanden, wo 2010 eine Rate von 2,8 Prozent ermittelt worden war. © rme/aerzteblatt.de

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