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Medizin

Kein Hyperkaliämie-Risiko bei Aknetherapie mit Spironolacton

Montag, 23. März 2015

Boston – Die Sorge, dass es unter einer Akne-Therapie mit dem Aldosteron-Anta­gonisten Spironolacton zu einer gefährlichen Hyperkaliämie kommt, ist bei der Anwen­dung bei ansonsten gesunden Frauen offenbar unbegründet, wie eine retrospektive Studie in JAMA Dermatology (2015; doi: 10.1001/jamadermatol.2015.34) zeigt.

Spironolacton ist eine selten eingesetzte, aber häufig effektive Behandlung der adulten Akne, die häufig bei Frauen jenseits der Pubertät auftritt und durch einzelne größere entzündliche Läsionen häufig im unteren Wangenbereich und am Kinn gekennzeichnet ist. Als Ursache gilt eine durch Androgene ausgelöste vermehrte Talgproduktion.

Zu den antiandrogenen Substanzen, die im Prinzip bei der adulten Akne wirksam sind, gehört das 1959 eingeführte Spironolacton. Spironolacton inhibiert nicht nur den Aldosteron-, sondern auch den Androgen-Rezeptor. Es blockiert zudem den Typ 2 der 17beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase und vermindert damit die Bildung von Androgenen.

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Obwohl eine Cochrane-Meta-Analyse die Wirksamkeit von Spironolacton aufgrund einer schwachen Datenbasis nicht für erwiesen hält, schwören einige Dermatologen auf den Eisatz des Diuretikums bei der adulten Akne. Zwei Gründe haben allerdings den breiteren Einsatz verhindert. Der eine ist die Furcht vor einer Hyperkaliämie, die immerhin Auslöser von tödlichen Herzrhythmusstörungen sein kann. Zum anderen besteht der Verdacht, dass Spironolacton teratogen ist. Schwangerschaften sind eine Kontraindikation. Überhaupt gibt es kein Spironolacton-Präparat, das zur Behandlung der Akne zugelassen wäre.

Der Dermatologe Arash Mostaghimi vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat jetzt die Daten von 974 Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren ausgewertet, die ambulant mit Spironolacton behandelt wurden. Die verantwortungsbewussten Ärzte führten insgesamt 1.802 Kontrollen des Kaliumspiegels durch. Nur bei 13 Patientinnen waren die Kaliumwerte erhöht. Die Rate von 0,72 Prozent war nicht höher als in einer Vergleichsgruppe, die nicht mit Spironolacton behandelt wurde.

Bei keiner der 13 Patientinnen  waren die Kaliumwerte so stark erhöht, dass Herz­rhythmusstörungen zu befürchten waren. Bei einer Kontrolle hat die Hälfte der Patientinnen wieder normale Kaliumspiegel. Mostaghimi hält deshalb eine routinemäßige Kontrolle des Kaliumwerts für unnötig, zumal er die Kosten in die Höhe treibt. Eine monatliche Dosis Spironolacton kostet in den USA etwa 4 Dollar. Eine einzelne Kaliumbestimmung im Blut schlägt mit fast 44 Dollar zu Buche.

Natürlich sei ein Verzicht auf eine Kaliumbestimmung nur bei ansonsten gesunden jungen Frauen zu empfehlen, meint die Editorialistin Emmy Graber von der Boston University, die auch auf das zweite Problem eingeht. Während in der deutschen Fachinformation das Problem der Reproduktionstoxizität am Rande erwähnt wird (zu den Gegenanzeigen gehört aber wie in den USA eine Schwangerschaft), gibt es im US-Label einen umrahmten Warnhinweis zu einer möglichen feminisierenden Wirkung auf das männliche Genital.

Die Warnung geht auf Experimente an Ratten zurück, die mit einer Tagesdosis von circa 160 mg/kg Körpergewicht behandelt wurden. Die empfohlene therapeutische Dosis von Spironolacton liegt bei 50 oder 100 mg für den gesamten Körper und damit etwa um den Faktor 100 niedriger als bei den Tierexperimenten. Ähnliche Dosisunterschiede gab es hinsichtlich eines möglichen Tumorrisikos.

Die deutsche Fachinformation erwähnt Schilddrüsen- und Hodenadenome bei Ratten, laut Graber sind auch Adenome in Brustdrüse und Leber und das Auftreten von myeloiden Leukozyten beobachtet worden. Dieses Risiko ist die Grundlage für die Empfehlung, die Therapie auf einen möglichst kurzen Zeitraum zu begrenzen, was einer langfristigen Anwendung in der Aknetherapie entgegen stehen würde. Auch dieser Einwand erscheint Graber jedoch nicht stichhaltig. © rme/aerzteblatt.de

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