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Medizin

Fetus verzieht Mund, wenn die Mutter raucht

Mittwoch, 25. März 2015

Verhalten des Feten, wenn die Mutter raucht. Unten das Kind einer Nichtraucherin

Durham – Die Folgen des transplazentaren Passivrauchens sind bei den vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen auch auf dem Gesicht des Feten erkennbar. Dieser reagiert laut einer Untersuchung in Acta Paediatrica (2014; doi: 10.1111/apa.13001) mit vermehrten Mundbewegungen und häufigeren Berührungen des Gesichts mit den Händen.

Die Psychologin Nadja Reissland von der Universität Durham in England hat sich auf die vorgeburtliche Mimik und Gestik spezialisiert. Ihre Analysen von 4-D-Ultraschall-Filmen zeigen, dass die Feten sehr sensibel auf äußere Reize reagieren, auch wenn die Auswirkungen subtil sind. In der Fachzeitschrift Laterality: Asymmetries of Body, Brain and Cognition (2015; doi: 10.1080/1357650X.2014.920339) berichtete sie kürzlich, dass Kinder von gestressten oder depressiven Müttern sich in der Spätschwangerschaft häufiger mit der linken Hand im Gesicht berühren als mit der rechten. Diese Latera­lisierung wird von Psychologen als Hinweis auf eine Depression gedeutet: Die rechte Hemisphäre soll bei einer Depression vermehrt aktiv sein, was sich dann wegen der Überkreuzung der motorischen Bahnen auf die linke Hand auswirkt.

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Für die aktuelle Untersuchung hat die Forscherin die 4-D-Ultraschall-Filme von 20 Feten untersucht. Vier der 20 Schwangeren waren Raucherinnen mit einem durchschnittlichen täglichen Tabakkonsum von 14 Zigaretten. Bei der Auswertung der Ultraschallaufnahmen stellte Reissland fest, dass die Feten, die zwischen der 24. und 36. Gestationswoche viermal gefilmt wurden, vermehrte Bewegungen im Mundbereich zeigten, wenn ihre zukünftigen Mütter Raucherinnen waren.

Reissland deutet dies als eine Folge der vermehrten Nikotinexposition. Die stimulierende Substanz aus dem Tabakrauch gelange von der Lunge ins Blut der Mutter und über die Plazenta auch in den Kreislauf des Kindes. Im Gehirn des Kindes löse die Droge dann den vermehrten Bewegungsimpuls der mimischen Muskulatur aus. Diese Effekte waren laut Reissland auch dann noch nachweisbar, wenn Stress oder Depressionen bei der Mutter als Einflussgröße berücksichtigt wurden.

Eine weitere Folge der transplazentaren Nikotinexposition zeigt sich laut Reissland in der Häufigkeit, mit der der Fetus sein Gesicht berührt. Diese Bewegungen nehmen im Verlauf der Spätschwangerschaft ab. Passivrauchen verzögerte in der Studie diese normale Entwicklung. Die Unterschiede waren auch hier subtil und Reissland ist sich bewusst, dass die Ergebnisse ihrer Pilotstudie mit gerade einmal 20 Feten durch weitere Studien bestätigt werden müssen.

© rme/aerzteblatt.de

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