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Medizin

Neben­nieren-Karzinom: Linsitinib wirkt selten, aber extrem gut

Mittwoch, 18. März 2015

Würzburg – Der experimentelle Wirkstoff Linsitinib, der den Signalweg des Wachstums­faktors IGF-II blockiert, hat in einer Phase III-Studie bei Patienten mit Nebennieren-Karzinom bei den meisten Patienten enttäuscht. Bei einigen wenigen Patienten kam es laut der Publikation in Lancet Oncology (2015; doi: 10.1016/S1470-2045(15)70081-1) jedoch zu einer deutlichen Verlängerung der Lebenszeit.

Karzinome der Nebennieren sind extrem selten. Die Inzidenz wird auf 1 bis 2 Personen pro Million Einwohner geschätzt. In Deutschland erkranken pro Jahr zwischen 80 und 120 Menschen. Ein Nebennieren-Karzinom wird entweder entdeckt, weil die Patienten infolge einer unkontrollierten Cortisol-Produktion ein Cushing-Syndrom entwickeln oder durch eine gesteigerte Ausschüttung männlicher Hormonvorstufen auffallen (Hirsutismus bei Frauen). Andere Tumore produzieren keine Hormone. In diesen Fällen führt die zunehmende Tumorgröße mit hieraus resultierenden Symptomen zur Diagnose. In den meisten Fällen wird das Krebsleiden erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium erkannt.

Eine Besonderheit von Nebennieren-Karzinomen ist die Bildung von Insulin-like growth factor 2 (IGF-II) auf der Oberfläche der Tumorzellen. Dieser Signalweg wird durch den oral verfügbaren Wirkstoff Linsitinib gehemmt, der – trotz der Bezeichnung – eher als Rezeptor-Antagonist, denn als Kinase-Inhibitor wirkt. Bereits im Dezember 2009 wurde eine Phase III-Studie begonnen, an der weltweit an 35 Kliniken 139 Patienten teilnahmen. Die meisten Patienten brachten dabei das Universitätsklinikum Würzburg und die University of Michigan in Ann Arbor ein, zwei international führende Zentren in der Behandlung des seltenen Tumors.

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Die Patienten wurden im Verhältnis 2 zu 1 auf eine Behandlung mit Linsitinib oder Placebo randomisiert. Im März 2012 wurde die Verblindung der Studie aufgehoben. Linsitinib hatte zu diesem Zeitpunkt weder das Gesamtüberleben (323 versus 356 Tage in der Placebo-Gruppe) noch das progressionsfreie Überleben (44 versus 46 Tage unter Placebo) verbessert. Für die meisten Patienten war die Therapie deshalb ein Fehlschlag.

Vier Patienten sprachen jedoch außerordentlich gut auf das Medikament an. Bei allen wurde das Tumorleiden über mehr als zwei Jahre kontrolliert. Bei drei Patienten kam es sogar zu einer deutlichen Reduktion der Tumormassen, die über drei Jahre anhielt, und dies bei erstaunlich wenig Nebenwirkungen, wie Fassnacht berichtet. Eine der Würzbur­ger Patientinnen nehme das Medikament mittlerweile seit viereinhalb Jahren ein und die Erkrankung sei auf den CT-Bildern kaum noch zu sehen. Einen solch erfreulichen Verlauf habe er bisher bei kaum einer anderen Therapie gesehen und das, obwohl Würzburg zu den wenigen großen Referenzzentren weltweit für diese Erkrankung gehört, unterstreicht der Internist und Krebsexperte.

Zusammen mit Gary Hammer vom Comprehensive Cancer Center in Ann Arbor will Fassnacht weitere Studien durchführen. Dabei wollen die Experten herausfinden, welche Faktoren für die Wirksamkeit bei einer kleinen Untergruppe von Patienten verantwortlich sind. Im ersten Schritt sind Genanalysen der behandelten Patienten geplant. © rme/aerzteblatt.de

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