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Medizin

Luftschadstoffe erhöhen Schlaganfallrisiko

Donnerstag, 26. März 2015

dpa

Edinburgh – Luftschadstoffe erhöhen kurzfristig das Schlaganfallrisiko. Dies geht aus einer Reihe von Studien hervor, die in einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 350: h1295) zusammengefasst wurden.

Frühere Untersuchungen hatten die Luftverschmutzung bereits mit einer erhöhten Rate von Herzinfarkten und akuten Entgleisungen einer chronischen Herzinsuffizienz in Verbindung gebracht. Der Effekt ist häufig bereits am gleichen Tag messbar. Experten führen ihn auf die Einwirkung der Luftschadstoffe auf das sympathische Nervensystem und auf die Endothelien zurück. Die Folge sind akute Durchblutungsstörungen durch verengte Gefäße oder ein Verschluss durch einen Thrombus.

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Was in den Koronarien zum Herzinfarkt führt, kann in den Hirnarterien einen Schlaganfall auslösen. Der Kardiologe Anoop Shah von der Universität Edinburgh und Mitarbeiter haben zu dieser Frage 103 Beobachtungsstudien aus 103 Ländern ausgewertet. Auf der Basis von 6,2 Millionen Ereignissen ergibt ihre Meta-Analyse signifikante Assoziationen: Jeder Anstieg der Kohlenmonoxidkonzentration um 1 ppm war mit einem um 1,5 Prozent erhöhten relativen Risiko auf einen Schlaganfall verbunden.

Pro 10 ppb Schwefeldioxid stieg das Risiko um 1,9 Prozent und beim Stickstoffdioxid waren es pro 10 ppb 1,4 Prozent mehr Schlaganfälle, die zu einer Krankenhaus­einweisung führten oder mit dem Tod endeten. Für den Feinstaub PM2,5 (1,1 Prozent pro 10 µg/m3) und für den Feinststaub PM10 (0,3 Prozent pro 10 µg/m3) wurden ebenfalls deutliche Assoziationen gefunden.

Luftqualität, Schlaganfall und koronare Ereignisse: Ergebnisse der Heinz Nixdorf Recall Studie aus dem Ruhrgebiet

Die Zeiten der großen Smog-Episoden sind in Deutschland weitgehend Vergangenheit. Aber auch heute noch werden Grenzwerte für die Luftqualität häufig überschritten und es gibt Diskussionen um Umweltzonen, Umgehungsstraßen, Auflagen für die Industrie bis hin zu Eingriffen in den persönlichen Lebensstil.

Am schwächsten wirkte sich eine erhöhte Ozon-Konzentration aus. Hier stieg das Schlaganfallrisiko nur um 0,1 Prozent pro 10ppb Ozon. Bei Kohlenmonoxid, Schwefel­dioxid und Stickstoffdioxid war das Risiko am ersten Tag nach der Exposition am höchsten und ließ in den folgenden Tagen wieder nach. Beim Feinststaub hielt die Wirkung über mehrere Tage unvermindert an.

Für Shah sind die Studienergebnisse ein klarer Hinweis auf eine akute schädliche Wirkung der Luftschadstoffe. Da Schlaganfälle mit dem Alter häufiger werden, sind in erster Linie Senioren gefährdet. Shah rät ihnen, an Tagen mit erhöhten Luftschadstoffen die Wohnung nicht zu verlassen. Interessanterweise waren die Assoziationen in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen am deutlichsten.

In diese Gruppe fallen auch Schwellenländer wie China, deren Städte derzeit die weltweit höchste Luftverschmutzung aufweisen. In diesen Ländern ist in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Schlaganfälle deutlich gestiegen. Experten führten dies bisher auf die erhöhte Lebenserwartung zurück. Nach der Untersuchung von Shah könnte aber auch die Luftverschmutzung von Bedeutung sein. Schlaganfälle sind weltweit die zweit­häufigste Todesursache und die drittwichtigste Ursache für Behinderungen.

© rme/aerzteblatt.de

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