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Medizin

Blutfluss im Ungeborenen zeigt optimalen Geburtszeitpunkt an

Sonntag, 22. März 2015

Hamburg – Bei bestimmten Risikoschwangerschaften zeigen Veränderungen des Blutflusses im Ungeborenen den optimalen Geburtszeitpunkt besser an als die Herztonfrequenz. Das berichten Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in der Fachzeitschrift The Lancet (doi 10.1016/S0140-6736(14)62049-3).

Für die Studie mit dem Arbeitsnamen TRUFFLE (The Trial of Umbilicial and Fetal Flow in Europe) untersuchte die Arbeitsgruppe um Kurt Hecher, Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE, an 20 westeuropäischen Kliniken zwischen Januar 2005 und Oktober 2010 insgesamt 503 schwangere Frauen mit einer Placenta-Unterfunktion.

Alle teilnehmenden Frauen wurden per Zufall gleichmäßig auf eine von drei Unter­suchungsgruppen verteilt. In der einen Gruppe bestimmten die Ärzte den Entbindungs­zeitpunkt, indem sie so genannte Kurzzeitvariationen der Herztonfrequenz des Kindes maßen. In den anderen beiden Gruppen beobachteten sie mit Hilfe von Ultraschallver­änderungen des Blutflusses in den Nabelschnurarterien und im Ductus venosus und leiteten entweder bei frühen oder bei späten Blutflussveränderungen die Geburt ein.

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Zwei Jahre nach der Geburt wurden alle Kinder untersucht. Dabei wurden unter anderem ihre geistige Entwicklung, ihr Hör- und Sehvermögen, die Motorik sowie ihr Kommuni­kationsvermögen getestet. Ergebnis: Kinder, bei denen späte Veränderungen des Blutflusses den Entbindungszeitpunkt bestimmten, waren im Alter von zwei Jahren eher ohne neurologische Auffälligkeiten (Anteil: 95 Prozent). In den beiden anderen Unter­suchungsgruppen lagen diese Werte bei 91 und 85 Prozent. Insgesamt überlebten 82 Prozent aller Kinder ohne neurologische Auffälligkeiten.

Das Ergebnis hat Hecher zufolge unmittelbare Auswirkungen auf die klinische Praxis: „Man sollte warten, bis sich deutliche Auffälligkeiten im Blutfluss des Ductus venosus – einem Kurzschluss zwischen der Nabelschnurvene und dem Herzen des Ungeborenen – zeigen und dann die Geburt einleiten. Es sei denn, es treten vorher andere Komplikationen auf“, erläutert er das Ergebnis.

Hecher betonte, die Studie zeige auch, wie wichtig das intensive Überwachen dieser Kinder während der Schwangerschaft sei.

© hil/aerzteblatt.de

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