NewsMedizinTiefe Hirnstimulation lindert vorübergehend Schmerzen bei Parkinson
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Tiefe Hirnstimulation lindert vorübergehend Schmerzen bei Parkinson

Dienstag, 24. März 2015

Seoul – Die tiefe Hirnstimulation, die beim Morbus Parkinson vor allem die motorischen Symptome bessern soll, hat möglicherweise einen günstigen Nebeneffekt. In einer Fallserie in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.8) kam es bei den meisten Patienten zu einem Rückgang der Schmerzen, die über acht Jahre Bestand hatte. Mit der Zeit entwickelten sich an anderen Stellen jedoch neue Schmerzpunkte.

Viele Patienten mit Morbus Parkinson leiden unter Schmerzen, deren Entstehung nicht genau bekannt ist. Nicht immer sprechen die Schmerzen auf eine medikamentöse Behandlung an. Es war deshalb eine erfreuliche und überraschende Entdeckung, dass die tiefe Hirnstimulation Schmerzen lindert. Überraschend war dies, weil der Nucleus subthalamicus, der beiderseits durch die Elektroden stimuliert wird, im Gehirn eigentlich nur motorische Aufgaben hat. Eine Schädigung führt zum Ballismus, der sich durch plötzliche, unwillkürliche und heftige Schleuderbewegungen der Arme und Beine äußert. Die elektrische Stimulierung beim Morbus Parkinson wirkt sich dagegen günstig auf die motorischen Symptome aus.

Anzeige

Die schmerzlindernde Wirkung ist auch anderen Behandlungszentren aufgefallen. Häufig wurde sie für ein kurzzeitiges Phänomen gehalten. Das Team um Beom Jeon von der Universität Seoul kann jetzt jedoch zeigen, dass die Wirkung auch acht Jahre nach der Implantation der Elektroden anhält. Von den 24 Patienten, die an der Klinik behandelt wurden, hatten 16 Patienten vor der Implantation der Elektrode über Schmerzen geklagt, die sie auf einer Skala mit 6,2 von 10 möglichen Einheiten bewertet hatten.

Alle Patienten erlebten eine deutliche Linderung der Schmerzen, die bei einigen völlig verschwanden. Die Wirkung hielt laut Jeon auch nach acht Jahren noch an. Dies bedeutete allerdings nicht, dass die Patienten heute keine Schmerzen haben. Bei insgesamt 18 der 24 Patienten traten Schmerzen an anderer Stelle wieder auf. Sie leiden heute vor allem unter Schmerzen des Bewegungsapparates, die nicht durch die tiefe Hirnstimulation beeinflusst werden können. Die Intensität der neuen Schmerzen ist mit durchschnittlich 4,4 Einheiten auf der Skala allerdings geringer. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. September 2019
San Francisco – Eine bilaterale tiefe Hirnstimulation des Nucleus caudatus, die zu den Therapieoptionen beim Morbus Parkinson gehört, hat in einer ersten klinischen Studie bei 3 von 5 Patienten einen
Tiefe Hirnstimulation mildert refraktären Tinnitus in Phase-1-Studie
18. September 2019
Iowa City – Einige Medikamente, die seit langem zur Behandlung von Miktionsstörungen bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingesetzt werden, können möglicherweise die Entwicklung oder das
Studie: BPH-Wirkstoffe könnten Morbus Parkinson verlangsamen
22. Juli 2019
Osnabrück – Experten der Bundesregierung prüfen derzeit, ob Parkinson bei Landwirten als Berufskrankheit anerkannt wird. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung heute berichtete, geht es dabei um den Kontakt
Regierung prüft Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten
10. Juli 2019
Hannover/München – Die in grünem Tee enthaltene Substanz Epigallocatechingallat (EGCG), ein Oligomermodulator, hat in einer Studie bei Patienten mit Multisystematrophie (MSA) keine ausreichende
Substanz aus grünem Tee ohne ausreichende Wirkung bei Multisystematrophie
28. Juni 2019
Baltimore – US-Forscher haben bei Mäusen durch Injektion von Alpha-Synuclein in die Darmwand ein Parkinson-ähnliches Krankheitsbild ausgelöst. Ihre in Neuron vorgestellten Experimente zeigen, dass die
Mausmodell bestätigt Prionen-Hypothese bei Morbus Parkinson
21. Juni 2019
London – Die ersten Veränderungen beim Morbus Parkinson treten offenbar nicht, wie allgemein angenommen, in dopaminergen Neuronen, sondern im serotonergen System auf. Darauf deutet eine Studie an
Genetischer Morbus Parkinson könnte mit Serotoninmangel beginnen
17. Juni 2019
Boston – US-Forscher haben herausgefunden, mit welchen Enzymen Darmbakterien das Parkinsonmedikament L-Dopa inaktivieren. In Science berichten sie, wie dies verhindert werden könnte (2019; 364:
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER